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New York PaintingVon neuen Meistern im Big Apple

Das Kunstmuseum Bonn hat sich auf die Spur des New York Painting begeben. Die Schau legt ihren Fokus nicht etwa auf Epochen der Nachkriegszeit wie den abstrakten Expressionismus oder die Pop-Art. Vielmehr soll herausgearbeitet werden, was die aktuelle Malerei in den zahlreichen Galerien der Metropole ausmacht.

Von Georg Imdahl | 17.05.2015

Zwei Hände halten zwei Malpinsel.
Die Ausstellung in Bonn zeigt Bilder von insgesamt elf jüngeren Malerinnen und Malern aus New York - darunter Elizabeth Cooper, Ryan Sullivan und Jeff Elrod. (picture alliance / dpa / Hendrik Schmidt)
Die Malerei in New York, so will uns das Kunstmuseum Bonn auf seiner Homepage glauben machen, sei heute ebenso lebendig wie zu Zeiten des Abstrakten Expressionismus und der Pop Art – wie in den Blütezeiten der 1950er- und 60er-Jahre also. New York wird noch einmal in höchsten Tönen als Metropole gepriesen, als verkörpere die Stadt mit ihren Blockbuster-Galerien und Auktionshäusern nicht längst eine rigorose Ökonomisierung der Kunst.
"Wir haben ja eine Reihe von Ausstellungen zur New Yorker Malerei gemacht, die eigentlich eher so die Heroen der Nachkriegszeit vorgestellt hat, und daraus hat sich eigentlich der Recherche-Auftrag ergeben, die Malerei zu präsentieren, die aktuell die Galerien und auch Ausstellungshäuser beherrscht. Es ist eine Generation, die so plus minus in den 70er-Jahren geboren ist und eben ihren ersten Auftritt im neuen Jahrtausend hatte und die letztlich diese Debatten um das, was Malerei tun darf und was Malerei nicht tun darf, hinter sich gelassen hat."
So Christoph Schreier, Kurator der Ausstellung mit Bildern von insgesamt elf jüngeren Malerinnen und Malern aus dem Big Apple.
Einstige Frontstellungen von Moderne und Postmoderne sind passé
Tatsächlich sind frühere Demarkationslinien wie abstrakt versus figurativ längst verwischt, und so spielt denn auch eine Malerin wie Elizabeth Cooper in ihren Abstraktionen mit Anspielungen auf die gegenständliche Welt. Auch einstige Frontstellungen von Moderne und Postmoderne sind inzwischen ad acta gelegt. Aber dies ist ja nicht erst seit heute oder seit gestern so. Und auch die Vorbehalte gegen die Malerei, wie Schreier sie benennt, werden seit langem gehegt und tradiert.
"Nummer eins: Malerei ist antiquiert, weil neue Bildmedien die Malerei in den Hintergrund gedrückt haben. Nummer zwei: Sie ist nicht intellektuell genug, sie appelliert eher an die Sinne. Nummer drei: Sie ist kommerzialisierbar, sie ist handelbar. Mit diesen Vorwürfen muss man irgendwie umgehen, aber das würde für mich in keiner Weise bedeuten, dass man dieses Medium ausgrenzt."
Von Ausgrenzung kann in den Museen auch keine Rede sein. Und dass gerade junge New Yorker Malerei gegenwärtig auf massive Weise vermarktet wird, ist kein Vorurteil, sondern eine Tatsache. So fahndet man also in der Bonner Schau nach Bildern, in denen sich Zeitgenossenschaft mitteilt – denen anzusehen wäre, dass sie eben wirklich hier und heute gemalt worden sind. Das gilt für die Bilder von Ryan Sullivan: Er schichtet Latex, Lack, Öl und Kunststoff wie strudelnde Farbströme aufeinander. Die Oberflächen seiner Bilder flirten mit dem Look von Fotografie und Print, sind aber ganz und gar handgemacht, was einen attraktiven Widerspruch bildet. Jeff Elrod komponiert mithilfe des Programms Photoshop, malt dann aber konventionell, nämlich mit Acrylfarbe auf Leinwand. Seine grafischen Kürzel sehen aus wie Hieroglyphen aus dem Computerzeitalter.
In den meisten Werken der Schau aber trifft man auf stilistische Reminiszenzen, die geradewegs ins 20. Jahrhundert zurückführen. Es handelt sich um Neuauflagen konzeptueller, sprachgestützter Bilder wie bei Antak Walczak; um Erinnerungen an die Pop Art wie bei Amy Feldman oder um routinierte Abstraktionen wie bei Joe Bradley, die im Duktus an Vorbilder wie Jean-Michel Basquiat oder Julian Schnabel denken lassen.
Jüngster Maler der Ausstellung ist der 1988 geborene Ross Iannatti. Der Youngster flickt gebrauchte Airbags vom Schrottplatz zu hellichten, milden Leinwänden zusammen und zieht damit noch einmal sämtliche Register vom Ready-made über das Combine Painting bis zur Minimal Art.
Geschichtsvergessenheit wäre das Letzte, was man den Malern der Ausstellung vorwerfen wollte. Sie stellen sich unmissverständlich – bisweilen epigonal – in die langen Einflusslinien des vorigen Jahrhunderts. Gut möglich, dass sie damit längerfristig Karriere auf dem Markt machen. Unklar bleibt nur, warum gerade sie eine neue Perspektive für die Malerei im 21. Jahrhundert eröffnen sollen.