Sonntag, 29. Mai 2022

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New Yorks Kulturszene
Der Druck ist groß

Die Black-Lives-Matter-Proteste haben längst den New Yorker Kulturbetrieb erreicht: Offene Briefe prangern rassistische Strukturen in den großen Museen an und fordern Reformen. Doch die Kulturinstitutionen haben derzeit andere Sorgen.

Sacha Verna im Gespräch mit Maja Ellmenreich | 30.06.2020

Ein Jogger läuft vor dem Eingang zum Metropolitan Museum auf der leeren Straße von New York (USA).
Museum in der Corona-Krise: Das New Yorker Metropolitan Museum musste sein 150. Jubiläum ohne Besucher feiern (dpa / Christina Horsten)
Nach dem Corona-Shutdown erwacht in New York ganz langsam wieder das öffentliche Leben. Das kulturelle Leben allerdings findet weiterhin vor allem im Netz statt. Chelsea, das legendäre Galerienviertel, ist immer noch wie ausgestorben und die größeren Musikhäuser und Theater planen frühestens Anfang 2021 eine Wiederaufnahme des Programms. Viele Kulturinstitutionen fragen sich, wie sie die kommenden Jahre finanziell überleben sollen.
Existenzängste aber sind eine schlechte Voraussetzung, wenn es darum geht, die Forderungen der Black-Lives-Matter-Bewegung umzusetzen: Im Zuge der aktuellen Antirassismus-Proteste steht immer wieder auch der Kulturbetrieb im Fokus. In den Führungsetagen der großen New Yorker Kulturinstitutionen seien immer noch zwischen 70 und 90 Prozent der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen weiß, Afroamerikaner und People of Color arbeiteten hauptsächlich an den Garderoben oder als Reinigungskräfte, sagte die New Yorker Kulturjournalistin Sacha Verna im Dlf.
Guggenheim Museum in der Kritik
In den letzten Tagen und Wochen wurde immer wieder der Ruf nach Reformen laut: So haben sich gegenwärtige und ehemalige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der großen New Yorker Museen kürzlich mit einem offenen Brief an die Leitung ihrer Häuser gewandt. Darin kritisierten sie die "ungebrochene Ausbeutung und die ungerechte Behandlung von Schwarzen" und forderten Reformen. Auch bezichtigten Kuratoren und Kuratorinnen des Guggenheim Museums speziell dieses Haus einer Unternehmenskultur, die Rassismus ermögliche.
Der Druck also ist groß, den längst überfälligen Strukturwandel einzuleiten und endlich für mehr Diversität in den großen Kultureinrichtungen zu sorgen. Wäre dies der einzige Punkt auf der Agenda des Kulturbetriebs, stünden die Chancen für echte Veränderungen gut, meint Kulturjournalistin Sacha Verna. Das Problem sei allerdings, dass die Kulturszene noch mitten in der Corona-Krise stecke. Dennoch sei in den vergangenen Wochen klar geworden, dass es nicht mehr reiche, die Fassade mit Antirassismus-Slogans zu dekorieren: "Jetzt gilt es zu beweisen, dass auch drin ist, was drauf steht."