Freitag, 03. Dezember 2021

Newsblog zum Coronavirus+++ Die Entwicklungen vom 29. September bis 3. Oktober +++

Die Impfstoffe müssen Biontech-Chef Ugur Sahin zufolge 2022 womöglich an neuen Virusvarianten angepasst werden. +++ Die Deutsche Lufthansa plädiert weiter für eine Corona-Impfpflicht für ihr Flugpersonal. +++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist leicht gesunken. +++ Mehr im Newsblog.

03.10.2021

Die Mediziner Ugur Sahin (r) und Özlem Türeci im Rathaus der Stadt Köln. Sie sitzen auf Stühlen im Publikum und applaudieren.
Özlem Türeci (l.) und Ugur Sahin (r), die Gründer des Mainzer Unternehmens Biontech (dpa/Horst Galuschka)
Sonntag, 3. Oktober
+++ Die Impfstoffe müssen Biontech-Chef Ugur Sahin zufolge 2022 womöglich an neuen Virusvarianten angepasst werden. Im laufenden Jahr sei dies unnötig, denn die Impfstoffe wirkten auch gegen die bisherigen Varianten, auch wenn diese ansteckender seien, sagt Sahin der "Financial Times". "Aber Mitte nächsten Jahres könnte die Situation schon anders aussehen", fügt er hinzu. Gegenwärtig schienen Auffrischungsimpfungen in der Lage zu sein, die Hauptvarianten zu bekämpfen. Das Virus werde jedoch mit der Zeit weitere Mutationen entwickeln. Möglicherweise könnte eine neue Variante der durch den Impfstoff ausgelösten Immunantwort entgehen, so dass eine "maßgeschneiderte" Version erforderlich werden könnte, sagt Sahin. "Dieses Virus wird bleiben, und das Virus wird sich weiter anpassen."
+++ Die Krise in der Automobilindustrie aufgrund des Mangels an Halbleitern und anderen Vorprodukten spitzt sich zu. "Wir gehen davon aus, dass zehn bis elf Millionen Fahrzeuge in diesem Jahr nicht gebaut werden können", sagte Albert Waas von der Beratungsgesellschaft Boston Consulting der "Welt am Sonntag". Zu einer ähnlich Prognose kam auch die Beratungsgesellschaft PwC. "Der Chipmangel bremst die wirtschaftliche Erholung der Autoindustrie nach Corona ab", sagte Waas.
Nahaufnahme eines Mikrochips.
Mikrochips sind für die moderne Autoindustrie unverzichtbar (imago / Sudox)
+++ Mit Rumänien und Litauen stuft die Bundesregierung von heute an zwei weitere EU-Länder als Corona-Hochrisikogebiete ein. Das teilte das Robert Koch-Institut in Berlin mit. Wer nicht vollständig geimpft oder genesen ist und von dort einreist, muss für zehn Tage in Quarantäne und kann sich erst nach fünf Tagen freitesten. Bisher ist Slowenien der einzige Mitgliedsstaat der Europäischen Union auf der Liste; weltweit sind es rund 70 Länder - entweder vollständig oder mit einzelnen Regionen.
Wir haben alle Risikogebiete für Sie zusammengestellt.
+++ Nach drei neuen Corona-Infektionsfällen gelten ab morgen in Teilen Neuseelands wieder strengere Beschränkungen im Alltagsleben. Premierministerin Jacinda Ardern erklärte, es seien drei Fälle außerhalb der Millionenstadt Auckland auf der Nordinsel festgestellt worden. Die verschärften Regeln in den betroffenen Gebieten gelten mindestens fünf Tage. So müssen die Unternehmen auf kontaktlosen Handel umstellen. Bildungseinrichtungen müssen schließen, sofern sie wegen der Schulferien nicht ohnehin geschlossen sind.
+++ Die Deutsche Lufthansa plädiert weiter für eine Corona-Impfpflicht für ihr Flugpersonal. Andernfalls ist nach Angaben der Airline ein stabiler, weltweiter Flugbetrieb künftig nicht darstellbar. Einzelne Länder verlangten die Impfung für Piloten, Pilotinnen, Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen bereits, weitere würden folgen, bekräftigte Lufthansa-Vorstand Detlef Kayser in der "Bild am Sonntag".
Passagierin im Flugzeug mit Mund-Nase-Bedeckung
Passagierin im Flugzeug mit Mund-Nase-Bedeckung (imago images | TT | Adam Ihse)
+++ In Russland spitzt sich die Corona-Lage zu. Heute meldeten die Behörden mit 890 Todesopfern innerhalb von 24 Stunden einen weiteren Höchstwert seit Beginn der Pandemie vor anderthalb Jahren. Schon seit Tagen weist die Statistik Negativrekorde jenseits der 800-Marke bei den Todesfällen im Zusammenhang mit dem Virus auf. Der Kreml nannte die Zahlen zuletzt beunruhigend.
+++ Wegen der Corona-Infektionszahlen verstärkt die Regierung in Israel ihre Bemühungen, die Bürger zu einer dritten Impfung als Auffrischung zu bewegen. Von heute an gilt der sogenannte Grüne Pass, der den Zugang zu fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens ermöglicht, nur noch bis zu sechs Monate nach der zweiten Impfung. Danach müssen die Inhaber des Dokuments eine dritte Spritze nachweisen. Auch wer positiv auf Corona getestet wurde, muss spätestens sechs Monate danach noch eine Impfung erhalten.
Rund 61 Prozent der etwa 9,4 Millionen Einwohner Israels sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums zweifach geimpft, rund 37 Prozent dreifach.
Wir haben Informationen zur Auffrischungsimpfung für Sie zusammengestellt.
+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen ist geringfügig zurückgegangen. Sie beträgt nun 64,2 nach 64,4 am Vortag, wie das Robert Koch-Institut mitteilte. Der Wert gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche an. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 6.164 neue Ansteckungen. Deutschlandweit wurden binnen 24 Stunden neun weitere Todesfälle verzeichnet.
Hier finden Sie alle relevanten Zahlen.
+++ Unentschlossene Bewohner*innen Australiens sollen jetzt mit Hilfe einer Millionen-Lotterie dazu bewegt werden, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Insgesamt 4,1 Millionen australische Dollar (rund 2,5 Millionen Euro) haben Firmen und Philantropen aufgebracht, um die Impfquote im Land auf über 80 Prozent zu bringen, berichteten Medien. Als Höchstpreis winkt ein Scheck über eine Million Dollar (rund 625.000 Euro).
Samstag, 2. Oktober
+++ In Rumänien haben tausende Menschen gegen neue Corona-Beschränkungen protestiert. In der Hauptstadt Bukarest versammelten sich Demonstranten ohne Masken. In lokalen Medien wurde die Zahl der Teilnehmer auf rund 15.000 geschätzt. Ab morgen sollen in Rumänien angesichts der steigenden Corona-Neuinfektionen neue Beschränkungen gelten. Rumänien hat die zweitniedrigste Impfquote in der Europäischen Union.
+++ Vollständig geimpfte Reisende aus aller Welt können wieder Urlaub im thailändischen Ferienparadies Phuket buchen. Wie das Tourismus-Ministerium in Bangkok mitteilte, wird die bestehende Regelung für kontrolliertes Einreisen nach Phuket aus bislang rund 80 Ländern ausgeweitet. Thailand heiße nun Reisende aus allen Ländern der Welt willkommen, hieß es. Nach einer Woche Aufenthalt in Phuket können Urlauber auch in andere Regionen des Landes weiterreisen. Die Corona-Pandemie hatte dem für die thailändische Wirtschaft bedeutenden Tourismus-Sektor schwer zugesetzt.
+++ Der Präsident der Bundesärztekammer Reinhardt lehnt die Aufhebung aller Corona-Beschränkungen zu einem jetzt schon festgesetzten Datum ab. Er halte es aber für richtig, eine Debatte darüber zu führen, wann zur Normalität zurückgekehrt werden könne, sagte Reinhardt den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland: "Wir dürfen uns als Gesellschaft nicht in einer Infektionsangstneurose einrichten." Das heiße im Umkehrschluss aber nicht, "dass wir jetzt alles in Laissez-faire-Manier laufen lassen". Es müsse der ärztliche Anspruch sein, Infektionen zu verhindern.
+++ Deutschland hat mehr als 17 Millionen Corona-Impfdosen für andere Staaten abgegeben. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums wurden zehn Millionen Dosen des Präparats von Astrazeneca über die internationale Initiative Covax verteilt. Gut sieben Millionen Einheiten gingen direkt an Länder mit akutem Bedarf – nämlich an die Ukraine, Namibia, Vietnam, Ägypten und Ghana. Außerdem steht noch eine Lieferung nach Thailand an.
Hier finden Sie eine Liste der Risikogebiete.
+++ Hochrangige geistliche Repräsentanten aus Afrika und Südamerika haben eine globale Ungerechtigkeit beim Impfschutz beklagt. In Afrika hätten gegenwärtig nur 3,6 Prozent der Menschen eine Corona-Schutzimpfung erhalten, sagte der evangelische Pastor Fidon Mwombeki aus Tansania bei einer digitalen Diskussion des Evangelisch-lutherischen Missionswerks. Mwombeki ist seit 2018 Generalsekretär der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz. Es sei zu erwarten, dass nur zehn der 54 afrikanischen Länder das gesteckte Ziel erreichten, wenigstens die besonders gefährdeten zehn Prozent der Bevölkerung zu impfen. Ein Problem sei, dass Afrika zu wenig Impfstoff bekomme.
Das Foto zeigt eine Impfung in Kampala/Uganda im Juni 2021.
Impfung in Kampala/Uganda (imago)
+++ Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Fischbach, plädiert dafür, die Maskenpflicht an Schulen aufzuheben. Er halte eine generelle Fortsetzung für unangemessen, sagte Fischbach den Funke-Medien. Die Entscheidung darüber müsse sich jeweils an den Inzidenzwerten und am Lebensalter der Kinder ausrichten. Fischbach betonte, es könne nicht sein, dass den Jüngsten das Maskentragen weiter zugemutet werde, um auf die Rücksicht zu nehmen, die sich einer Corona-Impfung verweigerten.
+++ Die weltweite Zahl der Menschen, die in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben sind, hat laut einer Zählung der Nachrichtenagentur Reuters die Grenze von fünf Millionen überschritten. Reuters beruft sich auf die offiziellen Daten in den Staaten. Demnach verursachte die Delta-Variante des Corona-Virus einen starken Anstieg der Todesfälle. Vor allem ungeimpfte Menschen starben den Angaben zufolge. Bislang hat mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung noch nicht einmal eine Dosis eines Impfstoffs erhalten.
Mehrere Länder haben bereits mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus begonnen. Wer braucht die dritte Dosis wirklich und welche Kritik gibt es an den "Booster"-Impfungen?
+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen ist geringfügig gestiegen. Sie liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts jetzt bei 64,4. Am Vortag betrug der Wert 64,3. Die Gesundheitsämter meldeten mehr als 8.500 neue Ansteckungen. Den Angaben zufolge starben 66 weitere Menschen im Zusammenhang mit dem Virus. Damit stieg die Zahl der Corona-Toten seit Beginn der Pandemie auf hierzulande 93.777.
Hier können Sie alle relevanten Zahlen des RKI nachlesen.
+++ In den USA sind inzwischen mehr als 700.000 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Wie die Johns Hopkins-Universität meldete, wurde die Marke gestern überschritten. Durchschnittlich werden in den USA derzeit rund 1.000 Corona-Todesfälle pro Tag verzeichnet. Derweil stagniert die Impfkampagne. Die Quote der vollständig geimpften US-Bürger liegt bei 55,7 Prozent. Kalifornien kündigte gestern verpflichtende Corona-Impfungen für alle Schüler ab dem kommenden Jahr an, sofern die Impfstoffe von der Arzneimittelbehörde FDA für die jeweilige Altersgruppe dann zugelassen sind.
Freitag, 1. Oktober
+++ Ein neues Corona-Medikament des US-Pharmakonzerns Merck reduziert bei Risiko-Patienten einer klinischen Studie zufolge deutlich die Wahrscheinlichkeit sehr schwerer Verläufe. Man wolle sich so schnell wie möglich um den Einsatz in den USA bemühen und auch entsprechende Anträge bei Behörden weltweit stellen, teilte der Konzern mit. Die Arznei wird als Pille verabreicht. Der US-Gesundheitsexperte und Regierungsberater Fauci sprach mit Blick auf die Wirksamkeit von "sehr guten Nachrichten". Fauci kündigte an, die Arzneimittelbehörde FDA werde die Daten der Studie so schnell wie möglich prüfen.
+++ Für Fahrgäste in Fernzügen kommen vorerst keine neuen Nachweispflichten als zusätzlicher Corona-Schutz. Die Bundesregierung erklärte, dass die Einführung einer 3G-Regel in ICE- und Intercity-Zügen derzeit nicht weiter verfolgt werde - also eine Mitfahrt nur für Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete mit entsprechendem Beleg. Nach Angaben des Verkehrsministeriums ist eine solche Auflage weder rechtlich möglich noch praktikabel.
Bundespolizisten kontrollieren im ICE 602 von München nach Hamburg die Einhaltung der Hygieneregeln, insbesondere das Tragen einer Nase-Mund-Bedeckung. Laut Bahn laufen bundesweit regelmäßig Präventions- und Kontrollaktionen in Zügen und Bahnhöfen mit Unterstützung der Bundespolizei.
Coronavirus: Masken-Kontrolle im ICE ja - aber 3G wird es wohl vorerst nicht geben. (picture alliance / dpa / Martin Schutt)
+++ Der zum Obersten Gerichtshof der USA gehörende Richter Kavanaugh ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Kavanaugh habe keine Symptome, teilte der Gerichtshof in Washington mit. Kavanaugh sei seit Januar vollständig gegen das Virus geimpft. Er und seine Frau würden nicht an der heutigen zeremoniellen Vereidigung der Richterin Amy Coney Barrett teilnehmen.
+++ Wegen Betrugsverdachts bei Corona-Soforthilfen und der Abrechnung von Corona-Tests hat die Kölner Polizei mehrere Wohnungen und Testzentren in Köln und Leverkusen durchsucht. Die Razzia sei bereits am Mittwoch erfolgt, wie die Beamten heute mitteilten. Demnach wurden Dokumente, Mobiltelefone und Laptops beschlagnahmt. Ermittelt werde gegen sechs Beschuldigte. Der Gesamtschaden belaufe sich auf mehrere hunderttausend Euro.
+++ Wer in der Schweiz Freunde, Arbeitskollegen oder Verwandte vom Impfen gegen das Coronavirus überzeugt, soll künftig einen Gutschein erhalten. Mit der Maßnahme soll das Impftempo erhöht werden, wie Gesundheitsminister Alain Berset am Freitag vorschlug. Der Gutschein soll 50 Franken - umgerechnet gut 46 Euro - wert und etwa im Restaurant oder Kino einlösbar sein.
+++ In Nordrhein-Westfalen drohen rund 60.000 Dosen Corona-Impfstoff zu verfallen. Das bestätigte das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" darüber berichtet. In geschlossenen Impfzentren des Landes lagern noch Zehntausende Impfdosen. Sind diese weniger als zwei Monate haltbar, dürften sie nicht mehr an den Bund zurückgegeben werden, heißt es. Die Impfdosen sollen dann entsorgt werden. Bislang seien mehr als eine Million Impfdosen an den Bund zurückgeführt. Weitere Rückgaben seien geplant, heißt es.
Eine Impfärztin steht im Impfzentrum Sachsen vor einer leeren Impfkabine. Die sächsischen Impfzentren haben vor der Schließung zum Endspurt aufgerufen.
Die meisten Impfzentren in Deutschland sind wegen mangelnder Nachfrage mittlerweile geschlossen. (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert)
+++ Die EU-Kommission prüft offenbar, die bisher blockierten Corona-Hilfsgelder für Polen und Ungarn unter Auflagen freizugeben. In Brüssel hieß es, in den kommenden Wochen könnten womöglich erste Teile der Milliardensummen fließen. Wenn die Wiederaufbaupläne genehmigt werden, könnte Polen 23 Milliarden Euro an EU-Zuschüssen und weitere 34 Milliarden an Krediten erhalten. Ungarn könnte insgesamt 7,2 Milliarden Euro erhalten. Beide Länder werfen der EU-Kommission vor, die in der Pandemie dringend benötigten Hilfen für die Wirtschaft im Streit um Rechtsstaats-Defizite zurückzuhalten.
+++ Eine zweifach mit dem russischen Vakzin Sputnik V gegen Corona geimpfte Person hat keinen Anspruch auf die Ausstellung eines deutschen Impfnachweises. Die Beschwerde des Antragstellers gegen einen gleichlautenden Beschluss des Verwaltungsgerichts Kassel vom 1. September sei zurückgewiesen worden, teilte der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH)mit. (AZ: 8 B 1885/21). Grund ist, dass der russische Impfstoff in der Bundesrepublik Deutschland nicht zugelassen ist.
+++ Angesichts einer drohenden Kündigung entscheiden sich offenbar viele Beschäftigte der US-Fluggesellschaft United Airlines doch für eine Corona-Schutzimpfung. Das Unternehmen teilte mit, es werde weniger Angestellte entlassen als bisher angekündigt - die Zahl sinke von 593 auf 320. United mit insgesamt 67.000 Beschäftigten hatte Anfang August angekündigt, dass es von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Inland die Impfung erwarte und die Beschäftigten dies auch nachweisen müssten. Am Dienstag erklärte das Unternehmen, wer bislang nicht geimpft sei, werde entlassen.
+++ Mit Rumänien und Litauen stuft die Bundesregierung ab Sonntag zwei weitere EU-Länder als Corona-Hochrisikogebiete ein. Das teilte das Robert Koch-Institut in Berlin mit. Wer nicht vollständig geimpft oder genesen ist und von dort einreist, muss für zehn Tage in Quarantäne und kann sich erst nach fünf Tagen mit einem negativen Test davon befreien. Bisher ist Slowenien der einzige Mitgliedstaat der Europäischen Union, der vollständig als Hochrisikogebiet eingestuft ist.
+++ Neue Zahlen des Robert-Koch-Instituts bestätigen einen hohen Schutz vor einem schweren Covid-19-Krankheitsverlauf durch die in Deutschland zugelassenen Corona-Impfstoffe. Laut dem RKI-Wochenbericht wird bei den 18- bis 59-Jährigen eine Behandlung auf der Intensivstation mit einer Zuverlässigkeit von 96 Prozent verhindert. In der Altersgruppe der ab 60-Jährigen liegt der Wert bei 94 Prozent. Der Schutz vor einem tödlichen Verlauf beträgt bei den jüngeren 97 und bei den älteren 88 Prozent.
+++ Die deutschen Amtsärzte fordern eine Ausweitung der 3G-Regel auf alle Berufe mit Kundenkontakt. Notwendig sei auch eine Auskunftspflicht der Beschäftigten gegenüber dem Arbeitgeber, sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Teichert, der Funke-Mediengruppe. Es nutze wenig, wenn beispielsweise Restaurantgäste eine Impfung, Genesung oder einen negativen Corona-Test nachweisen müssten, das Gaststättenpersonal aber nicht.
Eine Kellnerin in einer Gaststätte mit Atemschutzmaske.
Was nutzt es, wenn Restaurantgäste eine Impfung, Genesung oder einen negativen Corona-Test nachweisen müssen, das Personal aber nicht? (picture alliance / NurPhoto)
+++ Unter dem Hashtag #allesaufdentisch gehen Schauspieler erneut die deutsche Corona-Politik an. Kritik kommt vom Politikwissenschaftler Claus Leggewie und dem Deutschen Journalistenverband. Bisher sorgt die neue Aktion vor allem im Netz für Aufsehen. In den 55 Videos interviewen die Kulturschaffenden von ihnen ausgewählte Fachleute zum Thema Corona. Es geht zum Beispiel um eine mögliche Impfpflicht, die Infektionszahlen und die Rolle der Medien.
Die Art und Weise der Präsentation der Initiative komme ihm bekannt vor, sagte der Politikwissenschaftler Claus Leggewie dem Deutschlandfunk: "Vorbild der Initiative ist eine Entwicklung aus den USA, wo ich gelehrt habe. Dort gilt ja – zum Beispiel zum Thema Klimawandel oder Kreationismus: Wenn es in einem Gremium nur zwei Minderheitenpositionen gibt, hat das Forschungsinstitut keine Position dazu außer: ‚Vermutlich ist es so, es könnte aber doch auch anders sein.‘"
+++ Die Gesundheitsämter haben dem Robert-Koch-Institut 10.118 neue Corona-Fälle binnen eines Tages gemeldet. Das sind knapp 400 mehr als am vorangegangenen Freitag. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 64,3. Gestern hatte sie bei 63 gelegen und vor einer Woche bei 62,5. Es wurden 73 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus registriert.
+++ In mehreren Bundesländern enden heute Corona-Beschränkungen. So gilt in Nordrhein-Westfalen keine Maskenpflicht im Freien mehr. In Fußballstadien, bei Konzerten und anderen Großveranstaltungen ist wieder mehr Publikum zugelassen. In Bayern darf in Clubs und Diskotheken nach knapp eineinhalb Jahren Zwangspause wieder gefeiert werden, und zwar ohne Abstand und Maske. Einlass bekommen nur Geimpfte und Genesene, oder man muss einen negativen PCR-Test vorweisen. Im Saarland fallen ab heute praktisch alle Einschränkungen für Geimpfte, Genesene und Getestete weg.
+++ Australien wird im November erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie wieder seine internationalen Grenzen öffnen. Vollständig geimpfte Staatsbürger und Menschen mit Wohnsitz dürfen dann wieder ins Ausland reisen. Bei ihrer Rückkehr müssen sie sieben Tage in häusliche Quarantäne statt wie bisher 14 Tage in Isolation in einer teuren Einrichtung.
+++ Der Deutsche Lehrerverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft lehnen Lockerungen bei der Maskenpflicht an Schulen in mehreren Bundesländern ab. Es bestehe die Gefahr, dass durch den Verzicht auf Testungen und die zu starke Reduzierung von Quarantänemaßnahmen die Schule zur Black Box werde, sagte der Präsident des Lehrerverbandes, Meidinger, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dies lasse eine Kontrolle von Infektionen nicht mehr zu.
Schulanfängerin Ida meldet sich mit Mund-Nasen-Schutzmaske in der ersten Unterrichtsstunde der Klasse 1b in der Grundschule "Werner Lindemann". 
Manche Erst- und Zweitklässler*innen haben die Schule noch nie ohne Maske betreten - so begründet Berlins Bildungssenatorin Scheeres, warum dort ab Montag an Grundschulen die Maskenpflicht entfällt. (dpa / picture alliance / Jens Büttner)
+++ Die Unternehmen in Deutschland haben während der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr wegen des Wegfalls von Dienstreisen rund elf Milliarden Euro gespart. Das berichtet die "Rheinische Post" unter Berufung auf eine noch unveröffentlichte Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft. Aus Gründen der Hygiene gibt es deutlich weniger Dienstreisen, stattdessen werden viele Treffen per Video abgehalten.
Donnerstag, 30. September
+++ Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC warnt vor dem Hintergrund von teils nicht ausreichenden Impfraten vor einer verschlechterten Lage in Europa im Herbst. Nur 61,1 Prozent der Gesamtbevölkerung in der EU und den damit eng verknüpften Ländern Norwegen, Island und Liechtenstein seien bislang vollständig geimpft, teilte die in Stockholm ansässige Behörde mit. Länder, deren Impfquote im oder unter dem momentanen EU-Durchschnitt lägen und die in den nächsten zwei Wochen Pläne zur Lockerung von Corona-Maßnahmen hätten, liefen hohe Gefahr, bis Ende November einen deutlichen Anstieg der Fallzahlen, Krankenhauseinlieferungen und Todesfälle zu erleben.
Mehrere Länder haben bereits mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus begonnen. Wer braucht die dritte Dosis wirklich und welche Kritik gibt es an den "Booster"-Impfungen?
+++ Zum Start ins Wintersemester an Berliner Hochschulen werden Impfangebote erweitert. Eine entsprechende Aktion an zehn Hochschulen vom 4. bis 15. Oktober kündigte die Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten der Berliner Hochschulen (LKRP) an. Beteiligt sind demnach unter anderem die Humboldt-Universität, die Technische und die Freie Universität sowie die Universität der Künste. Haupt-Zielgruppe seien Erstsemester, aber grundsätzlich stehe das Angebot allen Bürgerinnen und Bürgern offen, hieß es.
Studenten während einer Vorlesung der Humboldt-Universität.
Studenten während einer Vorlesung der Humboldt-Universität. (imago / photothek / Liesa Johannssen)
+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen ist gestiegen. Sie liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 63,0. Am Vortag betrug der Wert 61,0. Die Gesundheitsämter meldeten 12.150 neue Ansteckungen. Den Angaben zufolge starben 67 weitere Menschen im Zusammenhang mit dem Virus. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gibt das RKI mit 1,6 an. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.
+++ In Frankreich gelten die 3G-Regeln und die Gesundheitspass-Pflicht im Kampf gegen die Corona-Pandemie von heute an bereits für Kinder ab zwölf Jahren und zwei Monaten. Beim Besuch von Freizeit- und Sportstätten, in Kinos, Restaurants und Cafés oder im Fernzug müssen so künftig nicht mehr nur Erwachsene einen Nachweis von Impfung, Genesung oder negativem Test vorlegen. Da Kinder erst ab einem Alter von zwölf Jahren geimpft werden können, wurde eine Frist von zwei Monaten für das Erlangen eines vollständigen Impfschutzes eingeräumt.
+++ Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat davor gewarnt, die Bekämpfung des Coronavirus in der Phase der Regierungsbildung zu vernachlässigen. Rund um die Bundestagswahl sei das Thema in den Hintergrund gerückt, das dürfe nicht so bleiben, sagte Lauterbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). "Wir müssen wieder mehr vorlegen", forderte der SPD-Politiker.
+++ Angesichts der bevorstehenden Schließung der meisten Corona-Impfzentren fordert der Sozialverband VdK mehr Impfangebote für sozial Benachteiligte. VdK-Präsidentin Bentele sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, wenn die Menschen nicht zur Impfung kämen, müsse die Impfung zu den Menschen kommen. Es gehe ihr auch um mobile Möglichkeiten etwa für Obdachlose dort, wo sie sich im Alltag aufhielten: in der Fußgängerzone, auf dem Supermarktparkplatz, am Sportplatz oder vor dem Jobcenter. Nach einem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz soll der Betrieb der Impfzentren von Oktober an je nach Bedarf zurückgefahren werden.
Mittwoch, 29. September
+++ Der Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer könnte in den USA noch im Oktober auch für 5- bis 11-Jährige zugelassen werden. Die beiden Unternehmen haben jetzt entsprechende Studiendaten vorgelegt; die US-Arzneimittelbehörde FDA will rasch entscheiden.
+++ Youtube verschärft das Vorgehen gegen Inhalte von Impfgegnern. Demnach werden Videos gelöscht, in denen fälschlicherweise behauptet wird, zugelassene Impfstoffe seien gefährlich - dies gilt also nicht nur für Corona-Impfstoffe. Derzeit gibt es Streit um den russischen Auslands-Sender RT, dessen zwei Kanäle Youtube wegen Desinformation zu Impfstoffen gelöscht hat.
+++ Fußball-Zweitligist Hamburger SV stellt auf die 2G-Regelung um. Er begründet die Entscheidung damit, dass bislang ohnehin bereits 93 Prozent der Zuschauer geimpft oder genesen gewesen seien. Ab dem Heimspiel am 16. Oktober gegen Fortuna Düsseldorf werden dann Mindestabstände, Alkoholverbot und Maskenpflicht aufgehoben.
+++ Im spanischen Fußball sind wieder ausverkaufte Stadien erlaubt. Die regionalen Gesundheitsämter genehmigten die Rückkehr zu einer 100-prozentigen Zuschauerauslastung von Freitag an. Damit kann am Samstag auch das spanische Spitzenspiel zwischen Meister Atletico Madrid und dem FC Barcelona in ausverkauftem Stadion stattfinden.
+++ Schülerinnen und Schüler in Bayern müssen von nächster Woche an im Unterricht keine Masken mehr tragen. Dies kündigte Ministerpräsident Söder in einer Sitzung der CSU-Landtagsfraktion in München an. Man habe mit regelmäßigen Corona-Tests ein Sicherheitsnetz geschaffen, hieß es.
+++ Die Gesundheitsämter in Deutschland können künftig Nutzerinnen und Nutzer der Luca-App auf ein erhöhtes individuelles Corona-Infektionsrisiko hinweisen. Die Luca-Betreiberfirma erklärte, die Funktion werde im Herbst für alle Gesundheitsämter freigeschaltet. Damit können die Ämter viele Menschen gleichzeitig erreichen, ohne sie einzeln anrufen zu müssen.
+++ Dänemark hat zum Schutz vor dem Coronavirus das Verbot der Nerzzucht um ein weiteres Jahr verlängert. Der Nerz ist das einzige Tier, bei dem bisher mit Sicherheit festgestellt werden konnte, dass es sich sowohl infizieren als auch den Menschen anstecken kann. Dänemark war bis vor kurzem weltgrößter Exporteur von Nerzen, hatte im vergangenen November aber die Notschlachtung aller 15 Millionen Tiere im Land angeordnet.
Weiße Nerze blicken aus einer mit einem Gitter verschlossenen Kiste.
Nerze können das Coronavirus auf Menschen übertragen. (imago stock&people)
+++ In Lettland gilt demnächst eine Corona-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen: Beschäftigte von medizinischen, sozialen und pädagogischen Einrichtungen müssen ab 15. November ein Impfzertifikat vorweisen. Die Impfquote in dem osteuropäischen EU-Staat ist vergleichsweise niedrig.
+++ Der Präsident des Deutschen Städtetages, Jung, will dass im Freizeitbereich häufiger die 2G-Regel angewandt wird. Man müsse alles tun, um noch mehr Menschen fürs Impfen zu motivieren und die Impfquote zu steigern. Er appelliere an alle Bundesländer, für den Freizeitbereich eine Regelung zu treffen, so dass häufiger nur Geimpfte oder Genese Zutritt erhalten. Gebraucht würde das beispielsweise fürs Kino, Clubs, Konzerte oder Fitnessstudios. Dies könne auch die Gefahr für Infektionen bei Kindern reduzieren, die unter 12 Jahren noch nicht geimpft werden könnten.
+++ Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen ist wieder leicht gestiegen. Nach Angaben des Robert Koch-Institus liegt der Wert jetzt bei 61,0 – nach gestern 60,3. Das RKI registrierte 11.780 Neuinfektionen und 67 weitere Todesfälle.
+++ SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach lehnt eine Impfpflicht für Lehrkräfte, Pflegepersonal und Erzieherinnen und Erzieher ab. In der "Neuen Osnabrücker Zeitung" wies er damit eine Forderung von Kinder- und Jugendärztepräsident Fischbach zurück. Lauterbach sagte, die Impfquote bei Lehrkräften und Kita-Personal sei sehr hoch. Das Problem in den Schulen und Kitas seien nicht die nicht geimpften Erzieher und Lehrer, sondern dass sich Kinder und Jugendliche gegenseitig ansteckten.
Die Erzieherin Andrea Guth mit an einem Schaukelgerüst spielenden Kindern in ihrer Kita in Marnheim.
SPD-Gesundheitsexperte will keine Impfpflicht für Beschäftigte in Schulen und Kitas. (Deutschlandradio / Anke Petermann)
+++ Trotz eines seit fast zwei Monaten geltenden Lockdowns steigen die Corona-Zahlen im australischen Bundesstaat Victoria weiter. Die Behörden in der Region mit der Millionenmetropole Melbourne melden aktuell 950 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden - so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Der Bundesstaat im Osten Australiens befindet sich bereits zum sechsten Mal im Lockdown. Australiens Impfkampagne, die zunächst schleppend angelaufen war, schreitet derweil voran: Mittlerweile ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung vollständig geimpft.
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