
Wir überprüfen regelmäßig Behauptungen, die im Internet viel diskutiert werden. Was stimmt, was nicht - und welche Aspekte fehlen in der Diskussion?
Das wird behauptet
US-Präsident Donald Trump hat am 31. Oktober 2025 auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social geschrieben, dass das Christentum in Nigeria einer existenziellen Bedrohung ausgesetzt sei. „Tausende Christen werden getötet. Radikale Islamisten sind für dieses Massaker verantwortlich“, so der US-Präsident.
Einen Tag später drohte Trump dem Land sogar mit einem Militäreinsatz, sollte die Regierung nicht gegen das Töten vorgehen.
Die US-amerikanische Rapperin Nicki Minaj dankt Donald Trump dafür, dass er sich gegen die Verfolgung von Christen in Nigeria einsetze. In einem Video des Weißen Hauses, das im November 2025 auf TikTok veröffentlicht wurde, befürwortet sie, „(…) dass er zu dringenden Maßnahmen zum Schutz der Christen aufgerufen hat.“
Auf einem UN-Event sprach die Rapperin von niedergebrannten Kirchen und von auseinandergerissen christlichen Familien in dem westafrikanischen Land.
Aber: Werden Christen in Nigeria wirklich verfolgt?
Was stimmt
In Nigeria gibt es viele gewalttätige Konflikte. Dabei werden auch immer wieder Christen angegriffen, entführt und sogar ermordet. Oft verüben islamistische Terrorgruppen diese Taten. Beispielsweise starben bei einem Massaker im Juni 2025 mehr als 100 Menschen. Zuletzt meldete die Christian Association of Nigeria einen Angriff auf ein katholisches Internat: 303 Schülerinnen und zwölf Lehrer sollen dabei entführt worden sein.
Was nicht stimmt
Donald Trumps Postings und Nicki Minajs Aussagen im Video könnten den falschen Eindruck erwecken, dass sich die terroristische Gewalt in Nigeria ausschließlich und gezielt gegen Christen richten würde. Das ist nicht der Fall. Islamistische Terrorgruppen wie Boko Haram und der IS-Ableger „Islamischer Staat der Provinz Westafrika“ greifen oft im Norden des Landes an. Dort leben besonders viele Muslime, die ebenfalls Opfer von Massakern werden – häufig deshalb, weil sie für nicht gläubig genug gehalten werden.
Der Landeskoordinator des Nigeria-Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung, Lennart Oestergaard, bestätigt, dass es zahlreiche muslimische Zivilopfer gebe. „Immer wieder werden ganze Dörfer überfallen und Muslime getötet, die sich der extremistischen Ideologie der Terrorgruppen verweigern“, sagte er dem „Journal für Internationale Politik und Gesellschaft“ der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Auch die Bischofskonferenz stellt sich gegen Anschuldigungen, es handele sich um einen Genozid an nigerianischen Christen ebenso wie Nigerias Präsident Bola Ahmed Tinubu.
Was nicht berücksichtigt wurde
Die Ursachen von Gewalt in Nigeria sind deutlich komplexer und können nicht allein auf religiös motivierten Terror zurückgeführt werden. In dem Land gibt es verschiedenste Auslöser für Konflikte – darunter kommunale Streitigkeiten und gesellschaftliche Rivalitäten, z.B um Ackerland. Mehr als 250 unterschiedliche ethnische Gruppen leben in Nigeria zusammen.
Religion spielt bei den Konflikten nach Angaben von Experten zwar auch eine Rolle, aber keine zentrale. Das bestätigt u.a. Malik Samuel von der Nichtregierungsorganisation Good Governance Afrika. Die These von einem christlichen Völkermord würden von den Fakten nicht unterstützt, sagt er. Auch Lennart Oestergaard von der Friedrich-Ebert-Stiftung sieht nicht religiöse Verfolg als Ursache für die Gewalt in Nigeria, sondern eine weitreichende Unsicherheit im Land.


