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No Billag
"Eine Entscheidung gegen Medienliberalismus"

Die Schweizer hätten eine "erwachsene Entscheidung getroffen", sagte Wolfgang Hagen, Medienwissenschaftler an der Leuphana-Universität, im Dlf. Der freie Markt allein habe kein Rezept gegen die Medienkrise.

Wolfgang Hagen im Gespräch mit Stefan Koldehoff | 05.03.2018
    Die letzte Billag-Rechnung für das Jahr 2017, aufgenommen vor einem Fernseher. Die Schweizer stimmen am 04.03.2018 darüber ab, ob die Rundfunkgebühren, erhoben durch die Billag AG, Schweizerische Erhebungsstelle für Radio- und Fernsehempfangsgebühren, abgeschafft wird.
    Der Medienwissenschaftler Wolfgang Hagen sieht die Abstimmung als grundsätzlich Bekenntnis zu gebührenfinanzierten Medien. (dpa / picture alliance / Walter Bieri)
    Der Medienwissenschaftler und ehemalige Kulturchef des Berliner Deutschlandradioprogramms Wolfgang Hagen hatte eine "derartige Klatsche für die Initianten" von No Billag nicht erwartet. Es sei nicht nur eine Abstimmung über die SRG gewesen. Das Ergebnis sei ein generelles Bekenntnis zum gebührenfinanzierten öffentlichen Rundfunk. Die klassische neoliberale Haltung - jeder und jede soll nur noch für das bezahlen, was er oder sie nutzt - habe das Schweizer Stimmvolk den Initianten nicht abgekauft.
    Wolfgang Hagen ist Medienwissenschaftler und Professor an der Leuphana-Universität in Lüneburg. Von 2002 bis 2012 war er Leiter der Kultur- und Musikabteilungen sowie Leiter der Medienforschung im Deutschlandradio Kultur.
    Der Medienwissenschaftler Wolfgang Hagen. (Deutschlandradio / Bettina Straub)
    Wolfgang Hagen kommt in der medienpolitischen Diskussion zu kurz, dass der Medienliberalismus keine Antwort auf die Medienkrise sei. "Wir haben einen Funktionsverlust des Printmediums, wir haben Auflagen, sinkend in dramatischer Form, wir haben Verlust an journalistischer Kompetenz." Die Abstimmung in der Schweiz sei nichts anderes als eine "emotionale Entscheidung gegen Medienliberalismus" gewesen.
    Zu starker Fokus auf verlegerischen Interessen
    "Rezepte, die nur vom Markt ausgehen, können diese Medienkrise nicht beantworten", sagte Hagen. Das werde in der deutschen Diskussion zu wenig gesehen, weil immer noch zu viel Rücksicht genommen werde auf verlegerische Interessen, "die uns nicht weiterhelfen den Journalismus zu stärken gegen die Herausforderungen des Internet mit Social Bots und Fake News".
    In jedem europäischen Land würde es, so Hagen, zu gleichen Ergebnissen kommen, wenn ähnlich argumentiert werde wie in der Schweiz.