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OlympiaEin Rücktritt als Problemlöser

Vor sechs Wochen hatte Marius Vizer als Chef der Vereinigung internationaler Sportverbände (SportAccord) IOC-Präsident Thomas Bach kritisiert und ihm unter anderem Geldverschwendung vorgeworfen. Mit seinen Aussagen geriet Vizer in die sportpolitische Isolation, jetzt folgte der Rücktritt.

Von Heinz Peter Kreuzer | 31.05.2015

IOC-Präsident Thomas Bach
In der Kritik: IOC-Präsident Thomas Bach (picture alliance / dpa)
IOC-Präsident Thomas Bach hat den ersten Machtkampf in seiner IOC-Präsidentschaft gewonnen. Er kann sich sicher sein: Er hat die Unterstützung der internationalen Verbände und der Nationalen Olympischen Komitees. Fast ein Viertel der SportAccord-Mitglieder, 22 olympische und vier nicht olympische Sportverbände, waren in den vergangenen Wochen aus der Organisation ausgetreten oder ließen ihre Mitgliedschaft ruhen. Auch die Vereinigung der olympischen Sommer-Sportverbände hatte die Zusammenarbeit mit dem SportAccord-Chef aufgekündigt. Und das Nationale Olympische Komitee Perus hat aus Protest gegen Vizer die Ausrichtung der „World Combat Games" 2017 zurückgegeben. Ed Hula, Chefredakteur des Branchendienstes Around The Rings, erklärt:
"Die Verbände wollen Mario Vizers Meinung, sein Programm, sein Manifest, nicht unterstützen. Es ist nicht das, wofür SportAccord steht. Aus diesem Grund stellen sie sich hinter den IOC-Präsidenten. Keiner will als IOC-Gegner eingestuft werden. Das ist besonders in diesen Zeiten eine gefährliche Position."
Bach hat nicht nur die Verbände, sondern auch den mächtigsten Strippenzieher des Weltsports hinter sich. Scheich Ahmad Al-Fahad Al-Sabah gilt als Königsmacher von Bach und auch als Unterstützer von Vizer.
"Auch wenn Scheich Ahmed und Marius Vizer in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben und Freunde waren, ist es für den Scheich wichtiger, als Bach-Freund dazustehen."
Mit dem Rücktritt Vizers dürfte auch ein milliardenschwerer Streit um die Einnahmen im Sportbusiness vermieden werden. Denn neben SportAccord, die für eine gemeinsame Politik der Verbände als Gegengewicht zu den Nationalen Olympischen Komitees stehen soll, gibt es auch die SportAccord Convention. In dieser sind die wirtschaftlichen Aktivitäten der Verbände wie der Verkauf von Medienrechten und Sponsoring gebündelt.
"Alle großen Verbände sind Anteilseigner. SportAccord Convention ist zwar getrennt von SportAccord. Aber beide Organisationen hängen doch so eng zusammen, dass es schwierig sein wird, aus der einen auszutreten und mit der anderen Geschäfte zu machen."
Mit Vizers Rücktritt ist dieses Problem wohl gelöst und die Geldquellen dürften weiter sprudeln. IOC-Chef Bach und Strippenzieher Scheich Ahmed werden jetzt einen Nachfolger bestimmen, mit dem sie problemlos kooperieren können. Der Exodus der Verbände wird auf diese Weise beendet werden, die ausgetretenen Verbände werden zurückkehren. "Alles ist wieder gut."