Sonntag, 26. Juni 2022

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Olympia und Corona
"Wir sehen eine große Zerissenheit"

Wollen die Athleten, dass Olympia 2020 stattfindet oder nicht? "Ich habe mitgenommen, dass für alle, die Gesundheit an oberste Stelle steht. Aber wir sehen trotzdem eine große Zerrissenheit," so der Geschäftsführer der Athleten Deutschland im DLF-Interview.

Johannes Herber im Gespräch mit Astrid Rawohl | 22.03.2020

Sicherheitskräfte mit Mundschutz in Tokio vor den Bannern der Olympischen und der Paralympischen Spiele 2020.
Die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele 2020 laufen im Zeichen des Corona-Virus (Rodrigo Reyes Marin/imago-images)
Es war ein Paukenschlag: Max Hartung hat seine Teilnahme an Olympia 2020 in Tokio wegen des Coronavirus abgesagt, vor allem weil er als Athlet eine Vorbildfunktion habe und diese wolle er wahrnehmen. Hartung ist nicht nur Säbelfechter, er ist auch Gründungsmitglied der Athletenvereinigung "Athleten Deutschland" aktiv. Geschäftsführer Johannes Herber sagte im DLF-Interview nachdem sich die Athletenvertreter zusammengeschaltet und ein Stimmungsbild eingeholt hatten: "Ich habe mitgenommen, dass für alle, die Gesundheit an oberste Stelle steht. Aber wir sehen trotzdem eine große Zerrissenheit."
Für manche ist es die letzte Chance auf Olympia
Viele seien dafür, die Spiele zu verschieben, einige klammerten sich jedoch noch an das letzte Fünkchen Hoffnung, dass Olympia doch noch stattfinden könne. Es sei ein vielschichtiges und differenziertes Bild, so Herber. Für manche Athleten sei es vielleicht die letzte Möglichkeit, Olympia zu erleben. Alle seien sich aber einig gewesen, dass sie jetzt möglichst schnell Klarheit haben möchten. Auch weil es immer noch Athleten gebe, die für Olympia trainieren und sich dadurch in Gefahr begeben könnten.
Johannes Herber, Geschäftsführer des Vereins Athleten Deutschland und ehemaliger Basketball Nationalspieler
Johannes Herber, Geschäftsführer des Vereins Athleten Deutschland und ehemaliger Basketball Nationalspieler (dpa/Maurizio Gambarini)
DOSB startet Umfrage unter Athleten
Herber lobte den DOSB jedoch dafür, dass er eine Umfrage unter den Athleten durchführen wolle, die Klarheit über das Meinungsbild der Sportler bringen soll. Demnach wolle der DOSB die Athleten an der Entscheidung offenbar beteiligen. Herber betonte weiter, dass er die Ankündigung des IOC, sich in den kommenden vier Wochen einen Plan überlegen zu wollen, zu lang sei. Die Athleten wollten jetzt eine Entscheidung, um ihre Vorbereitung auf Olympia entweder zu planen oder abzusagen.