Mittwoch, 07. Dezember 2022

Archiv

Paralympics
Putin wettert gegen Ausschluss

Während im Westen immer noch Empörung über das russische Staatsdoping herrscht, wittert man in Russland selbst Verrat durch den Westen. Beim Empfang der russischen Olympioniken wettert sogar der Staatspräsident gegen den Paralympics-Ausschluss.

Von Oliver Soos | 25.08.2016

    Anna Petukhova (l.) und Kseniya Ovsyannikov, Sportlerinnen der russischen Rollstuhl-Fechtmannschaft, bei einer Pressekonferenz zu den Sommer-Paralympics.
    MOSCOW RUSSIA MAY 30 2016 Anna Petukhova L and Kseniya Ovsyannikov members of the Russian wh (imago sportfotodienst)
    Das russische Fernsehen überträgt live. Es ist eine Siegerehrung, die sich sehen lassen kann. Vor dem Kreml steht eine Flotte nagelneuer weißer BMWs für die 107 russischen Medaillengewinner.
    Für Gold gibt es einen BMW X 6, plus umgerechnet rund 55 000 Euro Siegerprämie. Für Silber gibt es einen X4 und 35 000 Euro, für Bronze einen X3 und knapp 25 000 Euro. Überreicht werden die Autos vom russischen Ministerpräsidenten, Dmitri Medwedew.
    Im gold-glänzenden Festsaal des Kreml-Palasts empfängt Präsident, Wladimir Putin, die Medaillengewinner und heftet jedem Einzelnen einen Staatsorden an die Weste.
    "Wir wissen wie schwer es für unsere Athleten in Rio war. Man hat fast ein Drittel aus unserem Team herausgeschnitten. Man hat uns die Möglichkeit genommen, unser Können zu zeigen, gerade in Sportarten, in denen wir Favoriten waren. Aber Ihr Athleten habt Euch nicht unterkriegen lassen, Ihr habt gekämpft und gesiegt."
    Die Goldmedaillengewinnerin im Synchronschwimmen, Maria Schurotschkina, tritt ans Mikrofon und wirkt überwältigt.
    "Ich hätte nie gedacht, dass ich neben dem Präsidenten meines geliebten Landes stehen würde. Niemand kann sich vorstellen, welche Kraft der Sieg gekostet hat. Sie, Herr Präsident, sind für diesen Sieg verantwortlich. Sie haben uns sehr geholfen, sie machen kolossale Arbeit."
    Der hoch gelobte Wladimir Putin lässt es sich nicht nehmen, seinem Ärger über den Komplettausschluss der russischen Paralympioniken Luft zu machen
    "Die humanitären Grundprinzipien des Sports und der olympischen Idee wurden völlig unverschämt mit Füßen getreten. Dabei geht es nur um Politik. Es ist zynisch, seine Wut an jenen auszulassen, für die der Sport zum Sinn des Lebens geworden ist. Es geht um Sportler, die Vorbilder sind für Millionen Menschen mit Behinderungen."
    Am Dienstag hatte der Internationale Sportgerichtshof, CAS, den Ausschluss der russischen Paralympioniken von den Spielen in Rio bestätigt. Zuvor hatte das Internationale Paralympische Komitee alle russischen Athleten gesperrt, wegen des Verdachts des systematischen Staatsdopings.