Dienstag, 17. Mai 2022

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Parodien auf "Mein Kampf"
Wollt ihr den totalen Spott? Sein Kampf kabarettistisch

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs wird Hitlers "Mein Kampf" dämonisiert und eine Neuausgabe in Deutschland verhindert. Doch mit dem Freiwerden der Urheberrechte Anfang 2016 steht eine Auseinandersetzung mit diesem Buch mehr denn je auf der Tagesordnung.

Von Stephan Göritz | 06.01.2016

Der Buchrücken einer Ausgabe von Hitlers "Mein Kampf" vor einem unscharfen Porträtbild Hitlers.
Wie gehen Kabarettisten mit "Mein Kampf" auf deutschen Kabarettbühnen um? (picture alliance / dpa / Sepp Spiegl)
Unerschrockene Kabarettisten haben die längst gewagt und dafür nicht nur Missverständnisse, sondern auch Morddrohungen in Kauf genommen. Schon 1973 kämpfte Helmut Qualtinger mit seiner Parodie ausgewählter Kapitel gegen bequemes Verdrängen an. Serdar Somuncu zog um die Jahrtausendwende sechs Jahre lang mit einer kommentierten Lesung aus "Mein Kampf" durch Deutschland und demonstrierte, wie leicht besonders jene Hitlers Thesen erliegen, die glauben, dagegen immun zu sein. Immer wieder ist die Verführbarkeit durch verbrecherische Ideologie Thema auf Kabarett- und Chansonbühnen: Ob sich Martin Maier-Bode vorstellt, wie Hitler versuchen würde, sein Ermächtigungsgesetz durch den Bundesrat zu bekommen, oder Herman van Veen fragt, wie die Welt aussähe, wenn Hitler seinen Kampf gewonnen hätte. Eine Stunde, in der das Lachen und das Erschrecken dicht nebeneinander liegen.