CDU
Parteiinterne Kritik an Merz' Kurs wird lauter - Arbeitnehmerflügel CDA wirft dem Bundeskanzler falschen Kurs vor

Nach dem AfD-Erfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird in der CDU die Kritik am Parteivorsitzenden und Bundeskanzler Merz lauter. Der Arbeitnehmerflügel der Partei - CDA - erklärte den von Merz vertretenen Kurs einer "CDU pur" für gescheitert. Der CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Peters, ging auf klare Distanz zum Kanzler.

    Friedrich Merz steht vor einer blauen Wand und blickt ernst.
    Der Bundeskanzler und CDU-Chef Merz steht unter Druck. (picture alliance / dpa / Sebastian Gollnow)
    Der Chef des Arbeitnehmerflügels, Radtke, rechnete in einem Schreiben an die CDA-Mitglieder mit Merz ab. Man habe "in den vergangenen Monaten erlebt, dass die Vorstellung von 'CDU pur' nicht funktioniert", schrieb Radtke in dem Brief, der der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Daher brauche es jetzt einen Kurswechsel - bei Inhalten, der politischen Erzählung und der Kommunikation. Merz habe die Partei zu einseitig konservativ aufgestellt, zu Lasten der liberalen und christlich-sozialen Strömungen in der CDU. Der Sozialflügel sei unter Merz zum Schaden der ganzen Partei marginalisiert worden. Dem Anspruch, "die Partei der fleißigen Menschen" zu sein, werde man aktuell "erkennbar nicht gerecht", kritisierte Radtke.

    CDA-Chef Radtke: "Wenn der Bundeskanzler regelmäßig das halbe Land mit bestimmten Aussagen gegen sich aufbringt, ist das kontraproduktiv"

    In einem Interview mit dem "Focus" wurde Radtke noch deutlicher. Er sagte dem Magazin, wenn der Kanzler regelmäßig das halbe Land mit bestimmten Äußerungen gegen sich aufbringe, sei das kontraproduktiv. Wenn die Union immer wieder Diskussionen lostrete, ob die Leute faul seien und alle nur das System ausnutzten, dann habe sie "schlicht nicht verstanden", worum es gehe, so Radtke. Er sei dafür, den Fokus voll auf Wachstum zu legen. Dabei gehe es aber nicht primär um Debatten über Krankheitstage oder Arbeitszeiten. Gebraucht würden Planungssicherheit für die Unternehmen, weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungsverfahren und niedrigere Energiepreise, forderte Radtke.

    Stellvertretender Unionsfraktionschef Müller: "Weniger versprechen und lieber mehr umsetzen"

    In einem Interview mit Welt TV erhöhte der stellvertretende Unionsfraktionschef Müller den Druck auf Merz: Der Kanzler müsse nun bei den Reformen liefern. Man müsse insgesamt als Union, und das gelte auch für das Spitzenpersonal, "weniger versprechen und lieber mehr umsetzen", erklärte Müller. Er ist Mitglied des von Radtke geleiteten Sozialflügels CDA. Am Tag nach der Wahl in Sachsen-Anhalt war Müller öffentlich von Kanzler Merz gerügt worden, weil er noch vor der Abstimmung erklärt hatte, der Regierungsauftrag liege bei der AfD.

    CDU-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern erteilt Wahl-Auftritten von Merz eine Absage

    Auch vom Landesverband in Mecklenburg-Vorpommern kam Kritik am Kanzler. Der CDU-Spitzenkandidat für die anstehende Landtagswahl, Peters, sagte dem Sender Welt TV: "Die Bundespolitik steht tatsächlich absolut in der Kritik hier in Mecklenburg-Vorpommern". Dies werde er nach Berlin kommunizieren. Peters erklärte, es werde in dem Bundesland keine Auftritte von Merz vor der Wahl mehr geben. Die sächsischen CDU-Kreisverbände äußerten ebenfalls Kritik am Kanzler und forderten eine "schonungslose Analyse" der aktuellen Lage.

    CDU-Generalsekretärin Hoppermann: "Merz und die Bundesregierung sind auf dem richtigen Weg"

    Die neue CDU-Generalsekretärin Hoppermann zeigte sich hingegen überzeugt, dass Bundeskanzler Merz und die Bundesregierung trotz anhaltender Kritik auf dem richtigen Weg seien. Hoppermann sagte im Interview der Woche des Deutschlandfunks, natürlich sehe sie, dass sinkende Umfragewerte Fragezeichen hinterließen. Es sei aber notwendig, die gemeinsamen Anstrengungen anzugehen.
    Merz sei angetreten, dieses Land zu modernisieren und für Wirtschaftswachstum zu sorgen, so Hoppermann. Er stehe für das Bild der Zukunft, wohin sich Deutschland bewegen solle. Als Beispiel nannte die CDU-Politikerin die Rentenreform, bei der man erreichen wolle, dass die Menschen mehr Rente hätten als vorher - und perspektivisch sinkende Beiträge.
    Das gesamte Interview können Sie am Sonntag ab 11.05 Uhr im Deutschlandfunkprogramm hören - oder in der Deutschlandfunk-App.

    Aus dem Deutschlandfunk-Programm:

    Nach AfD-Sieg: Ratlosigkeit in der Koalition
    Diese Nachricht wurde am 12.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.