Montag, 16. Mai 2022

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Peter Plate
Ex-Rosenstolz-Sänger will Romeo und Julia musikalisch entstauben

Von Oliver Kranz | 28.08.2014

Die Ouvertüre ist nicht gerade ein Wachmacher - endloses Chorgesumme, ehe die erste Melodie auftaucht. Da gehen andere Adaptionen des Romeo-und-Julia-Stoffs ganz andere Wege. In Leonard Bernsteins "West Side Story" kracht und scheppert das Orchester, im Film von Baz Luhrmann knallen Schüsse durch schnell geschnittene Bürgerkriegsvideos - schließlich geht es um die Feindschaft zweier Familienclans. Peter Plate und Ulf Sommer hingegen setzen auf einen fast schon esoterischen Wohlfühlsound:
Immer noch Rosenstolz im Blut
"Weil jeder seinen eigenen Weg gehen muss und seinen natürlichen Weg. Wir sind einfach bei uns geblieben. Wir sind halt so."
Plate und Sommer haben immer noch Rosenstolz im Blut. Sie interessieren sich vor allem für die Liebesgeschichte. Für Romeo und für Julia haben sie wunderbare Balladen geschrieben – gefühlvoll, aber nicht schnulzig.
Fabian Buch singt Romeo. An ihm fällt zuallererst auf, dass er dem jungen Peter Plate ähnlich sieht. Seine Stimme ist eher gewöhnungsbedürftig. Und genau das hat Plate fasziniert:
"Der hat so was Schnoddriges. Das passt zu dem Romeo hervorragend, weil unsere Melodien ja sehr einschmeichelnd sind und er singt die so schnoddrig daher. Das gefällt mir einfach, weil ich mag am Musical nicht, wenn die Sänger so mit Vibrato singen. Ich mag eher das Erzählerische, das sich nicht so wichtig nimmt."
Plate will nicht unter Kitschverdacht geraten und lässt seinen Romeo lässig vor sich her nuscheln. Ein bisschen zu lässig vielleicht. Maxine Kazis als Julia hat da schon mehr zu bieten. Natürlich hat sie nicht den Stimmumfang der Rosenstolz-Sängerin AnNa R., aber Maxine Kazis bringt den Gefühlsüberschwang und die Unsicherheit der verliebten Julia in eine ziemlich verführerische Balance. Sie hat bei der Musicalpremiere in Kiel auch auf der Bühne gestanden, während Fabian Buch nur auf der CD singt.
Man hört, dass die Musik für die Bühne geschrieben wurde
Obwohl das Album im Studio aufgenommen wurde, hört man, dass die Musik für die Bühne geschrieben wurde. Da folgen Disconummern auf mystische Chorgesänge, Chansons auf eher simpel gestrickte Popsounds. Einige Songs sind verkappte Theaterszenen – zum Beispiel der, in dem sich Julias alte Amme gegen den Spott von Romeos Freunden zur Wehr setzt. Katharina Thalbach als Amme schimpft so brachial daher, dass einem die Situation sofort vor Augen steht.
Plate und Sommer haben ein Gespür fürs Theater. Sie wollten schon immer ein Musical schreiben, wie Peter Plate betont:
"Wir haben all die Jahre nicht aufgehört, darüber zu reden und sogar schon mal verschiedene Anläufe gemacht und jetzt ist es endlich soweit. Es macht Riesenspaß. Ich glaube, dass wir auch noch mehr machen möchten."
Jetzt wollen Plate und Sommer das Romeo-und-Julia-Musical nach Berlin holen, dann schreiben sie die Musik für den Kinderfilm "Bibi und Tina", dann könnte ein neues Musical folgen. Und Rosenstolz? Wird die Band noch einmal zusammenkommen? - Peter Plate legt sich nicht fest:
"Im Moment sieht es nicht so aus, aber keiner weiß was in 20 Jahren ist."