Südamerika
Politologe Maihold: Politische Situation in Venezuela verschärft Folgen des Erdbebens

Die politische Lage in Venezuela sorgt dafür, dass sich die Situation für die Menschen nach dem Erdbeben deutlich verschärft. Der Politologe Günther Maihold sieht eine deutliche Tendenz, unter anderem auch Retter zu überwachen.

    US-amerikanische Such- und Rettungskräfte bergen am Sonntag, 28. Juni 2026, in La Guaira, Venezuela, ein unter den Trümmern verschüttetes Erdbebenopfer.
    Erdbeben in Venezuela: Eine ältere Frau wird von Rettungskräften aus Trümmern geborgen. (picture alliance / AP Photo / Matias Delacroix / Matias Delacroix)
    Maihold, der als Professor am Lateinamerika-Institut der FU Berlin arbeitet, sagte im Deutschlandfunk, die Überwachung beginne schon am Flughafen. Man spüre, dass manche Beiträge von Hilfsorganisationen weniger gewünscht seien als andere. Viele der Helfer seien zudem frustriert, da die Organisation vor Ort mangelhaft sei.
    Die entscheidende Phase stehe Venezuela zudem noch bevor. Das Land brauche ein massives Aufbauprogramm und die Menschen müssten wieder in festen Gebäuden unterkommen, nicht nur - wie derzeit - in Zelten, die man in Fußball- oder Baseballstadien aufgestellt habe. Maihold sagte, daran werde man auch sehen, ob US-Präsident Trump gewillt sei, eine gewisse Fürsorge für das Land zu übernehmen, nachdem er mit der Festnahme des früheren Präsidenten Maduro durch US-Soldaten dort für einen Regierungswechsel gesorgt habe. Bisher gebe es darauf noch keine Hinweise.

    Rettungskräfte weiter im Einsatz

    Bei dem Erdbeben in Venezuela wurden nach aktuellen Regierungsangaben mehr als 1.900 Menschen getötet; rund 10.500 wurden verletzt. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Opfer noch deutlich ansteigen wird. Rettungskräfte suchen weiter nach Verschütteten. Unter den Trümmern eingestürzter Gebäude werden noch zehntausende Opfer vermutet. Die US-Raumfahrtbehörde NASA geht nach der Auswertung von Satellitendaten davon aus, dass rund 58.000 Gebäude bei dem Beben beschädigt oder zerstört wurden.
    Diese Nachricht wurde am 01.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.