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Premier LeagueUmarmungen verboten, um den Spielplan zu retten

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist in Großbritannien hoch, die Premier League gerät durch Spielabsagen immer weiter in Terminnot. Das könnte am Ende der Saison auch Folgen für die EM haben.

Von Chaled Nahar | 16.01.2021

Spieler von Tottenham jubeln im Spiel gegen Leeds
Spieler von Tottenham jubeln im Spiel gegen Leeds (www.imago-images.de)
Mit der Absage des Spiels zwischen Aston Villa und dem FC Everton zählt die Premier League die achte Verschiebung eines Spiels in dieser Saison. Aston Villa musste bereits vier Mal ein Spiel absagen. Die größte Schwierigkeit liegt aber in dem Umstand, dass mit Manchester United, Manchester City und Tottenham Hotspur mehrere Europapokalteilnehmer von ersten Absagen betroffen sind. Gerade Tottenham könnte zum Extremfall werden. Erreicht die Mannschaft die Endspiele von Ligapokal, FA-Cup und Europa League, sind mehr Spiele auszutragen als es planmäßige Termine gibt.
Schon im Herbst spielte Tottenham einmal vier Partien in einer Woche, aber das will Trainer José Mourinho nicht nochmal sehen. "Ich weigere mich, von dieser Ansammlung verrückter Termine bestraft zu werden, wie wir zu Beginn der Saison bestraft wurden", sagte er kürzlich.

London zwischenzeitlich mit Sieben-Tage-Inzidenz von 1.000

Großbritannien ist von der Corona-Pandemie hart betroffen. 3,3 Millionen Menschen haben sich nach Zahlen der Johns-Hopkins-University (Baltimore/USA) infiziert. Mehr als 87.000 Menschen sind demnach an oder mit dem Virus gestorben.
Derzeit stellt eine Mutation des Coronavirus das Land vor große Probleme. Viele Krankenhäuser sind immer stärker mit Covid-19-Patienten belegt. In London betrug die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt zwischenzeitlich 1.000. Die britische Hauptstadt ist die Heimat von sechs Klubs aus der Premier League. Auch im Fußball gab es Höchstwerte, zuletzt vermeldete die Premier League 38 positive Tests bei den 20 Klubs, in der Woche davor sogar 40.
Unterhalb der Premier League geht es noch dramatischer zu. Dort vermeldet die "English Football League", verantwortlich für den Spielbetrieb in der 2., 3. und 4. Liga, derzeit täglich Spielabsagen. Am vergangenen Wochenende liefen zudem im FA-Cup Amateure mit Profis gemeinsam auf den Platz. Der englische Verband zahlte kurzerhand den kleinen Klubs Corona-Tests, damit der Spielbetrieb in den oberen Ligen nicht durch neue Corona-Infektionen in Gefahr gerät.
Angesichts der Zahlen greift die Politik ein. Fans sind in englischen Stadien derzeit nirgends erlaubt. Sportminister Nigel Huddleston schrieb bei Twitter: "Jeder Mensch im Land musste seine Art ändern, mit anderen Menschen umzugehen. Fußballer sind keine Ausnahme. Das Hygienekonzept existiert für den Fußball, Fußballer müssen es befolgen und Fußballorganisationen müssen sie strikt durchsetzen." Er bezog sich auf einen Artikel, in dem die Liga die Spieler dazu aufrief, Handschütteln, Abklatschen und Umarmungen zu unterlassen - auch, um den Spielplan zu retten.

Folgen für die EM möglich

Der wankende Spielplan in England kann nun aber auch weitreichende Folgen für den europäischen Fußball haben. Wenn eine Liga nicht rechtmäßig sportlich beendet ist, sind die Ergebnisse möglicherweise juristisch anfechtbar. Ohne rechtmäßige Ergebnisse kann nicht bestimmt werden, wer in der Champions League spielt - die aber liefert für die UEFA und die großen Klubs unerlässliche Einnahmen.
Weder die Premier League noch die Bundesliga haben endgültige Entscheidungen darüber getroffen, was passiert, wenn eine Saison nicht regulär zu Ende gespielt werden kann. Die Premier League und alle anderen europäischen Ligen müssen Ende Mai fertig sein - dann beginnt die Abstellungsphase für die Nationalspieler für die EM.