Minus 273 Grad Celsius
Quantencomputer in Garching in Betrieb genommen

Am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Garching bei München ist ein neuartiger Quantencomputer offiziell in Betrieb genommen worden. Euro-Q-Exa ist eines von sechs im Zuge eines EU-Projekts konstruierten Quantensystemen.

    Der Quantencomputer Euro-Q-Exa im Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
    Am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wurde der Quantencomputer Euro-Q-Exa offiziell in Betrieb genommen. (picture alliance / dpa / Malin Wunderlich)
    Sie werden in europäische Höchstleistungsrechner integriert und vom Gemeinsamen Unternehmen für europäisches Hochleistungsrechnen (EuroHPC Joint Undertaking) beschafft. Die EU will sich damit einen Platz an der Weltspitze in diesem Bereich sichern und eigene Rechenkapazitäten schaffen. 

    Kühlung des Supercomputers - kälter als im Weltall

    Der neue Quantenrechner hat eine Rechenleistung von 54 Quantenbits (Qubits). Während eine klassisches Bit den Wert 0 oder 1 annehmen kann, ermöglicht die Quantenmechanik einem Qubit, beide Zustände gleichzeitig einzunehmen - und zwar in verschiedenen Verhältnissen. In seiner aktuellen Ausbaustufe kann der Garchinger Supercomputer somit 18 Billiarden Werte gleichzeitig verarbeiten. Geplant ist eine Steigerung auf 150 Qubits. Der Leiter des LRZ, Dieter Kranzlmüller, erklärte, mit Euro-Q-Exa verbinde man die Stärken des Quanten- mit denen des Supercomputings. Forscher erhielten damit die Möglichkeit, neue Ansätze zu erproben, wegweisende Berechnungen umzusetzen und somit neue wissenschaftliche Dimensionen zu erschließen.
    Der Computer wird auf unter minus 273 Grad Celsius gekühlt, um die empfindlichen Recheneinheiten zu stabilisieren und nutzbar zu machen. Das gilt als physikalischer Nullpunkt. Zum Vergleich: Im Weltall herrscht eine Temperatur von etwa minus 270 Grad.

    Hochkomplexe Rechenaufgaben

    Quantencomputer können unter anderem in Handel und Logistik oder im Finanzwesen sowie für das Design von Mikrochips komplexe Rechenaufgaben lösen, etwa die effizienteste Verbindung von Standorten. Schon bei zehn Standorten entstehen mehrere Millionen Möglichkeiten, bei 58 steigt die Zahl der Varianten auf eine Tredezillion – das ist eine Zahl mit 78 Nullen. Das mache die Berechnung mit klassischen Rechenmethoden äußerst aufwendig.
    Das Unternehmen IQM, das den Quantencomputer am LRZ gebaut hat, ist eine finnisch-deutsche Ausgründung der Aalto-Universität. Das System kostet insgesamt 25 Millionen Euro. Davon übernimmt der Bund zwölf Millionen Euro, die Europäische Union zehn Millionen Euro sowie der Freistaat Bayern drei Millionen Euro. Das Bundesforschungsministerium finanziert außerdem notwendiges Personal und Sachmittel.
    Diese Nachricht wurde am 13.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.