Sonntag, 22. Mai 2022

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Recycling in Luxemburg
Eine deutlich bessere Wertschöpfung

Blaue Tonne, gelbe Tonne, graue Tonne, und der Keller ist voll. So funktioniert Mülltrennung in Deutschland. Das saarländische Mettlach macht es anders. Sein Vorbild ist das kleine Luxemburg, wo gebrauchte Produkte und Wertstoffe in sogenannten Rückkonsumzentren abgegeben werden können.

Von Tonia Koch | 05.05.2015

Ein Mann wirft auf dem Recyclinghof in Freiburg Kunststoff in einen Sammelbehälter.
Ein Mann wirft auf dem Recyclinghof in Freiburg Kunststoff in einen Sammelbehälter. (dpa picture alliance/ Patrick Seeger)
"Samstag ist hier immer High Life."
Die beiden Mitarbeiter des Zentrums, das nach dem Muster eines Drive-In funktioniert, haben alle Händevoll zu tun. Sie weisen den Besuchern den Weg zu den Sammelboxen.
"Alles was daheim anfällt, bring ich hierher, es kostet nix, einwandfrei. Wenn ich räume, fahr ich hier hin. Ja, von Kinderspielzeug über kaputte Kaffeemaschinen, PCs, alte Lampen, Gardinen, alte Kleider."
Wer seinen Müll im Mettlacher Rückkonsumzentrum entsorgen möchte, muss sich ausweisen. Zugang haben nur Gemeindemitglieder. Ein Kunde mit einem ortsfremden Kennzeichen und einer Ladung Sperrmüll auf dem Anhänger zeigt dafür Verständnis.
"Absolut, absolut, ich komm aus der Gemeinde Mettlach mit einem Trierer Kennzeichen, absolut Verständnis dafür."
Über 40 Boxen stehen bereit: Für Elektrogeräte, Datenträger, Medikamente und Schadstoffe wie Lacke, Farben oder Bauschutt. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist die Rückgabe sowohl der Wertstoffe als auch der Schadstoffe kostenfrei. Großcontainer wie sonst auf Wertstoffhöfen üblich, stehen keine in Mettlach. Das sei wichtig, um dem Kunden zu suggerieren, dass er hier keinen Abfall abliefere, sondern ein altes, ein gebrauchtes Produkt, einen Wertstoff eben, sagt der Geschäftsführer der SuperDreckskescht, Hans-Peter Walter.
"Wir haben über 40 Sorten, die wir an Altprodukten sammeln, selektiv. Und automatisch bekommen wir eine andere Wertschöpfung für die einzelnen sauberen Altprodukte. Des Weiteren können wir zu unseren Abnehmern sagen, hier ist kein Fehlwurf drin."
Die Sortenreinheit garantiert der SuperDrecksKescht die nötigen Erlöse, um das auch personell aufwendige Konzept zu finanzieren.
"Sie können feststellen, dass wir zwischen 10 bis 100 Prozent mehr an Werterlös darstellen können, perspektivisch, weil die Leute werden sukzessive herangeführt an den Rückkonsum."
Es bleibt weniger Restmüll
Das neue Abfallwirtschaftskonzept der Gemeinde Mettlach läuft seit zwei Jahren. Es setzt neben dem Rückkonsumzentrum auch auf ein Verwiegesystem für Restmüll. Jeder Haushalt zahlt Extragebühren für jedes Kilogramm Restabfall, das er über eine festgelegte jährliche Mindestmenge von 70 Kilogramm hinaus in die graue Tonne steckt. In den vergangen beiden Jahren hätte sich das Restmüllaufkommen dadurch deutlich reduziert, sagt Bürgermeister Carsten Wiemann.
"Das Abfallwirtschaftskonzept hat uns vorausgesagt, dass wir im ersten Jahr 2013 in der Verwiegung etwa 30 Prozent der Abfallmengen einsparen. Es ist aber weit mehr geworden als 30 Prozent, wir haben fast 40 Prozent eingespart und da trägt natürlich das Rückkonsumzentrum mit bei."
Diese Entwicklung zahlt sich für die 13.000-Seelen-Gemeinde aus. Sie muss weniger Restmüll verbrennen lassen und das spart wegen der derzeit hohen Kosten für die Müllverbrennung bares Geld. Der Mettlacher Bürgermeister ist überzeugt, dass die Abfallbilanz seiner Gemeinde im kommenden Jahr noch besser aussehen wird, weil die Mettlacher Bürger bereits jetzt erheblich mehr Wertstoffe sammelten als der bundesdeutsche Durchschnitt, und immer mehr Menschen das Rückkonsumzentrum aufsuchten. Carsten Wiemann.
"Wichtig ist für uns diese zentrale Lage im Nahversorgungsbereich, neben einem Baumarkt und neben dem Nahversorgungszentrum mit Lebensmitteln und Bekleidung. Es ist ein Ort, an den jeder Mettlacher Bürger regelmäßig hinfährt. Das zeigen auch die Zutritte, 23.000 im letzten Jahr. Das bedeutet, jeder Haushalt war im letzten Jahr fünf Mal hier gewesen."
Die zentrale Lage mitten im Ort spielt nicht nur für den Konsumgedanken, der diesem Konzept zugrunde liegt, eine wesentliche Rolle sondern auch für die Ökobilanz. Ein Bringsystem kann seine Vorteile gegenüber einem klassischen Abholsystem für Müll- und Wertstoffe nur dann ausspielen, wenn die Anfahrtswege möglichst kurz sind und die Umwelt nicht durch individuelle Mülltransporte zusätzlich belastet wird. Das wissen auch die Betreiber der Mettlacher SuperDrecksKescht.