Donnerstag, 02. Februar 2023

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Reformation in Serie
Luthers Thesen - neu gelesen (93)

Der Fernsehjournalist Peter Hahne, die Schriftstellerin Thea Dorn und die Rabbinerin Elisa Klapheck kommentieren Martin Luthers 93. These.

26.10.2017

    These 93: "Möge es all den Propheten wohlergehen, die zum Volk Christi sagen: Kreuz, Kreuz!, und ist doch nicht Kreuz."
    Peter Hahne, Fernsehjournalist: "Theologisch heißt das die 'Theologie des Kreuzes'. Das ist und bleibt das Wichtigste, was Luther uns gebracht hat. 'Kreuz, Kreuz', das sollen wir verkünden. Das ist Gnade und Vergebung pur, aber es ist eben auch ein Kreuz, wie man umgangssprachlich sagt: ein Leben in Leiden und Verfolgung. Damit nimmt Luther das zentrale Wort von Jesus in seine vorvorletzte These: 'Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.'"
    Thea Dorn, Schriftstellerin: "Nur, weil jemand im Augenblick sich nicht so fühlt auf der Welt, als hinge er am Kreuze, als wäre er von schlimmsten Leiden geplagt, heißt das nicht, dass Du irgendwo in Sicherheit oder in trockenen Tüchern bist. Selbst wenn Du es gar nicht merkst, Deine gesamte irdische Existenz bedeutet, dass Du eben ein schwacher, verrottender, fürchterlicher Körper bist. Und deshalb soll gepredigt werden: 'Nimm diese Leiden auf Dich und dann ist das Deine einzige Chance, vielleicht später im Himmel Belohnung zu bekommen.' Und in diesem Sinne sollen die Propheten das grausliche Wort 'Kreuz, Kreuz' predigen."
    Hahne: "Also eine kürzere Zusammenfassung der Botschaft des Evangeliums und Luthers gibt es wohl nicht."
    Elisa Klapheck, Rabbinerin: "Als Jüdin muss ich sagen, ich weiß gar nicht, wo das steht mit dem Kreuz. Ich halte es lieber mit Jesaja, der sagt: 'kadosh, kadosh, kadosh' – 'heilig, heilig, heilig'. Die ganze Welt ist erfüllt von Gottes Heiligkeit und daran können wir Menschen auch ohne Pein Anteil haben.
    Konzeption und Realisierung: Christiane Florin, Andreas Main, Christian Röther, Simonetta Dibbern