Mittwoch, 18. Mai 2022

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Salzburger Festspiele
Mozart als Klimaaktivist

Der amerikanische Regisseur Peter Sellars deutet Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Idomeneo in Salzburg als Gegenwartserzählung über Meeresverschmutzung, Klimakatastrophe und Migrationsgeschichte. Er will die Welt wieder in Ordnung bringen. Die Musik unter Teodor Currentzis hilft ihm dabei.

Christoph Schmitz im Gespräch mit Doris Schäfer-Noske | 28.07.2019

Russel Thomas (links) und Jonathan Lemalu auf der Bühne während der Fotoprobe von "Idomeneo" im Rahmen der Salzburger Festspiele.
Mozarts "Idomeneo" bei den Salzburger Festspielen (dpa-Bildfunk / Barbara Gindl / APA)
Leuchtende, durchscheinende Tiefseetiere, kleine und riesige, liegen auf der Bühne und schweben darüber - aber auch viel Plastikmüll. Die Herrschenden bekommen Meeresverschmutzung, Klimawandel und Migration nicht mehr in den Griff. Peter Sellars hat Mozarts frühe Oper Idomeneo in die Gegenwart transportiert.
Sellars will die Welt heilen
Sellars greift dabei auf seine früheren Inszenierungen zurück mit vielen spirituellen und sakralen Zeichen. Denn er will die Welt heilen. Das wirkt oft etwas naiv, aber die Ernsthaftigkeit, mit der er seine Botschaft verkündet, ist durchaus glaubwürdig. Dennoch packt einen die Inszenierung nicht so richtig. Dafür ist manches zu schlicht. Auch wenn der Choreograph Lemi Ponifasio aus dem vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Samoa exotischen Tanz bietet.
Die Musik leuchtet
Aber die Musik des Freiburger Barockorchesters wiegt manches auf. Farbenreich und prägnant lassen die Musiker die Partitur aufleuchten. Dirigent Teodor Currentzis mußte da gar nicht mehr viel zutun. Die Sängerinnen überzeugten ebenfalls uneingeschränkt mit wunderbar frequenzreichen, gut geführten und flexiblen Stimmen: Paula Murrihy als Idamante, Ying Fang als Ilia und Nicole Chevalier als Elektra. Die männlichen Sänger wie Russel Thomas in der Titelrolle konnten hier leider nicht mithalten.