
Jurysprecherin Cornelia Geißler meinte dazu: "So unsicher die Gegenwart auch sein mag, erweist sie sich doch als Nährboden für eine großartige Literatur. Die sechs Romane der Shortlist zeugen davon." In den Büchern stecke ästhetischer Reichtum und Sprachlust – und es gebe immer noch Grund zu lachen.
Die Auswahl in alphabetischer Reihenfolge:
Shida Bazyar: Die Lücken
Die Lücken ist ein "Roman über die Fundamente unserer Heimat", heißt es beim Verlag. Angesiedelt ist die Geschichte in einem fiktiven Ort im Hunsrück. Die 1988 geborene Autorin erzählt von jüdischen Familien und NS-Profiteuren bis hin zu Familien, die Jahrzehnte später aus dem Iran flüchten.
Franziska Gänsler: Orca
In "Orca" geht es um Zugehörigkeit und Freundschaft, Klimagerechtigkeit und Radikalisierung. Die Geschichte sei in ein Radikalisierungsszenario eingebettet, "in dem wir uns als Leser*innen geradezu fassungslos umschauen und uns fragen: Wie konnte das denn jetzt passieren?", erklärt die Jury. Das beantworte der Roman, in dem er klug zwei Ebenen zusammenführe.
Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle
Valeria Gordeevs Roman ist das einzige Debüt auf der Liste. Es geht um eine Familie zwischen Kiew, Moskau und Berlin – und um eine Welt, die aus den Fugen geraten ist. Die Bachmann-Preisträgerin erzähle aus verschiedenen Perspektiven, mit unterschiedlichen Stimmen und mit mehreren Handlungssträngen, die sich zu einem großen Ganzen fügten, urteilt die Jury. Ein Geschwisterpaar versuche sich im Zeichen des Krieges in Europa, angesichts eines autoritären Regimes und des Größenwahns des Menschen zurechtzufinden.
Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit, wie es in der Beschreibung des Verlags heißt. In Otto Mandl, einem Mathematiker, finde sie ihren Seelenverwandten. Sie lerne, sich mit Wörtern aus toten Sprachen gegen ihr Leiden zu immunisieren. Hirschl ist der einzige männliche Vertreter auf der Shortlist.
Peggy Mädler: Selbstregulierung des Herzens
Der Roman, angesiedelt in der DDR und im frisch wieder vereinigten Deutschland erzähle von "Liebe und Freundschaft in einer Welt, die Vertrauen nicht kennt". Im Zentrum stehen Georg, der anfangs noch hofft, seinen Staat mit Hilfe von ersten Computern und Kybernetik vorwärtszubringen, und die Künstlerin Mona, wie der Verlag beschreibt. Mädler erzähle empathisch und unaufgeregt, aber mit großem Faktenwissen.
Dana Vowinckel: Anton und Alma
"Die schönste Liebesgeschichte des Jahres ist gleichzeitig ein Buch über die Folgen des 7. Oktober", heißt es im "Spiegel". In dem politischen Gegenwartsroman, der in Berlin und New York spielt, wird die große Liebe zwischen dem Juden Anton und Alma in einer zunehmend gespaltenen Welt erzählt.
Jury hatte 205 Titel gesichtet
Auf der Longlist standen zuvor 20 deutschsprachige Romane. Wer die Auszeichnung bekommt, wird erst bei der Verleihung am 5. Oktober bekanntgegeben – dem Tag vor der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. Insgesamt hatte die siebenköpfige Jury 205 Titel gesichtet, die zwischen Herbst 2025 und Anfang September 2026 erschienen sind.
Der Deutsche Buchpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen in der Literaturszene und ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert. Im vergangenen Jahr ging er an Dorothee Elmiger für "Die Holländerinnen".
Diese Nachricht wurde am 08.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
