WM-Auftakt in Mexiko
So kommentieren internationale Zeitungen den Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft

In Mexiko beginnt am Abend die Fußball-Weltmeisterschaft. Das Turnier, das in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen wird, soll die größte WM bisher werden und ist angesichts politischer Spannungen umstritten. Wir blicken zum Auftakt in die Kommentarspalten internationaler Zeitungen.

    Am Haupteingang zum Aztekenstadion in Mexiko-Stadt hängen zahlreiche Banner für die FIFA-Fußball-WM 2026.
    Im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt findet das Eröffnungsspiel der Fußball-WM statt. (picture alliance / Jiji Press / Yusuke Morishita)

    THE HERALD - Johannesburg, Südafrika

    "Der Weg zur WM war von geopolitischen Spannungen überschattet. Einem afrikanischen Schiedsrichter und mehreren Offiziellen aus dem Iran wurde die Einreise in die USA verweigert. Viele anreisende Fußballfans müssen Schikanen durch US-Einwanderungsbeamte fürchten. Aber wir sollten nicht zulassen, dass diese Politik das größte Sportereignis der Welt überschattet. Der Fußball wird von Milliarden Menschen auf der ganzen Welt geliebt. Es wäre eine Schande, wenn das Turnier eher wegen Trump als wegen des Geschehens auf dem Spielfeld in Erinnerung bliebe. Es ist daher wichtig, dass Südafrika und Mexiko im Eröffnungsspiel ihr Bestes geben und damit einen hohen Maßstab setzen."

    LA NOUVELLE TRIBUNE - Casablanca, Marokko

    "Die senegalesische Delegation wurde direkt auf dem Rollfeld am Flughafen kontrolliert. Die Usbeken wurden mit Spürhunden empfangen; ein irakischer Assistent wurde sieben Stunden lang in Chicago festgehalten. Viele Fußball-Fans aus Marokko haben die bittere Erfahrung gemacht, dass ihnen das Visum verweigert wurde. Das erinnert daran, dass die Weltmeisterschaft zwar geografisch offen, politisch jedoch unzugänglich sein kann. Man hat der Welt ein globales Fest verkauft, aber gleichzeitig die Gäste sorgfältig ausgewählt. In Wirklichkeit hat das Gastgeberland USA seine Außenpolitik nicht vorübergehend ausgesetzt. Trumps Amerika hat sich dafür entschieden, schon in der Ankunftshalle am Flughafen daran zu erinnern, wer das Sagen hat. Der rote Teppich ist denjenigen vorbehalten, deren Unterschrift unter ein Abkommen geschätzt wird; die anderen müssen durch die Kontrolle. Das ist brutal, das ist kalkuliert, und es funktioniert: denn wir sprechen darüber."

    THE HERALD - Harare, Simbabwe

    "Wenn Menschen aus dem Nahen Osten aufgrund ihres Aussehens verdächtigt werden, wenn Iraner ausgeschlossen werden, hört das Spiel auf, universell zu sein. Es wird zum Spiegel globaler Ungerechtigkeit. Die FIFA hat keine klaren Richtlinien herausgegeben, um Besucher aus Afrika, dem Nahen Osten und dem Iran vor Diskriminierung bei der Einreise am Flughafen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei Begegnungen mit der Polizei zu schützen. Dies sind keine vereinzelten Unannehmlichkeiten, sondern systemische Barrieren, die die Menschenwürde verletzen."

    THE NEW TIMES - Kigali, Ruanda

    "Zum ersten Mal wird der Kontinent mit zehn Mannschaften bei dem Turnier vertreten sein – eine historische Erweiterung, die mit ebenso historischen Ambitionen einhergehen muss. Afrikas Mannschaften sollten nicht nach Nordamerika reisen, nur um Trikots zu tauschen. Sie müssen dorthin gehen in dem Bewusstsein, dass sie die Hoffnungen aller 55 afrikanischen Länder tragen. Afrika hat lange genug darauf gewartet, dass andere die Weltmeisterschaft gewinnen. Dieses Mal muss der Kontinent es wagen zu glauben, dass der Pokal nach Hause kommen kann."

    NESAWISSIMAJA GASETA - Moskau, Russland

    "Die Teilnahme des Iran an der WM ist ein Erfolg für FIFA-Chef Infantino. Nach dem Beginn der US-Militäraktion gegen das 'Ayatollah-Regime' gingen viele davon aus, dass sich die Iraner zurückziehen würden. Was die russische Nationalmannschaft betrifft, so hat die FIFA die 2022 verhängte Sperre nie aufgehoben. Die Aufstockung des Turniers auf 48 Mannschaften ist ein Zugeständnis an Afrika, Asien und Mittelamerika. Einst war es undenkbar, dass Mannschaften aus Haiti, Curaçao, Kap Verde, Jordanien, dem Irak, Usbekistan und Panama an einer Weltmeisterschaft teilnehmen würden."

    LA REPUBBLICA - Rom, Italien

    "Zum ersten Mal in der Geschichte empfängt ein Gastgeberland ein Land, mit dem es im Krieg steht, sowie andere, die es zu Feinden erklärt hat. Geben wir es zu: Zu bombardieren und dann die Türen der eigenen Stadien zu öffnen, sorgt für einige Verlegenheit. Um General Carl von Clausewitz zu paraphrasieren: Sport ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln."

    CHINA DAILY - Peking, China (Gastkommentar)

    "Die dominierenden Fußballnationen sind durch ein Netzwerk miteinander verbunden. In Europa grenzen diese Länder alle aneinander, und Ideen bewegen sich frei über nationale Grenzen hinweg. Innovationen, die in einem Teil Europas entstehen, verbreiten sich schnell im Rest des Kontinents. Brasilien und Argentinien verfügen über ein ähnliches Netzwerk und sind zudem durch historische Verbindungen zu Portugal, Spanien und Italien mit Europa verflochten. Es ist auffällig, dass sowohl die USA als auch China, die mittlerweile in fast allen anderen Bereichen um die Rolle als weltweit wichtige Akteure wetteifern, die Vorherrschaft der alten Fußballnationen nicht erschüttern konnten. Für diese Länder gibt es zwei Wege, um im Fußball auf höchstem Niveau mitzuspielen. Der eine besteht darin, sich dem bestehenden Netzwerk anzuschließen – was geografisch gesehen eine Belastung darstellt. Der andere besteht darin, eigene Netzwerke aufzubauen. Dies ist zwar der wahrscheinlichste Weg, hat sich jedoch bislang als eine zu hohe Hürde erwiesen."
    Diese Nachricht wurde am 11.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.