
Ungewöhnlich sei, dass hier die Sexualität und der Missbrauch von Mädchen und Frauen so sehr im Mittelpunkt gestanden hätten. Normalerweise würden elitäre Netzwerke vor allem auf Geld, Macht und wechselseitigen Abhängigkeiten beruhen, sagte Hartmann. Ebenfalls ungewöhnlich sei, dass es sich um ein stark personenbezogenes Netzwerk gehandelt habe. Epstein habe als einzelne Figur im Kern gestanden; ohne ihn sei das gesamte Netzwerk praktisch wertlos gewesen.
Dass die Machenschaften von Epstein nicht früher aufgedeckt wurden, liege daran, dass neue Mitglieder in solchen Elitenetzwerken über Bürgschaften eingeführt würden. Bestehende Mitglieder würden für die Zuverlässigkeit neuer Mitglieder einstehen und das Netzwerk damit nach außen abschotten. Für den Schutz des Netzwerks würden die Mitglieder zudem ihr Geld und ihren Einfluss geltend machen, um Verfahren zu bremsen oder Urteile zu mildern. So habe man beim ersten Missbrauchsurteil gegen Epstein sehen können, dass dieses sehr mild ausgefallen sei und im Hintergrund darauf gedrängt worden sei, das Verfahren möglichst schnell zu beenden.
Hartmann erklärte, ein solches Verhalten sein schädlich für das Vertrauen in Demokratie und Institutionen. Es führe zu dem Eindruck, dass für Eliten andere Regeln gelten würden.
Diese Nachricht wurde am 07.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
