Debatte um Wasser
Soziologe: "Knappheit hat auch immer etwas mit Regulierung zu tun"

Vor dem Hintergrund der Debatte um den Wasserverbrauch beobachtet der Soziologe Stephan Lorenz eine gesellschaftliche Veränderung. Seit einigen Jahren machten die Menschen regelmäßig im Sommer Erfahrungen mit Hitze und Trockenheit, sagte Lorenz im Deutschlandfunk. Dies habe zu einem veränderten Bewusstsein geführt, auch politisch.

    So gebe es inzwischen eine nationale Wasserstrategie und ein Informationssystem für Niedrigwasser, erläuterte Lorenz. Er sieht nicht alleine den Klimawandel als Ursache: "Knappheit hat auch immer etwas mit Regulierung zu tun". Es gehe um ökonomische Fragen. "Flächenversiegelung spielt eine Rolle oder die Schadstoffbelastung. Wenn Wasser mit Nitraten belastet ist, kann man es eben nicht als Trinkwasser nutzen."
    Weil Wasser ein so grundlegendes Thema ist, verweist der Soziologe auf viele verschiedene Themenfelder, wo Probleme oder Konflikte auftauchen könnten. Als Beispiel nannte er die Be- und Entwässerung in der Landwirtschaft. "In den Städten spielt die Trinkwasser- aber auch die Nutzwasserversorgung eine große Rolle, auch von Industrien." Zudem werde Energie mit Wasser gewonnen. "Andererseits braucht man in den fossilen Energiewirtschaften viel Wasser zum Kühlen." Das alles müsse berücksichtigt werden.

    Lorenz: Preisentwicklung entscheidend

    Nach Einschätzung von Lorenz könnte in Zukunft der Preis ein entscheidender Faktor sein, der das Nutzungsverhalten beeinflusst. Wasser sei bisher nicht sehr teuer. "Aber wenn es teurer wird, dürfte auch das mehr und mehr eine Rolle spielen."
    Lorenz erforscht an der Universität in Jena unter anderem den Wasserverbrauch in deutschen Haushalten.
    Diese Nachricht wurde am 19.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.