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Spitzensportförderung
Auf der Suche nach einem effizienteren System

Der Sportausschuss des Bundestages hat sich mit der Spitzensportförderung befasst. Dabei äußerten die Sportverbände viel Kritik: Deutschland habe international den Anschluss verloren - bei Investitionen und sportlichen Ergebnissen. Doch es gibt ein Land, das immer wieder als Vorbild für eine effektive Spitzensportförderung genannt wird.

Von Robert Kempe | 13.10.2014

    Eine leere rote Laufbahn auf einem Sportfeld
    Als Vorbild für eine effektive Spitzensportförderung wird derzeit immer wieder Großbritannien genannt. (picture alliance / dpa / Romain Fellens)
    Die Debatte über die Sportförderung ist nicht neu. Viele von den Problemen, die diskutiert wurden, sind lange bekannt. Zum Beispiel das der unterfinanzierten Trainer. Mit dem Schlagwort "Traineroffensive" etwa wirbt der DOSB seit Jahren. In der Anhörung wurde deutlich, dass das ein leeres Schlagwort ist.
    So kritisierte Wolfgang Maier, Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes, dass die Stellung der Trainer weiterhin mangelhaft sei. Deutschland habe international den Anschluss verloren. Auch bei den Investitionen und den sportlichen Ergebnissen sei Deutschland abgehängt.
    "Weil die Systeme einfach überarbeitet gehören, weil einfach nicht genug Geld in Sport reingeht - also zur Förderung des Sports. Weil man in vielen Dingen zwar gute strukturelle Ideen hatte, aber die Umsetzungen einfach nicht entsprechend gut sind. Weil einfach direkt beim Sportler und bei den Trainern zu wenig ankommt was möglich wäre."
    Man müsse entweder den Erfolgsanspruch herabsetzen oder die Förderung des Spitzensports erhöhen, erklärte Christoph Niessen, Vorstandsvorsitzender des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen. Niessen regte eine neue vertragliche Grundlage für die Steuerung des Spitzensports an. Diese müsse effizienter werden.
    "Wenn Deutschland im Spitzensport wieder erfolgreicher werden will, als es bisher ist, dann bedarf es einfach eines viel stärker unternehmerisch ausgerichteten Leistungssportsystems, als wir es bisher haben. Wir haben eine Zersplitterung von Zuständigkeiten im Spitzensport in Deutschland. Die können wir aus meiner Sicht nur auflösen durch einen Kraftakt. Ein solches Bund-Länder-Abkommen zum Spitzensport zwischen Bund, Ländern, DOSB und Landessportbünden wäre ein solcher Kraftakt."
    Großbritannien als Vorbild
    Als Vorbild für eine effektive Spitzensportförderung wird derzeit immer wieder Großbritannien genannt. In einem olympischen Zyklus - also innerhalb von vier Jahren - steuert UK-Sports mehrere hundert Millionen Euro bei. Bis zu den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio etwa 440 Millionen Euro. Ein Drittel der Gelder kommen von der Regierung und zwei Drittel steuert eine Lotterie bei.
    Gefördert werden nur Sportarten die Medaillen versprechen. Aber auch gut 1.200 Sportler erhalten finanzielle Zuwendungen, so Liz Nicholl von UK-Sports.
    "Wenn sie zu den Top-Drei der Welt gehören, erhalten sie bis zu 28.000 Pfund - also 35.000 Euro jährlich. Wenn sie nicht ganz so gut sind, gibt es etwas weniger. Der Großteil des Geldes aber geht an den Sport, der finanziert damit Trainer, Sportwissenschaftler, die Kosten für Wettbewerbe und die Trainingslager für die Athleten. Es geht darum das größtmögliche Medaillenpotenzial rauszuholen"
    Zum Vergleich: In Deutschland kann ein Spitzensportler maximal 1.500 Euro monatlich von der Sporthilfe als Unterstützung erwarten. Die Stiftung fördert insgesamt aber dreimal so viele Athleten.
    Doch auch das könnte sich bald ändern. Das Bundesinnenministerium hat bereits angekündigt, die Sportförderung zu reformieren. Derzeit tagt eine Arbeitsgruppe. Denkbar ist, dass auch in Deutschland bald nur noch Sportarten gefördert werden, die Medaillen versprechen.