Freitag, 07. Oktober 2022

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Spitzensportreform
Bundesländer treten auf die Bremse

Dem Deutschen Olympischen Sportbund dürften die Beschlüsse der Sportreferenten-Konferenz nicht alle gefallen. Die Referenten machten deutlich, dass die Länder nach wie vor die Reform zwar mittragen, aber nicht um jeden Preis. Und sie wollen mitgestalten.

Von Bianka Schreiber-Rietig | 06.07.2017

    Eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Rio 2016.
    Mehr Gold. Das Ziel der Spitzensportreform ist klar. (imago sportfotodienst)
    Die Sportreferenten der Länder tagten im saarländischen Nohfelden-Bosen. Im Anschluss des Treffens der Spitzenverbände in Berlin stand auch bei der 161. Sportreferenten-Konferenz die Spitzensportreform im Mittelpunkt.
    Kritik übten die Experten zunächst an dem geplanten Zeitablauf. In den ersten beiden August-Wochen soll auf Wunsch des Bundesinnenministeriums die Neuanerkennung der Bundesstützpunkte abgeschlossen sein. Dies sei aber aus Sicht der Länder nicht zu realisieren, so die Referenten. Die fordern nun ihre Vertreter in der Bund-Länder-Arbeitsgruppe auf, eine "realistische Zeitschiene zu vereinbaren." Somit gerät man nicht nur wegen des doch intensiver veranschlagten Zeitplans der Potenzialanalyse-Kommission weiter in Verzug.
    Länder richten Recht auf Stützpunkterhaltung ein
    Auch das Stützpunkt-System war Thema. Auf der im Reformpapier festgelegten 20 Prozent Reduzierung der 204 Bundesstützpunkte beharren die Politiker weiter. Sie gehen davon aus, dass am Ende etwa 165 Bundesstützpunkte übrig bleiben werden.
    Bei dem Wegfall eines Stützpunktes, soll es allerdings eine Option geben: In Abstimmung mit dem jeweiligen Spitzen- und Landesverband, können Landesstützpunkte für Nachwuchsleistungssport erhalten oder neu eingerichtet werden – Art und Umfang ist dann aber alleinige Länderentscheidung
    In diesem Zusammenhang ist auch eine klare Aussage zur Trainerfinanzierung in dem Beschlusspapier zu finden. Die Länder wollen auf keinen Fall als finanzieller Lückenbüßer einspringen, wenn ein Bundesstützpunkt aufgelöst wird. Eine generelle Übernahme wegfallender Bundesmittel bei der Trainermischfinan-zierungen lehnen sie kategorisch ab.
    Reform dauert länger
    Ein "Nein" auch zu der Idee des Deutschen Olympischen Sportbundes, eine neue Stützpunkt-Kategorie zu etablieren. Der möchte nämlich Schließungen durch das bundeseinheitliche Strukturelement "Landesstützpunkt mit besonderem Förderinteresse" einführen. Kritiker sehen dieses Ansinnen als eine Art Mogelpackung: Alles bleibt wie es ist, nur in einer neuen Verpackung.
    Ob die Länder am Ende wirklich an einem Strang ziehen werden, oder wie bisher ihr jeweils eigenes Ding durchziehen, bleibt abzuwarten. Fest steht - und nach dieser Sportreferenten-Konferenz wird das noch deutlicher: So schnell wie die Reform-Macher in DOSB und BMI sich die Umsetzung der Reform vorgestellt haben, wird es nicht gehen.