Sonntag, 22. Mai 2022

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Sportförderung
"Nicht nur auf den Leistungssport konzentrieren"

Martin Engelhardt freut sich mit den Rodlern über deren Medaillen - auch wenn sein Verband zwar mehr Mitglieder hat, aber weniger Fördergelder bekommt. Der Präsident der Deutschen Triathlon Union kritisierte im Dlf aber, dass die deutsche Sportpolitik zu einseitig den Leistungssport fördert.

Martin Engelhardt im Gespräch mit Marina Schweizer | 18.02.2018

Martin Engelhardt ist Präsident der Deutschen Triathlon Union.
Martin Engelhardt ist Präsident der Deutschen Triathlon Union. (Deutschlandfunk / Jessica Sturmberg)
Martin Engelhardts Verband, die Deutsche Triathlon Union (DTU), hat achtmal so viele Mitglieder wie der deutsche Bob- und Schlittenverband - bekommt aber an Fördergeldern vom Staat nur rund ein Viertel von dem, was den Rodlern und Bobfahrern zur Verfügung steht.
Diese Tatsache dürfe jedoch "nicht dazu führen, dass wir uns gegeneinander aufwiegeln lassen", sagte er in der Sendung "Sport am Sonntag".
"Wir brauchen eine umfassende Sportreform"
Engelhardts Kritik zielt tiefer, ist grundsätzlicher: In Deutschland konzentriere sich die Sportpolitik zu sehr auf den Leistungssport - anstatt ein umfassendes Sportkonzept vorzulegen. "Es geht vielmehr darum", so Engelhardt, "dass wir die Bedeutung des Sports für unsere Gesellschaft mehr in den Mittelpunkt bekommen."
Dem DTU-Präsidenten und Mediziner geht es um Wertevermittlung durch den Sport, um seine positive Auswirkung auf die Gesundheit aller Bürgerinnen und Bürger, um Integration, die durch Sport gefördert werden könne: "Deswegen brauchen wir eine umfassende Sportreform in unserem Land."
Dass mit der lange diskutierten Leistungssportreform langfristig und stabil mehr Erfolg im internationalen Vergleich generiert werden kann, glaubt Martin Engelhardt nicht: "Das ist ein großer Trugschluss."
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.