Die Türkin wohnt seit 13 Jahren in Berlin Neukölln. Ihr Mann hat Germanistik studiert und arbeitet als Dolmetscher, ihr eigenes Leben aber war bisher auf ein überwiegend türkischsprachiges Umfeld von Verwandten und Freunden gleichfalls türkischer Herkunft begrenzt.
Für Leben besser in Berlin muss man deutsch sprechen.
Fünfzehn Frauen, mehrheitlich aus der Türkei stammend, aber auch aus Asien oder Osteuropa, sitzen in einem Klassenraum in der Rixdorfer Grundschule, vor sich die ausgeschlagenen Deutschbücher.
Das Thema der Lektion: Adjektive. Wir haben hier einen Test zum Thema "Wie tolerant sind sie?" mit Bildern und wählen die Antwort dazu.
Volkshochschullehrerin Eva Bialska lässt ihre Schülerinnen die Aufgabenstellung wiederholen
Wir lesen und kreuzen richtige Buchstabe. Und danach verstehen wir besser. Neue Wörter und Grammatik.
Der Unterricht macht den Anwesenden sichtlich Spaß – denn sie sind unter sich. Die Kurse, für die ein Obolus von 30 Euro pro Trimester entrichtet werden muss, sind ganz bewusst ausschließlich Frauen vorbehalten, wie Fachbereichsleiter Jochen Mainka von der Volkshochschule erklärt:
Es gibt auch Kurse, an denen die Ehemänner teilnehmen, aber bei uns nicht, wir haben nur gleichgeschlechtliche Kurse. Und viel läuft hier über Mundzumundpropaganda, so füllen die Kurse sich.
Autorität im Kurs hat offenkundig nicht nur die Lehrerin, sondern auch eine ältere türkische Teilnehmerin – seit 19 Jahren lebt sie in Berlin – und wie alt sie wirklich ist, hat sie bei ihrer Einschreibung gar nicht gern offenbart:
Habe gesagt, 56 Jahre, aber ich habe mehr…, wie viele, habe ich nicht gesagt.
Lachend setzt sie ihre Brille ab, ohne dass ihr Kopftuch auch nur einen Millimeter verrücken würde.
Früher ich war in der Schule. Aber nur ein bisschen auswendig gelernt. Aber soviel nicht gelernt. ich möchte gern kommen. Meine Familie in Deutschland. Drei Söhne studieren, die Tochter ist verheiratet. Und hier ist meine zweite Heimat und das ist gut für mich.
Dass sie die Sprache ihrer zweiten Heimat erst jetzt erlernt, hat damit zu tun, dass sich ihr Mann einst nicht so in die Kindererziehung einspannen ließ, wie der Ehemann ihrer jungen polnischen Mitschülerin:
Wir haben ein kleines Kind. Mein Mann muss zu Hause bleiben, mit dem Kind.
Um auch den Müttern von Kleinkindern die Teilnahme am Deutschkurs zu ermöglichen, wird parallel zu den Kursen eine kostenlose Kleinkinderbetreuung angeboten – mit sichtbarem Erfolg, wie Marion Berning, Schulleiterin der Rixdorfer Grundschule, an ihren Erstklässlern beobachtet
Ich bin zu Anfang belächelt worden. Aber nicht hier in Neukölln. Der Erfolg war dann, dass auch die Kinder stolz auf ihre Mütter sind. Und die Kinder auch mehr motiviert werden, selbst deutsch zu lernen. Für diese Frauen heißt das, sie machen auch Hausaufgaben mit den Kindern. Der Erfolg ist, die Mütter haben ein besseres Selbstwertgefühl, und die schulischen Leistungen der Kinder verbessern sich.
Auch wenn die Kurse für die fremdsprachigen Mütter in der Regel gut besucht sind – ein Grundproblem der Schulen bleibt: Die Migrantenkinder erlernen vielfach viel zu spät die Sprache, in der sie zum Schuleintritt unterrichtet werden sollen
Das ist ja allgemein bekannt, dass die Kinder im Kita-Alter lernen. Das sieht die Kita-Regelung auch vor, aber Papier ist geduldig. Vor allem Hochglanzbroschüren.
Für Leben besser in Berlin muss man deutsch sprechen.
Fünfzehn Frauen, mehrheitlich aus der Türkei stammend, aber auch aus Asien oder Osteuropa, sitzen in einem Klassenraum in der Rixdorfer Grundschule, vor sich die ausgeschlagenen Deutschbücher.
Das Thema der Lektion: Adjektive. Wir haben hier einen Test zum Thema "Wie tolerant sind sie?" mit Bildern und wählen die Antwort dazu.
Volkshochschullehrerin Eva Bialska lässt ihre Schülerinnen die Aufgabenstellung wiederholen
Wir lesen und kreuzen richtige Buchstabe. Und danach verstehen wir besser. Neue Wörter und Grammatik.
Der Unterricht macht den Anwesenden sichtlich Spaß – denn sie sind unter sich. Die Kurse, für die ein Obolus von 30 Euro pro Trimester entrichtet werden muss, sind ganz bewusst ausschließlich Frauen vorbehalten, wie Fachbereichsleiter Jochen Mainka von der Volkshochschule erklärt:
Es gibt auch Kurse, an denen die Ehemänner teilnehmen, aber bei uns nicht, wir haben nur gleichgeschlechtliche Kurse. Und viel läuft hier über Mundzumundpropaganda, so füllen die Kurse sich.
Autorität im Kurs hat offenkundig nicht nur die Lehrerin, sondern auch eine ältere türkische Teilnehmerin – seit 19 Jahren lebt sie in Berlin – und wie alt sie wirklich ist, hat sie bei ihrer Einschreibung gar nicht gern offenbart:
Habe gesagt, 56 Jahre, aber ich habe mehr…, wie viele, habe ich nicht gesagt.
Lachend setzt sie ihre Brille ab, ohne dass ihr Kopftuch auch nur einen Millimeter verrücken würde.
Früher ich war in der Schule. Aber nur ein bisschen auswendig gelernt. Aber soviel nicht gelernt. ich möchte gern kommen. Meine Familie in Deutschland. Drei Söhne studieren, die Tochter ist verheiratet. Und hier ist meine zweite Heimat und das ist gut für mich.
Dass sie die Sprache ihrer zweiten Heimat erst jetzt erlernt, hat damit zu tun, dass sich ihr Mann einst nicht so in die Kindererziehung einspannen ließ, wie der Ehemann ihrer jungen polnischen Mitschülerin:
Wir haben ein kleines Kind. Mein Mann muss zu Hause bleiben, mit dem Kind.
Um auch den Müttern von Kleinkindern die Teilnahme am Deutschkurs zu ermöglichen, wird parallel zu den Kursen eine kostenlose Kleinkinderbetreuung angeboten – mit sichtbarem Erfolg, wie Marion Berning, Schulleiterin der Rixdorfer Grundschule, an ihren Erstklässlern beobachtet
Ich bin zu Anfang belächelt worden. Aber nicht hier in Neukölln. Der Erfolg war dann, dass auch die Kinder stolz auf ihre Mütter sind. Und die Kinder auch mehr motiviert werden, selbst deutsch zu lernen. Für diese Frauen heißt das, sie machen auch Hausaufgaben mit den Kindern. Der Erfolg ist, die Mütter haben ein besseres Selbstwertgefühl, und die schulischen Leistungen der Kinder verbessern sich.
Auch wenn die Kurse für die fremdsprachigen Mütter in der Regel gut besucht sind – ein Grundproblem der Schulen bleibt: Die Migrantenkinder erlernen vielfach viel zu spät die Sprache, in der sie zum Schuleintritt unterrichtet werden sollen
Das ist ja allgemein bekannt, dass die Kinder im Kita-Alter lernen. Das sieht die Kita-Regelung auch vor, aber Papier ist geduldig. Vor allem Hochglanzbroschüren.