Archiv


Strategisch unerlässlich?

Was Erneuerbare Energien zur Versorgungssicherheit betragen können, wurde hierzulande bislang eher unter Wissenschaftlern und Umweltpolitikern diskutiert. Mit den Umstürzen in Nordafrika gerät das Thema auch in den Fokus von Sicherheitsexperten.

Von Dieter Nürnberger |
    Die Ereignisse in den Maghrebstaaten – die dortige politische Unsicherheit – haben auf jeden Fall die Sensibilität für das Thema Energie und Versorgungssicherheit gestärkt. Denn gerade Deutschland ist ja sehr stark von Energieimporten abhängig. Da reicht schon ein flüchtiger Blick auf die Statistiken, um dies zu verdeutlichen.

    Hierzulande muss beispielsweise 97 Prozent des Erdöls aus anderen Ländern bezogen werden, die Importquote bei Erdgas liegt bei über 80 Prozent, bei der Steinkohle sind es über 70 Prozent. Das kostet zum einen viel Geld, mache aber gleichzeitig ein weiteres Problem deutlich – die Abhängigkeit von bestimmten Ländern oder Regionen in der Welt. Friedbert Pflüger war früher parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, heute ist er Direktor an einem britischen Institut, welches sich mit Ressourcensicherheit beschäftigt:

    "Stellen Sie sich vor, die Unruhen in Nordafrika halten an, oder werden sogar noch bis Saudi-Arabien getragen – was dies für die Entwicklung des Ölpreises bedeutet, generell für die Entwicklung der Weltkonjunktur. Es gibt aber noch weitere Risiken. Es gibt damit verbunden Risiken bei den Energietransportwegen. Es gibt das Risiko, bei großer Abhängigkeit von einem Energieträger, erpressbar zu werden. Deswegen ist Diversifizierung, Ausbau von dezentralen und erneuerbaren Energien absolut notwendig. Das gilt auch für Investitionen in Energieeffizienz oder in Energieeinsparungen. Nur so können solche Abhängigkeiten zumindest verringert werden."

    Friedbert Pflüger liefert somit in seiner Analyse auch gleich ein paar Lösungsansätze mit. Eine künftige Energieversorgung unter dem Aspekt Versorgungssicherheit müsse die Punkte Dezentral und Effizienz stärker als bisher berücksichtigen. Die Abhängigkeit in Energiefragen verursache ein erhöhtes Risiko und angesichts einer weiterhin wachsenden Weltbevölkerung und einer damit wachsenden Nachfrage werde das Problem künftig auch nicht geringer werden.

    In der Vergangenheit wurde das Thema Energieversorgung und Versorgungssicherheit eher nur unter Wissenschaftlern diskutiert. Das scheint sich nun langsam zu ändern. Dennis Tänzler ist für das Politikberatungsinstitut "adelphi" tätig. Hier hat man schon vor Jahren begonnen, diese Problematik aufzuzeigen. Die Politik müsse umdenken, sagt Tänzler.

    "Sie muss den Aspekt der Versorgungssicherheit bei allen mittel- und langfristigen Energiekonzepten im Blick haben. Das passiert zum Teil, oft aber auch nur auf nationaler Ebene, und leider nicht global ausgerichtet."

    Global ausgerichtet heißt dies, dass Energiekonzepte auf nationaler Ebene nicht nur die gewünschten Energiequellen nennen sollten, sondern darüber hinaus auch stets den Bezug dieser Energieform in Betracht ziehen. Woher und wie teuer? – als Beispiel.

    Und je dezentraler die Energie gewonnen werde, desto besser. Heute Vormittag war auch ein Vertreter der Bundeswehr anwesend. Hier habe ebenso ein Umbau in der Energieversorgung begonnen – hin zu erneuerbaren Energien. Etwa so, dass eine Kaserne allein durch die Nutzung von Geothermie mit Wärme versorgt werden kann. Markus Bublat von der Wehrbereichsverwaltung Süd:

    "Wir haben überwiegend festgestellt, dass wir erneuerbare Energien sogar günstiger bekommen können. Über ein entsprechendes Ausschreibungsverfahren. Der Markt ist, da setzen sich die erneuerbaren Energien durch. Auch dieses genannte Geothermie-Projekt – das wird nach ersten Berechnungen ungefähr 480.000 Euro pro Jahr an Betriebskosten einsparen."

    Für die Experten werden also die erneuerbaren Energien immer attraktiver. Nicht nur unter finanziellen oder ökologischen Aspekten, sondern eben auch unter dem Punkt der Versorgungssicherheit.