Archiv

Streit um EuropacupFIBA droht mit Ausschluss von EM und Olympia

Der Machtkampf im europäischen Basketball beschäftigt jetzt auch die deutsche Bundesliga. Nachdem acht Verbände wegen ihrer Zusage für den zweitklassigen Eurocup vom Dachverband FIBA Europe vorläufig gesperrt wurden, berieten Klubs und Liga bis gestern hierzulande, wie sie sich in dem Streit verhalten sollen. Eine endgültige Entscheidung wurde dabei aber vermieden.

Von Thilo Neumann | 20.04.2016

Hände recken sich unter einem Basketballkorb nach dem Ball.
In den letzten beiden Tagen waren Vertreter von Liga und Vereinen in Gießen zusammengekommen. Ihr Ziel: Eine Grundsatzentscheidung, ob deutsche Klubs ab der kommenden Saison im Eurocup starten sollen, dem momentan zweithöchsten europäischen Vereinswettbewerb. Ein Entschluss hätte wohlmöglich weitreichende Konsequenzen – denn der europäische Dachverband FIBA Europe möchte den Wettbewerb abschaffen und durch die eigene "Champions League" ersetzen. Letzte Woche sperrte FIBA Europe deshalb acht Verbände, die ihre Eurocup-Zusage bereits gegeben haben, und drohte sechs weiteren mit ähnlichen Sanktionen, sollten sie mit dem Eurocup-Veranstalter Euroleague eine Vereinbarung eingehen.
In Gießen wollte man sich nicht festlegen, für den Moment zumindest. BBL-Geschäftsführer Stefan Holz:
"Wir haben die Entscheidung gefällt, nach wie vor abzuwarten, weil: Die Situation ist für uns in der spezifischen Situation der BBL momentan nicht lösbar. Da stehen sich zwei Angebote gegenüber, die sich nicht verbinden lassen. Die Situation ist momentan einfach nicht zu lösen."
Heißt: Kein klares Bekenntnis gegen den Eurocup, aber auch keins dafür. Die BBL spielt auf Zeit. Stefan Holz, der regelmäßig mit seinen Amtskollegen in anderen europäischen Ligen telefoniert, sagt:
"Möglicherweise ist der ein oder andere durchaus der Meinung, dass er sich vorschnell auf die ein oder andere Seite geschlagen hat und jetzt sehen muss, wie er mit der Situation zu Recht kommt."
Worin liegt der Grund für die momentane Zurückhaltung?
Die FIBA droht den Verbänden mit Ausschluss von der nächsten Europameisterschaft, auch die Olympiateilnahme steht zur Disposition. Am heutigen Mittwoch läuft eine Frist ab, bis zu der sich die angeschriebenen Verbände erklären sollten. Der Ausgang ist offen, doch BBL-Geschäftsführer Holz ist zuversichtlich, dass es bald zu einer Lösung kommen wird.
"Der Rauch wird sich verziehen. Jetzt haben wir erstmal eine Zuspitzung, das ist ja auch manchmal ganz gut. Wir machen das erstmal nicht mit, wir treten einen Schritt zurück und haben eine seriöse, selbstbewusste Position, schauen uns das an. Nur momentan sind wir weder in der Lage noch willens, uns da zu committen."
Bei einer Olympiasperre für andere Verbände könnte auch der Deutsche Basketball-Bund noch eine Chance auf die Spiele in Rio bekommen. Vielleicht ist dies ein Grund für die momentane Zurückhaltung der BBL.