Klimaschutz
Studie: Dieselbusse umrüsten statt ersetzen

Die Elektrifizierung des europäischen Busverkehrs ließe sich laut einer Schweizer Studie deutlich beschleunigen, wenn bestehende Fahrzeuge umgerüstet würden.So könnte die Umstellung etwa 15 Jahre früher erfolgen - bei gleichzeitig geringeren Emissionen, weniger Rohstoffverbrauch und niedrigeren Kosten, wie die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) mitteilte.

    Ein Bus an einer Haltestelle in Berlin. Neben dem Bus läuft eine kleine Gruppe von Jugendlichen über den Bürgersteig.
    Ein Bus an einer Haltestelle in Berlin (Archivbild). (picture alliance / Andreas Gora / Andreas Gora)
    Den Forschenden zufolge gibt es bereits Firmen, die das sogenannte "E-Retrofit" für Diesel- und Benzinfahrzeuge anbieten. Das Verfahren und die benötigten Bauteile könnten standardisiert werden. Um aus einem Dieselbus einen Elektrobus zu machen, müsse man im Wesentlichen den Motor und das Getriebe ersetzen, schreiben die Autoren. Statt Auspuff und Dieseltank würden Batterien montiert. Hilfsantriebe etwa für die Bremsen und die Lenkunterstützung können demnach leicht auf kleine E-Motore umgestellt werden.

    Schneller Umbau in wenigen Tagen

    Mit standardisierten "Retrofit-Kits" würde ein einzelner Umbau nur wenige Tage dauern, betonen die Forschenden. Die Elektrifizierung der Flotte könnte damit ohne grosse Auswirkungen auf den laufenden Betrieb stattfinden. Die ausgebauten Teile bestehen größtenteils aus Stahl und Aluminium und lassen sich recyceln. Besonders bei Bussen sei eine Umrüstung einfacher, da es - anders als beim PKW - nicht so viele Modelltypen gebe. Auch die Busbetreiber könnten demnach Kosten sparen und ihr Angebot ausbauen, ohne zusätzliche Infrastruktur schaffen zu müssen.

    Ausrangierte Dieselbusse weiter im Ausland unterwegs

    Laut Studie beträgt die durchschnittliche Lebensdauer eines Dieselbusses in Europa rund 20 Jahre. Die ausgedienten Fahrzeuge werden danach meist an andere Länder im EU-Ausland verkauft, wo sie noch viele Jahrzehnte weiterfahren und Emissionen verursachen. Das sei keine nachhaltige Lösung. Die Umrüstung selbst verursacht rund 20 bis 50 Prozent weniger Umweltauswirkungen pro Bus als die Produktion eines neuen Fahrzeugs.
    Bisher verläuft der Umstieg den Forschenden zufolge recht langsam. 2023 waren nur knapp drei Prozent aller Busse auf europäischen Straßen elektrisch unterwegs.
    Diese Nachricht wurde am 30.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.