Meeresgeologie
Studie: Kommerzielle Schifffahrt in der Ostsee hat Auswirkungen auf Meeresboden

Der kommerzielle Schiffsverkehr greift in der Ostsee erheblich in das System aus Wassersäule und Meeresboden ein. Grund sind die Kielwasser-Verwirbelungen großer Schiffe, wie eine Studie des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zeigt.

    Die Fährschiffe «Skåne» (l) der Reederei Stena Line und «Huckleberry Finn» der Reederei TT-Line fahren vom Überseehafen Rostock kommend auf die Ostsee hinaus in Richtung Skandinavien.
    Eine aktuelle Studie geht der Frage nach, ob und wie Schiffe auch als mechanischer Störfaktor wirken. (picture alliance / dpa / Bernd Wüstneck)
    Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift ”Nature Communications” publiziert. Den Autoren zufolge wurde bislang vor allem der Einfluss des Schiffsverkehrs in Bezug auf Emissionen, Lärm und das Risiko von Havarien diskutiert. Mit der aktuellen Studie sei man der Frage nachgegangen, ob und wie die Schiffe auch als mechanischer Störfaktor wirkten.

    Auswirkungen am Meeresboden deutlich

    Besonders deutlich zeigten sich die Auswirkungen des Schiffsverkehrs am Meeresboden. Die Forscher erfassten Tausende, meist kleinräumige Vertiefungen im Untersuchungsgebiet, vor allem im Umfeld größerer Steine. Die durch Schiffsschrauben erzeugten Schubspannungen hätten regelmäßig die Schwellenwerte überschritten, ab denen Sediment in Bewegung gerate – in einzelnen Fällen über Streifen von bis zu 60 Metern Breite entlang der Fahrtrichtung. 

    Weitreichende Folgen für Ökosysteme

    Die beobachteten Prozesse haben den Autoren der Studie zufolge potenziell weitreichende Folgen für marine Ökosysteme. Die Durchmischung der Wassersäule beeinflusse den Austausch von Sauerstoff, Nährstoffen sowie gelösten Spurenelementen zwischen Oberflächen- und Bodenwasser. Gleichzeitig führe die Erosion des Meeresbodens zur Mobilisierung von Sedimenten, die organisches Material sowie gebundene Schad- und Nährstoffe enthalten könnten.
    Diese Nachricht wurde am 11.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.