Donnerstag, 18. April 2024

Historische Parlamentsentscheidung
Südkorea verbietet Schlachtung von Hunden und schafft damit eine alte Tradition ab

In Südkorea ist es künftig verboten, Hunde für den Verzehr zu schlachten. Damit geht eine jahrhundertealte Tradition in dem asiatischen Land zu Ende, über die schon seit langem diskutiert wird. Zuletzt hatten die Widerstände in der Gesellschaft gegen das Fleischprodukt deutlich zugenommen. Züchter wollen jedoch gegen das Gesetz vor das Verfassungsgericht ziehen.

21.01.2024
    Südkorea: Frontansicht der Gukhoe Nationalversammlung (Parlament) in Seoul.
    Südkorea verbietet den Verzehr von Hundefleisch. Die Entscheidung im Parlament war eindeutig. (Daniel Kalker/dpa)
    Die Abgeordneten des Parlaments in Seoul billigten in einem historischen Votum das Gesetz mit 208 zu 0 Stimmen ein Sondergesetz, das auch die Zucht der Tiere zur Fleischproduktion unter Strafandrohung verbietet. Zudem wird dem Vertrieb und Verkauf von Nahrungsmitteln mit Hundebestandteilen ein gesetzlicher Riegel vorgeschoben. Im Fall einer Schlachtung von Hunden droht künftig eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe von umgerechnet bis zu 20.000 Euro. Zucht und Verkauf können bald ebenfalls mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder Geldstrafen geahndet werden.
    Die jetzige Regelung sieht eine dreijährige Übergangszeit vor, bis das Gesetz vollstreckt werden kann. Damit es in Kraft tritt, muss es noch von Präsident Yoon Suk Yeol unterzeichnet werden. Seine Zustimmung gilt als Formsache.

    Über 1.000 Hundefarmen im Land

    Der Verzehr von Hundefleisch hat eine lange Tradition in der südkoreanischen Küche. Pro Jahr wurden zuletzt bis zu eine Million auf speziellen Farmen aufgezogene Tiere für den Verzehr getötet. Nach offiziellen Statistiken gibt es etwa 1.150 solcher Hundefarmen, wo die Tiere meist in engen Käfigen gehalten werden. Schilderungen und heimliche Aufnahmen von Schlachtungen sowie von Transporten der Tiere mit zugebundenen Schnauzen und gefesselten Gliedaßen sorgen immer wieder für Schrecken.
    Hund kommt in Korea vor allem als Grillfleisch oder Suppe auf den Tisch. Landesweit wird es auch in Restaurants als Delikatesse angeboten. Der Verkauf des Fleischs befand sich 46 Jahre lang in einem rechtlichen Graubereich. Schon 1978 waren Hunde per Änderung des Lebensmittelgesetzes von der Liste landwirtschaftlicher Nutztiere gestrichen worden.

    Hundefleisch wird immer unpopulärer

    Mit dem Gesetz wird eine Praxis beendet, die in Südkorea in den vergangenen Jahren immer unpopulärer geworden ist. Vor allem in der jüngeren und urbanen Bevölkerung ist Hundefleisch mittlerweile ein Tabu. Auch viele Prominente und hochrangige Politik im Land hatten sich zuletzt dagegen gewandt. Die Debatte darüber läuft schon seit vielen Jahren. Jüngsten Umfragen zufolge isst es die Mehrheit der Südkoreaner zwar nicht mehr, jeder Dritte aber lehnt ein Verbot ab. Die Gegner der Praxis sorgten sich zuletzt vor dem schlechten Image im Ausland, das damit verbunden ist. Im Hintergrund der jetzigen Gesetzesinitiative sehen Beobachter aber auch die starke Zunahme der privaten Haushalte mit Haustieren und das wachsende Interesse an Tierrechten.
    Tierschützer begrüßten den Schritt. Die Leiterin der Organisation Humane Society International, Chae Jung An, meinte, dieser historische Sieg zeuge von der Leidenschaft und Entschlossenheit der Tierrechtsbewegung. Sie sei überglücklich, dass Südkorea nun dieses traurige Kapitel seiner Geschichte schließe und eine hundefreundliche Zukunft einleite.

    Nicht nur in Südkorea ein Brauch

    Zahlreiche Züchter der Schlachthunde argumentierten dagegen, dass der Hundefleischverzehr Teil einer langen Tradition Koreas sei. Der Koreanische Hundefleischverband hielt zuletzt mehrfach Protestkundgebungen gegen das Verbot ab. Die Mitglieder forderten einen Stopp des Gesetzes, weil es nach ihrer Meinung gegen Persönlichkeitsrechte verstoße - einschließlich des Rechts, zu wählen, was man essen wolle. Man werde einen Antrag gegen das Verbot beim Verfassungsgericht einreichen und weiterhin Protestkundgebungen abhalten, kündigten sie an. Für die Beschäftigen in der Hundefleischindustrie sieht das Gesetz Unterstützungsmaßnahmen vor, um den Übergang in neue Geschäftsbranchen zu schaffen.
    Nicht nur in Korea ist Hundefleisch seit Jahrhunderten Brauch. Auch in anderen Ländern Ostasien oder Afrikas landen Hunde und Katzen auf dem Essteller. Allerdings gibt es auch dort zunehmend Widerstände dagegen. Besonders umstritten sind sogenannten "Hundefleisch-Festivals". 1998 erließ Taiwan als erstes Land in Asien ein Verbot des Kaufs und Verzehrs von Hunde- und Katzenfleisch. Allerdings entwickelte sich zunächst ein Schwarzmarkt, der erst später mit weiteren Gesetzen eingedämmt wurde.

    Verschiedene Beweggründe für den Verzehr von Hunde und Katzen

    Geschichtlich betrachtet wurden auch auf anderen Kontinenten in früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden Hunde gegessen, wie archäologische Forschungen aus Nordamerika zeigen. Neben Vorstellungen von Kultur und Tradition gibt es weitere Beweggründe für die Praxis. Mitunter ist Hundefleisch einfach billiger als andere Fleischsorten. Einigen Menschen gilt Hundefleisch als gesund und als "Medizin", andere verbinden damit positive Eigenschaften, die durch den Verzehr auf sie übergehen, oder sie glauben daran, dass das Fleisch sie in kalten Jahreszeiten wärmen würde.
    Diese Nachricht wurde am 09.01.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.