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Thomas Demenga: Hosokawa – Bach – Yun

Die Verknüpfung verschiedener Komponistengenerationen prägt auch eine weitere Neuproduktion, die vor kurzem beim Label ECM erschienen ist. Hier konfrontiert der Schweizer Cellist Thomas Demenga Bachs Solosuiten mit Neuer Musik, ﷓ es handelt sich dabei um ein Projekt, das vor anderthalb Jahrzehnten begonnen wurde, ﷓ zu einem Zeitpunkt, da solcherlei Begegnung unterschiedlicher Klangwelten noch nicht selbstverständlich war. Die Wahl der Komponisten um Bach folgte dabei keinem festen Plan, ﷓ Demenga spricht von einem Spiegel persönlicher Vorlieben. Mit dem vorliegenden Doppelalbum ist die sechsteilige Edition nun abgeschlossen. Die Auseinandersetzung mit Bachs Suiten über einen längeren Zeitraum hat ihre Inspiration in dem holländischen Spezialisten für Originalklang Anner Bylsma. So entschied sich Demenga für immer wieder neue Wege der Annäherung an Bach. Aus der Suite Nr. 5 c-moll BWV 1011 hören Sie jetzt die 'Courante’, ﷓ es spielt Thomas Demenga, für die er übrigens das Manuskript der Lautenfassung Bachs zu Rate zog, weil sich hier überraschende Akkorde und Harmonisierungen finden. * Musikbeispiel: Johann Sebastian Bach - Courante aus: Suite Nr. 5 in c-moll für Violoncello solo BWV 1011 Zwischen den kulturellen Welten von Ost und West bewegt sich auch die kompositorische Handschrift des Japaners Tohio Hosokawa, der hierzulande vor wenigen Jahren mit der Uraufführung seiner Oper "Vision of Lear" für Aufsehen gesorgt hat. Eigenen Aussagen nach habe Hosokawa in seiner Heimat ein Gefühl für das Wesen eines Tons entwickelt, während er im Westen mit der Konstruktion von Tonzusammenhängen vertraut wurde. 1994 entsteht "In der Tiefe der Zeit" für Violoncello und Akkordeon, ein Werk das Hosokawa als "mythische Klanglandschaft beschreibt. Ein Landschaftsgemälde, bei dem es nicht darum geht, in Tönen zu malen, sondern darum, in jeden Ton, in jeden Klang tief hineinzuhören, ﷓vertikal die Landschaft des jeweiligen Klanges in all seinen Farben und Schattierungen zu ertasten. Darüber hinaus gestaltet sich die Komposition als Studie über die Entwicklung und Verwandlung von Klängen, die eine eigene Naturwelt jenseits der Realität erforschen will. Hosokawa spricht von hörbaren Tönen, die Unhörbares andeuten, ﷓ das Schweigen, den Tod, ﷓ das Unbewusste. In der "Tiefe der Zeit", hören Sie einen Ausschnitt daraus mit Teodoro Anzellotti, Akkordeon und Thomas Demenga, Violoncello. * Musikbeispiel: Toshio Hosokawa - aus: "In der Tiefe der Zeit" Zum Abschluss hören Sie noch einen Ausschnitt aus "Espace I" für Violoncello und Klavier des koreanischen Komponisten Ysang Yun. Seine Musik ist der östlichen Tradition teilweise stark verbunden, denn in der klassisch-romantischen Funktionsharmonik fühlte er sich nie zuhause. Vielmehr gruppiert Ysang Yun seine musikalischen Abläufe um die Klangfarbe eines Haupttones, der dann strukturbestimmend wird und Melodie, Rhythmus und Harmonie in den Hintergrund treten lässt. "Espace I", ﷓ein Stück, dessen Spannungskurve von einem einzigen Hauptton cis ausgeht, ﷓ alles sei in einem ständigen Wandel begriffen so Ysang Yun.

Yvonne Drynda |
    Vorgestellt wurden Ihnen heute Aufnahmen mit Klaviermusik u.a. von Tigran Mansurian, Michail Glinka und Valentin Silvestrov, ﷓ in einer Einspielung mit Alexei Lubimov . Mit dem Cellisten Thomas Demenga hörten sie außerdem Werke von J. S. Bach, Toshio Hosokaw und Ysang Yun. Beide Produktionen sind vor wenigen Wochen beim Label ECM New Series erschienen, ﷓ weitere Informationen hierzu können Sie auch im Internet unter http://www.ecmrecords.com abfragen. * Musikbeispiel: Ysang Yun - aus: Espaces I für Violoncello u. Klavier