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ThyssenkruppEssener Konzern garantiert Beschäftigung bis 2026

Eine Beschäftigungsgarantie bis September 2026: Das ist nur ein Ergebnis der Einigung zwischen Thyssenkrupp mit der Gewerkschaft IG Metall im Streit um die Fusion mit Tata Steel. Doch auch die anderen Eckpunkte können sich durchaus sehen lassen.

Von Jörg Marksteiner | 22.12.2017

Das Logo von ThyssenKrupp.
Bei der geplanten Fusion von Thyssenkrupp mit Tata Steel haben sich Konzernzentrale und die Gewerkschaft IG Metall auf Eckpunkte geeinigt (dpa/picture-alliance/Roland Weihrauch)
Vielleicht hat es schon ein klein wenig mit Inszenierung zu tun, dass sich Thyssenkrupp und die Arbeitnehmer ausgerechnet kurz vor Weihnachten geeinigt haben. Auch wenn Personalvorstand Oliver Burkhard das anders sieht:
"Weihnachten ist es nicht. Aber ich glaube, es passt schon zu unserer Unternehmenskultur. Thyssenkrupp möchte dieses Joint Venture gemeinsam mit den Arbeitnehmern an den Start bringen. Das wäre gegen unsere Unternehmenskultur, hätten wir das gegen die Arbeitnehmer gemacht. Und deswegen bin ich durchaus froh, auch vor Weihnachten zugegeben, dass wir das so erreicht haben."
Dass Ergebnis könne sich sehen lassen, findet auch Detlev Wetzel, der für die IG Metall mitverhandelt an. Er könne sich jedenfalls nicht erinnern, dass es so etwas in der Stahlbranche schon einmal gegeben hat: Neun Jahre Garantie für alle Jobs und Standorte:
"Ich denke, das ist deutlich mehr, als wir zu Beginn des Prozesses erwartet haben."
Ergebnis vieler Verhandlungsrunden
Zehn Verhandlungsrunden waren nötig, um Betriebsrat und Gewerkschaft die bei den Thyssenkrupp- Stahlarbeitern so extrem unbeliebte und bislang auch hart bekämpfte Fusion mit dem Konkurrenten Tata schmackhaft zu machen:
"Wir haben gar keine Kröten geschluckt. Wir haben nur nicht alles erreicht, was wir erreichen wollten. Wir sind natürlich sehr betrübt, dass die neue Holding nach Holland gehen wird."
Denn dort sind die Arbeitnehmer im entscheidenden Gremium nicht mehr vertreten. Auch ein teilweiser Börsengang der neuen Firma ist nicht ausgeschlossen, auch das mussten die Arbeitnehmervertreter akzeptieren. Doch selbst für diese Fälle sei festgeschrieben, dass die Jobgarantie auf diese Art und Weise nicht unterlaufen wird, betont IG-Metall-Mann Wetzel:
"Wir haben Vorsorge getroffen. Zum Beispiel die Beschäftigungssicherung muss nicht dieses neue Joint Venture garantieren, sondern Thyssenkrupp. Und selbst wenn Thyssenkrupp verkauft würde, müssen die neuen Erwerber in diesen Vertrag mit beitreten. Das heißt: Wir haben alle Sorgen, die wir haben, was die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Unternehmens angeht, an die Mutter zurückgegeben."
Außerdem – und das ist noch eine Bedingung – muss der neue europäische Stahlriese, wenn er denn an den Start geht, jedes Jahr 400 Millionen Euro in die Anlagen investieren – das wäre sogar etwas mehr als im Schnitt zuletzt bei Thyssenkrupp, sagt Wetzel.
Dass die Standort-Garantie für einige Werke eingeschränkt ist und für einzelne Teile in Duisburg, Bochum und Kreuztal im Siegerland nur drei statt neun Jahre gilt, das habe man nicht verhindern können. Diese Anlagen hätten wirtschaftliche Probleme. Das bedeutet aber nicht, dass damit ihr Aus schon beschlossen sei:
"Auch das halten wir schon für einen Riesenerfolg. Es hätte ja auch sein können, dass diese Anlagen auch sofort geschlossen worden wären. Und jetzt eine Beschäftigungssicherung für die Anlagen dort bis 2021, das halte ich auch schon eigentlich für sensationell."
Wie das die 27.000 betroffenen Stahlarbeiter einschätzen, wird sich Mitte Januar zeigen – dann wird abgestimmt: In allen Stahlwerken müssen die Beschäftigten sagen, ob sie einverstanden sind mit dem Verhandlungsergebnis. Ist nur einer der 13 Standorte dagegen, dann wollen die Arbeitnehmer-Vertreter das Vorhaben im Aufsichtsrat ablehnen.
Hoffen auf grünes Licht
Am 5. Februar wird das Ergebnis veröffentlicht.
Und Thyssenkrupp-Vorstand Oliver Burkhard hofft natürlich, dass die so lange geplante Fusion dann endlich grünes Licht bekommt:
"Dieses Verhandlungsergebnis hat Beschäftigungs-, Investitionssicherung, Standortsicherung. Ich glaube, das sind gute Argumente auch aus Sicht der Arbeitnehmer, der Mitglieder der IG Metall, hier bei uns bei Thyssenkrupp auch zuzustimmen."
Allerdings, und das haben Gewerkschafter und Betriebsräte heute auch gesagt: Eine Hintertür haben sie sich noch offen gehalten: Nur wenn ein Wirtschaftsprüfer bis zum Frühjahr bestätigt, dass die neue Gemeinschaftsfirma auch wirtschaftlich eine Chance hat, dann soll es losgehen. Denn die neue Firma direkt zu Beginn mit 6,5 Mrd Euro Schulden starten. Viele Arbeitnehmer fürchten, dass es damit schwer werden könnte, Durststrecken zu überstehen, wie sie in der schwankenden Stahlbranche immer wieder vorkommen.