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"Tiktok macht süchtig" - EU-Kommission geht gegen Mutterkonzern Bytedance vor

Die Videoplattform Tiktok verstößt nach Auffassung der EU-Kommission durch ein süchtig machendes Design gegen den "Digital Service Act", kurz DSA. Die Kommission kritisiert zahlreiche Funktionen: Fast alles in der Video-App sei darauf ausgelegt, dass Nutzer endlos scrollten und ewig dranblieben. Dies könne deren physischer und mentaler Gesundheit schaden.

    Ein Teenager tippt auf das TikTok-Logo auf einem Smartphone.
    Die EU-Kommission ist Meinung, TikTok macht süchtig. (picture alliance / dpa / Marijan Murat)
    In der Mitteilung der Kommission heißt es, die Empfehlungssysteme auf Tiktok seien hochgradig personalisiert. Kritisiert werden etwa der automatische Start jedes Videos und zahlreiche Push-Nachrichten. Als ein Beispiel nennt die Kommission die permanente „Belohnung“ der Nutzenden mit neuen Inhalten. Dies befeuere den Drang, weiterzuscrollen und das Gehirn auf „Autopilot“ zu schalten. Wissenschaftliche Studien zeigten, dass dies zu zwanghaftem Verhalten führe und die Selbstkontrolle der Nutzer darunter leide.

    "Zeitmanagement nicht wirksam"

    Auch Minderjährige unterlägen erheblich dem Nutzungszwang, bemängelt die Kommission weiter. Dies zeige sich unter anderem darin, wie lange sie nachts durch die Videos scrollten und wie oft sie die App öffneten. Das von der Plattform eingerichtete Zeitmanagement und eine Elternkontrolle seien nicht wirksam. "Tiktok scheint daran zu scheitern, vernünftige, angemessene und effektive Maßnahmen zu ergreifen, um die Risiken abzumildern, die von ihrem Design ausgehen“, so der Vorwurf. Tiktok bewerte die Beeinträchtigung vor allem Minderjähriger im Vorfeld offenbar nicht. Solche Risikoanalysen seien aber nach den europäischen Digitalregeln vorgeschrieben.

    Tiktok drohen hohe Geldstrafen

    Tiktok muss nun auf die Anschuldigung reagieren und grundlegende Änderungen vornehmen. Die EU-Kommission schlägt unter anderem vor, Bildschirm-Pausen einzuführen und den Empfehlungs-Algorithmus zu ändern. Setzt die Plattform die Hinweise nicht um, drohen Strafen. Im Dezember 2025 hatte die Kommission auf Basis des DSA gegen die Internetplattform X von US-Milliardär Elon Musk eine Geldstrafe von 120 Millionen Euro verhängt.
    Im vergangenen Jahr hatte es bereits eine Einigung zwischen Kommission und Tiktok gegeben; damals ging es um die Forderung nach mehr Transparenz bei Nutzer- und Werbedaten.

    Aus dem Deutschlandfunk-Programm

    Tiktok verstößt laut EU-Kommission gegen Digital Services Act
    Diese Nachricht wurde am 06.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.