Gegenentwurf zu Vereinten Nationen
Trumps "Friedensrat": Was von der ersten Sitzung zu erwarten ist

Heute tagt in Washington erstmals der "Friedensrat" unter Vorsitz von US-Präsident Trump. Es soll unter anderem um Hilfszusagen für den Gazastreifen gehen. Deutschland wird auf hoher Beamtenebene vertreten sein. Was ist von der ersten Sitzung zu erwarten? Ein Überblick.

    US-Präsident Trump unterzeichnet den Friedensrat.
    Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ist der von US-Präsident Trump initierte Friedensrat offiziell gegründet worden. (AP / Evan Vucci)

    Die offizielle Mission

    Zentrale Aufgabe des "Friedensrates" ist es dem Weißen Haus zufolge, den US-Plan für ein Ende des Krieges im Gazastreifen zu überwachen. In der Gründungscharta wird das Palästinensergebiet allerdings nicht ausdrücklich erwähnt. Darin heißt es lediglich, das Gremium wolle in Konfliktregionen "Stabilität fördern, eine zuverlässige und legitime Regierungsführung wiederherstellen und einen dauerhaften Frieden gewährleisten".

    Konkurrenz zur UNO

    Trump sieht den "Friedensrat" als Alternative zu den Vereinten Nationen. Die vor gut 80 Jahren gegründete UNO hat er als "überholt" und ineffizient kritisiert. Mit dem neuen Gremium wolle Trump "den bestehenden multilateralen Institutionen wie den Vereinten Nationen einen Tritt versetzen", kommentiert der Direktor für globale Fragen und Institutionen bei der International Crisis Group, Richard Gowan.

    Die erste Sitzung

    Trump erwartet Hilfszusagen im Umfang von fünf Milliarden Dollar für den Wiederaufbau des Gazastreifens und humanitäre Zwecke, wie er am Sonntag in seinem Onlinedienst Truth Social verkündete. Die UNO beziffert die Kosten für den Wiederaufbau deutlich höher, auf 70 Milliarden Dollar. Der US-Präsident rechnet zudem mit "Tausenden von Einsatzkräften" für die geplante Internationale Stabilisierungstruppe für den Gazastreifen. 

    Die Teilnehmer

    Das Weiße Haus erwartet mehr als 20 Teilnehmerländer zu der ersten Sitzung des Rats. Angekündigt haben sich Trump-Verbündete wie der ungarische Regierungschef Orban und der argentinische Präsident Milei. Sie hatten die Gründungsdokumente für das Gremium am 22. Januar am Rande des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos mit unterzeichnet. Auch Indonesien, Saudi-Arabien und die Türkei sind Mitglieder. Israel trat im Februar bei und wird in Washington durch Außenminister Gideon Saar vertreten.
    Es gibt zwei Kategorien von Mitgliedschaft: die kostenfreie Zugehörigkeit, die auf drei Jahre begrenzt ist, und die unbefristete Teilnahme, die eine Milliarde Dollar kosten soll.

    Die Beobachter

    Deutschland gehört ähnlich wie Frankreich und Großbritannien nicht zu den Mitgliedern des "Friedensrats". Die Bundesregierung ist bei dem Treffen aber auf hoher Beamtenebene vertreten, wie aus Kreisen des Auswärtigen Amtes verlautete. So wird etwa der für den Gazastreifen zuständige Beamte Christian Buck an dem Treffen in Washington teilnehmen.
    Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Hardt, sagte im Deutschlandfunk, es sei gut, dass Deutschland bei dem Treffen vertreten sei. So könne man gegebenenfalls auch einzelne Beschlüsse für einen Frieden in Gaza unterstützen. Wenn aber der Friedensrat darüber hinaus als neue Institution zur Regelung der Weltordnung geschaffen werden solle, lehne er das ab, betonte der CDU-Politiker.
    Die Bundesregierung hatte sich gegen eine Mitgliedschaft in dem von Trump geschaffenen "Friedensrat" entschieden. Sie sieht ihn - wie viele andere Staaten - als nicht erwünschte Konkurrenz zum UNO-Sicherheitsrat.

    Trump als Vorsitzender

    Trump hat allumfassende Befugnisse: Er leitet den "Friedensrat" und vertritt darin zugleich die USA. Als Vorsitzender hat er praktisch ein lebenslanges Mandat. Er kann das Gremium also auch noch nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit im Januar 2029 leiten. Trump legt im "Friedensrat" überdies die Tagesordnung fest. Bei den vorgesehenen Mehrheitsbeschlüssen haben die Mitgliedstaaten jeweils eine Stimme. Entscheidungen müssen aber auch vom Vorsitzenden "genehmigt" werden, was Trump de facto ein Vetorecht einräumt. "Die Macht konzentriert sich in den Händen einer einzigen Person", kritisiert die Kölner Nichtregierungsorganisation Democracy International.

    Kritik an Trumps Immobilieninteressen

    Beobachter kritisieren zudem, dass Trump politische und geschäftliche Interessen als Immobilienunternehmer vermischt. Während der Gründungszeremonie des "Friedensrats" in Davos stellte Trumps Schwiegersohn und Berater Kushner einen Plan für ein "Neues Gaza" mit Hochhäusern vor einer Mittelmeerkulisse vor. "Im Herzen bin ich ein Immobilienmensch", sagte Trump in Davos über den Küstenstreifen. "Schaut euch diese Lage am Meer an, schaut euch dieses wunderschöne Grundstück an."

    Weiterführende Informationen

    Trumps Friedensrat – wird die UNO ins Abseits gedrängt? (Audio)
    Kommentar zu Trumps Friedensrat: Kampfansage an die UNO (Audio)
    Diese Nachricht wurde am 19.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.