
Nach mehr als 1.300 Vermissten wird weiter gesucht. Bei etwa der Hälfte von ihnen soll es sich um Touristen handeln. Laut der nepalesischen Tourismusbehörde gehören zu den Vermissten auch mindestens acht Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft. Das Auswärtige Amt bestätigte das bislang nicht.
Dramatische Bilder der Zerstörung
Bilder und Videos aus dem Gebiet im Himalaya lassen das Ausmaß der Zerstörung erahnen. Die Flut riss Brücken, Autobahnen und Straßen mit sich, beschädigte Staudämme und ließ Häuser in Sekundenschnelle im Schlamm versinken. Auch Wasserkraftwerke und Solaranlagen wurden zerstört.
Erschwert wird die Arbeit der mehreren tausend Rettungskräfte in den Katastrophengebieten in Nepal und im von China kontrollierten Tibet dadurch, dass die Schlammmassen vielerorts die Straßen für schweres Gerät unpassierbar gemacht haben und die Kommunikationsnetze teilweise zusammenbrechen ließen.
Gletscherabbruch mutmaßliche Unglücksursache
Laut der nepalesischen Katastrophenschutzbehörde weisen Satellitendaten darauf hin, dass eine Gletscherlawine zunächst einen Fluss blockierte, wodurch sich ein See bildete. Als dieser schließlich überlief, löste das eine Sturzflut aus Eis, Geröll und Wasser aus.
Der kanadische Geomorphologe Shugar von University of Calgary in Kanada stützte im "Spiegel" die These des Gletscherabbruchs. Aktuelle Satellitenbilder der Region zeigten aus seiner Sicht, dass ein Gletscher an einem Flusstal östlich des Grenzübergangs Gyirong kollabiert sei. Der Gletscher liege in 5.200 Meter Höhe, wo er sich über eine Felskante schiebe. Dort sei er offenbar abgebrochen und mehr als einen Kilometer weit zum Talboden gestürzt.
Zunächst war ein Erdbeben als Unglücksursache angenommen worden. Die US-Erdbebenwarte USGS hatte in der Grenzregion zu Tibet Erschütterungen der Stärke 5,2 verzeichnet. Zusätzliche Analysen deuteten allerdings darauf hin, "dass die seismische Energie stattdessen durch einen Gletscherabbruch und Schuttfluss erzeugt wurde", teilte die USGS mit.
Internationale Solidarität und Hilfsangebote
Unmittelbar nach der Katastrophe äußerten Regierungen in aller Welt den betroffenen Ländern gegenüber ihre Anteilnahme und boten Hilfe an. Bundesaußenminister Wadephul sprach den Betroffenen und Rettungskräften in der Region auf der Plattform X sein Mitgefühl aus. Bundeskanzler Merz signalisierte Nepal Deutschlands Bereitschaft für Unterstützung.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen versprach, europäische Unterstützung zu mobilisieren. Der Erdbeobachtungsdienst Copernicus sei zur Kartografierung der betroffenen Gebiete aktiviert worden, schrieb sie ebenfalls auf X.
Auch UNO-Generalsekretär Guterres sagte der Regierung in Nepal Hilfe durch Teams der Vereinten Nationen zu. Die USA stellten Nepal Hilfe mit Notunterkünften, frischem Wasser und anderen Hilfsgütern in Aussicht. Insgesamt belaufe sich die Katastrophenhilfe auf umgerechnet rund 430.000 Euro, teilte das Außenministerium mit.
Der indische Premierminister Narendra Modi bot Nepal "jede mögliche Form humanitärer Unterstützung" an. Nach einem Gespräch mit seinem nepalesischen Kollegen Shah erklärte er, die Teams beider Seiten koordinierten ihre Rettungs- und Hilfsmaßnahmen miteinander.
Die Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften sagte die Lieferung von Hilfsgütern wie Decken und Erste-Hilfe-Sets sowie Tragen und Leichensäcke zu.
Beliebte Wander- und Pilgerregion
Die betroffene Region gilt als beliebtes Wandergebiet und ist zugleich Ziel von buddhistischen und hinduistischen Pilgern, die über Nepal zum heiligen Berg Kailash in Tibet wollen. Bereits vor einem Jahr hatte eine schwere Flut in dem Gebiet Menschen getötet und eine Brücke zerstört. Laut nepalesischen Medien hatte sich damals im Juli 2025 am Oberlauf des Lhende-Flusses in Tibet ein Gletschersee plötzlich in den Bhotekoshi-Fluss ergossen.
Diese Nachricht wurde am 27.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
