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Übernahme besiegelt

Seit das Bundeskartellamt grünes Licht gegeben hat, ist klar: Die "Frankfurter Rundschau" wird weiter erscheinen. Allerdings ist mit der Übernahme durch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ein Kahlschlag verbunden: 420 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.

Von Michael Braun | 28.02.2013

Verlag und Druckerei und damit der größte Teil der bisherigen "Frankfurter Rundschau" werden abgewickelt. Die F.A.Z., so Tobias Trevisan, der Sprecher ihrer Geschäftsführung, habe nur den Kern übernommen:

"Wir haben die Markenrechte gekauft und wir haben die Abo-Datei gekauft. Und wir werden einen Teil der Redaktion übernehmen."

Nämlich 28 Redakteure. Damit werden etwa 420 weitere Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Für sie wird es sechs Monate lang eine Transfergesellschaft geben. Wie teuer Marke und Abonnentendatei waren, wurde nicht mitgeteilt. F.A.Z.-Geschäftsführer Trevisan erklärte, warum die Rundschau unter neuer Führung nun eine Chance habe:

"Wir wollen die Zeitung 'Frankfurter Rundschau' von ihren Fixkosten im Druckbereich und im Verlagsbereich entlasten. Dadurch ergeben sich hoffentlich auch wieder die Möglichkeiten, zu investieren und nicht mehr ausschließlich zu desinvestieren."

Und der Geschäftsführer in der neuen FR, Hans Homrighausen, versicherte:

"Sie soll bleiben eine linksliberale Tageszeitung."

Das war der Redaktion wichtig. Und noch was, so der Chefredakteur der Rundschau, Arnd Festerling:

"Ich bin froh, mit Leuten zu tun zu haben – und das war nicht bei allen Bewerbern der Fall -, die wissen, wie man eine Zeitung macht, und die wissen, was es auch kostet, eine Qualitätszeitung zu machen."

Die neue Frankfurter Rundschau GmbH wird zu 35 Prozent der F.A.Z. gehören und zu 55 Prozent der Frankfurter Sozietät, die mit der "Frankfurter Neuen Presse" die dritte Zeitung in der Mainmetropole herausgibt. Beide aufnehmenden Verlage gehören der FAZIT-Stiftung, sind also Schwestergesellschaften. Die Rundschau mit noch 70.000 Exemplaren Auflage soll einen bedeutsamen Politikteil behalten, sich aber stärker auf die Rhein-Main-Region konzentrieren. Den 28 übernommen angestellten Redakteure liefern freie Autoren die Texte und Bilder zu. Aus Berlin berichtet vorerst weiter die Dumont Redaktionsgemeinschaft, die auch die Berliner Zeitung beliefert. Texte der F.A.Z.-Redaktion werden nicht an die Rundschau geschickt.