Kommentar: Trump könnte bald an Putins Seite stehen

Die USA stehen nicht mehr an der Seite der Ukraine, allen Mühen des ukrainischen Präsidenten zum Trotz. Und es könnte noch schlimmer kommen: Europa sollte sich darauf einstellen, dass Trump offen in das Lager der antiwestlichen Diktatoren wechselt.

Ein Kommentar von Gesine Dornblüth |
    Steve Witkoff und Vladimir Putin geben sich die Hand.
    Anfang September gab es ein Treffen zwischen dem US-Gesandten Steve Witkoff und dem russischen Präsidenten Vladimir Putin. (picture alliance / ZUMAPRESS.com / Russian President official apa)
    Die USA sind unter Donald Trump kein verlässlicher Partner mehr. Kein verlässlicher Partner der Ukraine und auch keiner der anderen Europäer. Das hat sich lange abgezeichnet und das sollte in diesen Tagen auch der allerletzte verstanden haben.
    Die Regierung unter Trump hält offenbar - so heißt es aus Kyjiw - bereits bezahlte Munition und Geheimdienstdaten für die Ukraine zurück und bricht damit bestehende Verträge. Sie sorgt dafür, dass die ukrainische Flugabwehr die todbringenden russischen Raketen und Drohnen noch schlechter abwehren kann als ohnehin schon. US-Vertreter behaupten wahrheitswidrig, der Präsident der Ukraine sei verantwortlich dafür, dass es noch keinen Frieden gebe, und sie loben den Kriegsverbrecher Wladimir Putin.

    Selenskyi hat sich lange um die USA bemüht

    Dabei hat Wolodymyr Selenskyi wirklich alles getan, um Trump bei der Stange zu halten. Über Monate hat er die Unverschämtheiten des US-Präsidenten ertragen. Noch vergangene Woche, als Trump eine angebliche Feuerpause auf Energieobjekte verkündete, ohne dies zuvor mit den Ukrainern abgesprochen zu haben, kam die Ukraine ihm entgegen und verzichtete mehrere Tage darauf, die russische Ölindustrie anzugreifen. Und das, obwohl Russland seinerseits dutzende ukrainische Energieanlagen beschoss. Gebracht hat das nichts.
    Am Wochenende zog Selenskyi die Konsequenzen. Die Ukraine griff St. Petersburg an, so stark wie nie zuvor. Sie tat das mit eigenen Waffen, entwickelt mit europäischer Unterstützung, ohne Hilfe der USA. Die Ukraine hat damit erneut bewiesen, dass Russland verwundbar ist. Zugleich räumt Selenskyi ein: Wenn die USA sich allerdings offen auf die Seite Russlands stellten, könne die Ukraine nicht standhalten. Er hoffe, dass sich die Politik der USA nach den Midterms zugunsten der Ukraine ändere, dass sie zumindest wieder eine neutrale Position einnehme.

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    Die Europäer müssen Russland endlich hart sanktionieren

    Es ist verlockend, auf einen Wechsel nach den Zwischenwahlen in den USA zu hoffen. Aber es wäre fahrlässig. Trump bleibt ja noch im Amt. Die Europäer sind jetzt mehr denn je in der Pflicht. Sie müssen die Ukraine endlich noch entschiedener unterstützen. Die 70* Milliarden Euro, die anstehen, sind eine Investition in die eigene Sicherheit. Die eingefrorenen russischen Vermögen müssen der Ukraine zur Verfügung gestellt werden. Es kann nicht sein, dass Schiffe der russischen Schattenflotte sich noch immer frei in der Ostsee bewegen. Auch Sanktionen gegen die russische Atomindustrie müssen endlich auf den Tisch. Alles ist längst gefordert, wie lange soll es noch dauern, bis das umgesetzt wird?
    Nun steht ein Gipfeltreffen zwischen Trump, Putin und dem chinesischen Staatsoberhaupt Xi Jingping im Raum. Sie sollen über die Ukraine sprechen - nicht nur ohne die Ukrainer, auch ohne die Europäer. Die sollten sich darauf vorbereiten, dass Trump womöglich in das Lager der antiwestlichen Diktatoren wechselt.

    *Wir haben eine falsche Zahl korrigiert.