Umfrage zu Reisegesetz"Das ist der größte Käse, den ich jemals gehört habe"

6. November 1989. Das DDR-Fernsehen sendet Meinungen von Bürgern zum neuen Reisegesetz-Entwurf:

06.11.2014

Flüchtlinge aus der DDR 1989 auf dem Messe-Bahnhof in Hannover - die DDR-Führung versuchte noch, mit einem Reisegesetz die Bürger zum Bleiben zu bewegen
Flüchtlinge aus der DDR 1989 auf dem Messe-Bahnhof in Hannover - die DDR-Führung versuchte noch, mit einem Reisegesetz die Bürger zum Bleiben zu bewegen (picture alliance/dpa/Bernd von Jutrczenka)
Reporter: "Der Entwurf liegt nun vor - was halten Sie davon?"

Mann: "Vom Feinsten - wenn sie es machen! Wenn die Geldregelung alles noch hinhaut, einwandfrei."

Frau: "Das ist der größte Käse, den ich jemals gehört habe. Wenn wir reisen, dann alle und 365 Tage im Jahr oder gar nicht."

Zweiter Mann: "Ich bin begeistert davon."

Reporter: "Ganz im Ernst, ja?"

Zweiter Mann: "Ja. Wenn erst mal das durchgesetzt wird und wenn das mit den Devisen in der Richtung klappt, würde ich mich wirklich darüber freuen, auch als einer, der keine Verwandten im kapitalistischen Ausland hat, dahin reisen zu können."

Dritter Mann: "Ich bin persönlich der Meinung, dass das zurzeit das am allerwenigsten Notwendige ist, was wir brauchen. Meiner Meinung nach können wir uns die Reisen am allerwenigsten leisten. Ich glaube, dass die Wirtschaft das absolute Primat hat."

Vierter Mann: "Ich finde es komisch, wieso das Reisegesetz bloß 30 Tage und wieso nicht länger ... sie werden sich da bestimmt gesagt haben: Bei 30 Tage sonst würden unsere Bürger drüben arbeiten, sich das Geld verdienen und immer hin- und herfahren und eben trotzdem hier leben."

Zweite Frau: "Also, ich finde es spitze und wenn es in Kraft treten sollte, dann werden wir unseren Jahresurlaub dort verbringen, in der BRD. Wir bleiben hier in der DDR."