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StartseiteCampus & KarriereInitiative fordert Schluss mit Zeitverträgen20.05.2019

Uni KasselInitiative fordert Schluss mit Zeitverträgen

90 Prozent des wissenschaftlichen Personals sowie viele Verwaltungsangestellte an der Uni Kassel haben befristete Arbeitsverträge. Das muss sich dringend ändern, fordern die Initiative "Uni Kassel-unbefristet" und Gewerkschaften. Jetzt hat die Uni-Leitung reagiert.

Von Ludger Fittkau

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Schriftzug "Universität Kassel" an einem gläsernen Gebäude, davor Studierende, die auf das Gebäude zugehen. (dpa/picture alliance/Uwe Zucchi)
Die Hochschul-Leitung in Kassel zeigt sich in Sachen Entfristung von Arbeitsverträgen gesprächsbereit - aber nicht in allen Bereichen. (dpa/picture alliance/Uwe Zucchi)
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"Mein Name ist Carmen Muresan. Ich arbeite seit 2012 im International Office und betreue da internationale Studierende auf einer befristeten Stelle."

Carmen Muresan kann sich jetzt Hoffnung machen, dass ihre befristete Stelle an der Uni Kassel bald in eine Dauerstelle umgewandelt wird. Dafür hatte sie in der Initiative "Uni Kassel – unbefristet" gekämpft - gemeinsam mit den Gewerkschaften ver.di und GEW. Der Kasseler Unipräsident Reiner Finkeldey unterstützt nun die Forderungen der Initiative. Insbesondere im Hinblick auf die sogenannten "Lehrkräfte für besondere Aufgaben". Diese erhalten die Lehre an vielen Fachbereichen der Uni Kassel mit bis zu 18 Semester-Wochenstunden aufrecht. Für wissenschaftliche Forschung, die zu den Grundlagen einer Universität gehört, bleibt da keine Zeit mehr. Dennoch will der Kasseler Uni-Präsident Finkeldey diese umstrittenen Stellen nun weitgehend entfristen:

"Bei Lehrkräften für besondere Aufgaben sind wir durchaus nahe beieinander und die gewerkschaftlichen Forderungen nach Anteilen von 70 bis 80 Prozent unbefristeten Stellen im Bereich der Lehrkräfte für besondere Aufgaben halte ich durchaus auch für sinnvoll und mittelfristig – das heißt im Zeitraum von drei bis vier Jahren -  auch für umsetzbar an der Universität Kassel."

Keine automatische Entfristung für Doktoranden-Stellen 

Nicht umsetzen will die Kasseler Uni-Leitung die Forderung, alle Uni-Stellen nach erfolgreicher Promotion zu entfristen – etwa bei  einer Habilitation. Norma Tiedemann von der Entfristungsinitiative:

"Das heißt auch, dass die Promotion eine hinreichende Qualifizierung  ist, um eine entfristete Stelle zu haben, auf der man dann Lehre und Forschung mit einer langfristigen Perspektive auch leisten kann."

Der Kasseler Unipräsident Reiner Finkeldey will hingegen nicht, dass eine erfolgreiche Promotion automatisch zu einer unbefristeten Stelle im Hochschulsystem führt:

"Zum einen gibt es ganz sicher Stellen, die wir auch langfristig weiter befristet lassen möchten.  Da gehören unsere sogenannten Qualifikationsstellen zu. Das sind Doktorandinnen und Doktoranden, Habilitandinnen und Habilitanden."

Es handele sich um Stellen, auf denen der wissenschaftliche  Nachwuchs ausgebildet wird, der laut den Gepflogenheiten  des Wissenschaftssystems  nur an anderen Universitäten eine Professur bekommen könne, so Finkeldey.  Hausberufungen seien nach wie vor verpönt.

Kontroversen um Stellen-Finanzierung

Kontroversen gibt es schließlich in der deutschen Hochschulpolitik bisweilen auch um die Frage, wer entfristete Stellen bezahlen soll, die für die Beratung internationaler Studierender notwendig sind. Schon länger wird diskutiert, ob deutsche Hochschulen für ausländische Studierende Studiengebühren erheben sollen, um den zusätzlichen Beratungsaufwand zu finanzieren. Die Kasseler Entfristungsinitiative ist strikt dagegen. Carmen Muresan:

"Studiengebühren für ausländische Studierende ist eine Diskriminierung gegenüber den Studierenden, weil sie ja kein anderes Angebot bekommen als die deutschen Studierenden. Wieso sollten sie dann eigentlich mehr zahlen?"

Diskussion um Studiengebühren für ausländische Studierende

Weil der Betreuungsaufwand schon wegen verschiedener Sprachen größer wird, lautet das Argument der Befürworter von Studiengebühren für internationale Studierende. Ebenso, dass die deutschen Steuerzahlerinnen und Zahler nicht primär für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses  im Ausland zuständig seien.

Doch in Kassel sind sich die verschiedenen Akteure an der Uni einig darin,  aktuell keine zusätzlichen Gebühren zu  erheben. Wenn die neuen Bund-Länder-Vereinbarungen zur Hochschulfinanzierung und auch die Zusagen aus dem hessischen Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen umgesetzt werden, dann kann auch ohne Studiengebühren mehr entfristet werden – so lautet die Botschaft des Kasseler Uni-Präsidenten Reiner Finkeldey an die Gewerkschaften:

"Wenn denn tatsächlich die finanziellen Rahmenbedingungen sich so entwickeln, wie wir das im Moment hoffen und wie es durch den Koalitionsvertrag in Hessen aber auch durch die Einigung zwischen dem Bund und den Bundesländern im Bereich der Hochschulfinanzierung durchaus gut aussieht.

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