Sonntag, 04. Dezember 2022

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Unsichere Zukunft für Baukultur

Unterschiedliche Auffassungen zur Ausrichtung der Bundesstiftung Baukultur hätten zu seinem Weggang geführt, meint der Vorstadtvorsitzende Michael Braum. Sein Weggang bedeutet einen Einschnitt für die Stiftungsarbeit, nun sprechen kritische Stimmen schon von einer Krise der 2007 gegründeten Bundesstiftung Baukultur.

Reinhard Hübsch im Gespräch mit Dina Netz | 19.06.2012

    Dina Netz: Die Bundesstiftung Baukultur mit Sitz in Potsdam wurde 2007 gegründet, um sich für die "Belange der Baukultur" einzusetzen. Sie soll in der Bevölkerung ein Bewusstsein für gutes und schönes Bauen schaffen. Gestern und vorgestern zum Beispiel tagte man in Hamburg zu Fragen von Mobilität und Wohnen, und am Ende stand ein "Hamburger Appell für mehr Baukultur in der städtischen Verkehrsinfrastruktur".

    Aber die Bilanz des gerade zu Ende gegangenen Konvents der Stiftung weist auch die Ansage des Vorstandsvorsitzenden Michael Braum auf, er wolle nicht mehr kandidieren. Braum hat die Stiftung von Anfang an geleitet – sein Weggang im nächsten Frühjahr wird auf jeden Fall ein Einschnitt - also der richtige Zeitpunkt, um eine Bilanz der Stiftungsarbeit zu ziehen. Frage an den Kollegen Reinhard Hübsch: Hat die Bundesstiftung Baukultur unter Michael Braum erfolgreich gearbeitet?

    Reinhard Hübsch: Na ja, wir sind ja noch in der Gründungsphase des Ganzen. Anfang 2008 hat man die Arbeit aufgenommen, ehe man sich konstituiert hat, dann musste ein Haus umgebaut werden für diese Zwecke. Was ihm gelungen ist, ist sicherlich die Vernetzung der Verbände: also die Architektenkammern, der Bund Deutscher Architekten ist da tätig, alles und jeder, der mit bauen zu tun hat, da hat man ein Netzwerk gesponnen – national und er hat auch erste Kontakte in das Ausland geschaffen, also mit den entsprechenden europäischen und internationalen Institutionen sich verbandelt. Und das ist ja eine Voraussetzung für eine gute Arbeit, etwa für Kongresse, wie sie am Wochenende stattgefunden haben.

    Netz: Jetzt kommen wir also mal zu der Frage, warum Michael Braum nicht weitermachen will. Er selbst begründet das so:

    "Umso mehr bedauere ich, meine Damen und Herren, dass ich der Stiftung für eine zweite Periode ab März 2013 nicht mehr zur Verfügung stehen werde. Ich habe dies dem Stiftungsrat in seiner letzten Sitzung mitgeteilt und veranlasst sah ich mich zu dieser, mir alles andere als leicht gefallenen Entscheidung, da es einfach wie so oft im Leben unterschiedliche Auffassungen zu Ausrichtungen gibt. Ich bedauere das zutiefst."

    Netz: Herr Hübsch, was sind denn das nun für unterschiedliche Auffassungen?

    Hübsch: Also die unterschiedlichen Auffassungen, die machen sich in unterschiedlichen Gremien breit. Es sind ja diverse Ministerien daran beteiligt, federführend ist das Bauministerium, es gibt einen Beirat, einen Aufsichtsrat, der sich übrigens aus 13 Mitgliedern zusammensetzt, es gibt den Konvent, das Parlament dieser Einrichtung, und da wird natürlich heftig diskutiert.

    Da gibt es die eine Fraktion, um das mal ein bisschen zu vergröbern, die sich dafür ausspricht, noch populärer, noch, wie manche sagen, populistischer in die Öffentlichkeit zu gehen, sich an junge Damen und Herren zu wenden, also an Schülerinnen und Schüler und an die Jugendlichen, also an die Bauherren und –Damen von morgen, und andere sagen Nein, wir müssen uns an diejenigen, die Entscheidungen über das Bauen fällen, wenden, also an jene in Industrie und im Gewerbe, in Verwaltung und eben in öffentlichen Einrichtungen. Da gibt es unterschiedliche Ausrichtungen. Ich kann das nur so kommentieren, dass ich sage, das eine tun heißt ja nicht das andere lassen. Das ist also eine der Kontroversen.

    Netz: Genau, das ist der eine Punkt. Aber es geht ja wohl nicht nur um Konzepte, sondern auch schlicht um Geld.

    Hübsch: Es geht um Geld. Michael Braum hat 1,2 Millionen Euro zur Verfügung, von denen er alles bezahlen muss. Und wenn ich mir vorstelle, dass ich 80 Millionen Deutsche habe, die nun mit der Baukultur konfrontiert werden sollen, auf unterschiedlichen Ebenen, mit unterschiedlichen Arten von Veranstaltungen, dann ist das, sage ich mal vorsichtig, sehr, sehr wenig. Damit kann man eine Zeit lang vielleicht hinkommen. Ich glaube nicht, dass man in der Gründungsphase und auch nicht in einer erfolgreichen Phase das tun kann.

    Nun, er wurde gebeten, er wurde aufgefordert, Sponsoren aufzutreiben, die nun die Arbeit unterstützen; dass ist in diesen Zeiten, das wissen wir alle, die im Kulturbetrieb tätig sind, zunehmend schwerer geworden. Also da ist der Wunsch vorhanden, einfach das Stiftungskapital aufzustocken und auch für eine Kontinuität in der Arbeit zu sorgen.

    Das zweite ist: Er hat ja einen sehr, sehr kleinen Stab. Er hat darum gebeten, diesen Stab um drei Stellen aufzustocken, das Bundesbauministerium hat das abgelehnt. Ob der Nachfolger oder die Nachfolgerin sich da mehr durchsetzen kann, das wird man sehen, denn es laufen ja bereits Gespräche über Nachfolger.

    Netz: Der Vorstandsvorsitzende geht jetzt erst einmal. Kann man sagen, die Stiftung gerät dadurch in eine Krise?

    Hübsch: Das sehen manche so. Ich habe ja in Hamburg mit einigen Beobachtern gesprochen. Da gibt es kritische Stimmen, die sagen ja, die Bundesstiftung Baukultur befindet sich in der Krise, und die Politik, die eine starke Stellung hat – das muss man einfach mal sagen -, die Politik versucht nun, diese Bundesstiftung stärker an sich zu binden. Dass die Politik kein großes Interesse an dieser Stiftung hat, zumindest in der Schwarz-Gelben Koalition, das ließ sich an einer Personalie ablesen. Zur Begrüßung kommt zu einem solchen Anlass in der Regel der Bauminister, oder zumindest ein Staatssekretär; in diesem Fall war es eine Ministerialdirigentin, man kann sagen, unterste politische Ebene. Das war schon ziemlich schmerzhaft, das zu beobachten, bei einem Konvent, der nur alle zwei Jahre tagt.

    Im Übrigen dominiert die Politik die Gremien, denn der Aufsichtsrat setzt sich aus 13 Mitgliedern zusammen, acht stammen aus der Politik, fünf aus den Bundestagsparteien, drei aus dem Ministerium, fünf sind unabhängige Experten. Auch da fühlte sich, so ist hinter der Hand zu hören, Michael Braum gegängelt. Und wie es weitergehen wird? Vielleicht setzen da Reformen ein, aber da bin ich wenig zuversichtlich.

    Netz: Reinhard Hübsch war das über die unsichere Zukunft der Bundesstiftung Baukultur.