Nach Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle
Verdächtige Drohnenflüge über Bundeswehrstandort Mechernich

Über dem Bundeswehrstandort Mechernich sind in der vergangenen Nacht Drohnenüberflüge gesichtet worden. Nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung haben Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma insgesamt sechs Überflüge beobachtet.

    Zu sehen ist eine Drohne, im Hintergrund sieht man ein Flugzeug.
    Eine Drohne fliegt vor einem startenden Flugzeug (Archivbild). (Jan Woitas / dpa / Jan Woitas)
    Alarmierte Polizisten hätten die Drohnen ebenfalls gesehen. Ein Sprecher des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr bestätigte die Sichtung von zwei Flugobjekten. Zu den laufenden Ermittlungen der Polizei könne man sich nicht äußern. Im nordrhein-westfälischen Mechernich sind unter anderem Bundeswehr-Spezialisten stationiert, die das Flugabwehrsystems "Patriot" warten.
    In der Nacht zum Mittwoch hatte es auf dem Flughafen Leipzig/Halle einen Vorfall mit einer mit Sprengstoff beladenen Drohne gegeben. Sie war im Sicherheitsbereich des Flughafens entdeckt worden, wo sich mehrere ukrainische Frachtflugzeuge befanden. Der Sprengsatz wurde entschärft.

    Klare Zuständigkeiten gefordert

    Nach dem Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle fordern Experten und Politiker, die Regeln für die Abwehr von Drohnen zu klären. Es brauche klare Zuständigkeiten für die Erkennung, Überwachung und Bekämpfung von Drohnen, sagte der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Ischinger. Man müsse klären, wer genau was dürfe und wer dies koordiniere. Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Emmerich, erklärte, dass in Deutschland mehr als 40 Behörden mit Aufgaben der Luftsicherheit befasst seien, sei "im Ernstfall ein Sicherheitsrisiko". Er warf Bundesinnenminister Dobrindt vor, trotz der bekannten Bedrohungslage keine klaren Zuständigkeiten geschaffen zu haben.

    Röwekamp, CDU, fordert zentrale Zuständigkeit

    Der Verteidigungsausschuss-Vorsitzende Röwekamp sagte dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland", statt bei einer Vielzahl föderaler Luftsicherheitsbehörden sollte die Zuständigkeit für die Abwehr solcher Fluggeräte bei Bundesinnenministerium und Bundespolizei liegen. Am Ende habe nur der Zufall und die Umsicht eines Busfahrers Schlimmeres verhindert. Laut Sicherheitskreisen hatte die Drohne zwischen Flugzeugen knapp über dem Boden geschwebt, bevor der Mann sie sah und mit einem Fußtritt zu Boden brachte.

    Schuster, CDU, für speziell geschützten Bereich

    Sachsens Innenminister Schuster, CDU, sagte dem Portal "Table.Briefings", der Vorfall mache erneut deutlich, dass der Flughafen auch für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands eine erhebliche strategische Bedeutung habe. Deshalb müsse geprüft werden, ob der Bund dort nach dem Vorbild der Flughäfen Frankfurt am Main oder Köln/Bonn einen speziell geschützten Bereich etablieren sollte.
    Schuster sieht darüber hinaus Handlungsbedarf bei anderen wichtigen Einrichtungen. Deutschland befinde sich nicht mehr in einer abstrakten, sondern in einer hohen Gefährdungslage. Auch die bundesweite Drohnenabwehr muss nach Ansicht des Ministers neu aufgestellt werden.

    Beratungen unter Vorsitz von Merz

    Am Vormittag hatte der Nationale Sicherheitsrat der Bundesregierung zu dem Drohnen-Vorfall in Leipzig getagt. Die Beratungen fanden unter Vorsitz von Bundeskanzler Merz telefonisch statt. Demnach steht Merz zu den Ereignissen in Leipzig "in fortwährendem Austausch" mit Bundesminister Dobrindt und anderen Mitgliedern der Bundesregierung, wie ein Regierungssprecher mitteilte.
    Russland wies Mutmaßungen über seine Beteiligung an dem Drohnenvorfall in Leipzig/Halle zurück. Die russische Botschaft in Berlin bezeichnete entsprechende Äußerungen als Provokation.
    Diese Nachricht wurde am 07.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.