In vielen zubereiteten Lebensmitteln aus unseren Supermärkten ist Palmöl enthalten. Das liegt aber nicht unbedingt an dessen Nährwert. Verwendet werde es eher aus fertigungstechnischen Gründen, wie der Ernährungsmediziner Hans-Konrad Biesalski sagt.
"Aufgrund seiner Fließeigenschaften bei bestimmten Temperaturen. Aber es ist für den Menschen vor allen Dingen auf der südlichen Halbkugel eines der wichtigsten Nahrungsmittel, weil sehr viel Provitamin A drin ist. Es ist Vitamin E drin. Es sind viele andere wichtige Verbindungen drin, die den Menschen sonst aus der Nahrung, die sie haben, eher fehlen."
Biesalski ist Professor für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft an der Universität Stuttgart-Hohenheim und Autor eines Buches über den "Versteckten Hunger" in der Welt. Darunter versteht man die chronische Unterversorgung mit wichtigen Mikronährstoffen wie zum Beispiel Vitamin A.
"Vitamin-A-Mangel betrifft geschätzt 200 bis 300 Millionen Menschen weltweit. Vorwiegend in Entwicklungsländern. Aber es gibt sicherlich noch mal so viele oder mehr, die eine unzureichende Vitamin-A-Zufuhr haben. Die haben zum Beispiel Störungen des Immunsystems. Die werden häufiger krank. Masern verlaufen bei Kindern mit schlechter Vitamin-A-Versorgung viel dramatischer als bei uns, da ist auch die Zahl der Todesfälle um ein Vielfaches höher. So dass die Bedeutung des Vitamin A nicht genug in den Vordergrund gebracht werden kann."
Aus diesem Grund stört sich der Ernährungsmediziner an aktuellen Kampagnen gegen Palmöl, wie er sie nennt. Der Bevölkerung in Entwicklungsländern werde eingeredet, sie solle das Öl, das aus den Früchten der Ölpalme gewonnen wird, nicht mehr wie traditionell üblich zum Braten verwenden. Es enthalte zwar viel Beta-Carotin, eine Vorstufe, aus der unser Körper das wichtige Vitamin A herstellt. Und dennoch sei Palmöl schlecht für die Gesundheit der Menschen in armen Ländern.
"Und damit verlieren sie ihre wichtigste Vitamin-A-Quelle. Sie nehmen dann irgendein anderes billiges Öl, wo kein Vitamin A mehr drin ist. Warum wird es schlechtgeredet? Weil es große Interessen gibt, Palmöl fast ausschließlich jetzt noch für Biosprit, für Kosmetik und auch für Lebensmittel zu verwenden. Vor dem Hintergrund spielt sich eben die Kritik am Palmöl ab. Das ist keine Kritik, die wissenschaftlich begründet ist."
Betont werde immer wieder, Palmöl bestehe zur Hälfte aus gesättigten Fettsäuren. Und die seien gleich zweifach schädlich. Zum einen erhöhten sie den Cholesterinspiegel im Blut – und zum anderen das Risiko für Arteriosklerose, also für Gefäßverkalkung.
"Dabei wird immer übersehen, dass die anderen 50 Prozent wichtige ungesättigte Fette sind wie zum Beispiel vorwiegend die Ölsäure, wie sie in Olivenöl vorkommt. Zum zweiten kommt hinzu, dass die gesättigten Fette, die da drin sind, nicht wirklich die sind, die Arteriosklerose machen. Und es gibt gute Untersuchungen mit Palmöl, die gezeigt haben, dass eben die Gabe von Palmöl sogar eher zu einer Erniedrigung von Cholesterin führt als zu einer Erhöhung."
Ernährungsphysiologisch spreche also überhaupt nichts gegen die Verwendung von Palmöl zum Braten, betont Biesalski. Im Gegenteil:
"Gerade in Asien, aber auch in Afrika wird oft Gemüse in Öl gedünstet. Oder die Nudeln werden in Öl gemacht. Und wenn die dann Palmöl nehmen, ist es genau das, wo sie die wichtigste Vitamin-A- und Vitamin-E-Quelle haben. Würde ich auf jeden Fall unterschreiben. Es gibt sehr gute Studien, dass man gar nicht viel braucht. Es reichen fünf bis zehn Gramm am Tag, und man hat eine völlig ausreichende Versorgung."
Der Hohenheimer Ernährungsmediziner empfiehlt, dem Beispiel von Ländern wie Kamerun in Westafrika zu folgen…
"... wo das Palmöl nicht exportiert und nicht für Biodiesel verwendet wird, und offensichtlich einen stabilen Preis hat und von der Bevölkerung akzeptiert wird."
Ein Negativbeispiel aus Biesalkis Sicht dagegen ist Malaysia in Südostasien:
"Der größte Palmöl-Produzent der Welt, wo die Hungernden noch bis vor kurzem Palmöl auf dem Speiseplan hatten und jetzt nicht mehr kaufen können. Stattdessen wird ihnen das raffinierte Palmöl angeboten, wo nichts mehr drin ist."
Damit, so der Ernährungsexperte, steige das Risiko für eine Unterversorgung mit Vitamin A.
Durch seine Arbeiten über den Versteckten Hunger hofft Biesalski, auch das Problem mit dem Palmöl stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Als Vitaminquelle für die Bevölkerung in Entwicklungsländern sei das Öl eminent wichtig – und müsse daher als traditionelles Grundnahrungsmittel erhalten bleiben.
"Aufgrund seiner Fließeigenschaften bei bestimmten Temperaturen. Aber es ist für den Menschen vor allen Dingen auf der südlichen Halbkugel eines der wichtigsten Nahrungsmittel, weil sehr viel Provitamin A drin ist. Es ist Vitamin E drin. Es sind viele andere wichtige Verbindungen drin, die den Menschen sonst aus der Nahrung, die sie haben, eher fehlen."
Biesalski ist Professor für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft an der Universität Stuttgart-Hohenheim und Autor eines Buches über den "Versteckten Hunger" in der Welt. Darunter versteht man die chronische Unterversorgung mit wichtigen Mikronährstoffen wie zum Beispiel Vitamin A.
"Vitamin-A-Mangel betrifft geschätzt 200 bis 300 Millionen Menschen weltweit. Vorwiegend in Entwicklungsländern. Aber es gibt sicherlich noch mal so viele oder mehr, die eine unzureichende Vitamin-A-Zufuhr haben. Die haben zum Beispiel Störungen des Immunsystems. Die werden häufiger krank. Masern verlaufen bei Kindern mit schlechter Vitamin-A-Versorgung viel dramatischer als bei uns, da ist auch die Zahl der Todesfälle um ein Vielfaches höher. So dass die Bedeutung des Vitamin A nicht genug in den Vordergrund gebracht werden kann."
Aus diesem Grund stört sich der Ernährungsmediziner an aktuellen Kampagnen gegen Palmöl, wie er sie nennt. Der Bevölkerung in Entwicklungsländern werde eingeredet, sie solle das Öl, das aus den Früchten der Ölpalme gewonnen wird, nicht mehr wie traditionell üblich zum Braten verwenden. Es enthalte zwar viel Beta-Carotin, eine Vorstufe, aus der unser Körper das wichtige Vitamin A herstellt. Und dennoch sei Palmöl schlecht für die Gesundheit der Menschen in armen Ländern.
"Und damit verlieren sie ihre wichtigste Vitamin-A-Quelle. Sie nehmen dann irgendein anderes billiges Öl, wo kein Vitamin A mehr drin ist. Warum wird es schlechtgeredet? Weil es große Interessen gibt, Palmöl fast ausschließlich jetzt noch für Biosprit, für Kosmetik und auch für Lebensmittel zu verwenden. Vor dem Hintergrund spielt sich eben die Kritik am Palmöl ab. Das ist keine Kritik, die wissenschaftlich begründet ist."
Betont werde immer wieder, Palmöl bestehe zur Hälfte aus gesättigten Fettsäuren. Und die seien gleich zweifach schädlich. Zum einen erhöhten sie den Cholesterinspiegel im Blut – und zum anderen das Risiko für Arteriosklerose, also für Gefäßverkalkung.
"Dabei wird immer übersehen, dass die anderen 50 Prozent wichtige ungesättigte Fette sind wie zum Beispiel vorwiegend die Ölsäure, wie sie in Olivenöl vorkommt. Zum zweiten kommt hinzu, dass die gesättigten Fette, die da drin sind, nicht wirklich die sind, die Arteriosklerose machen. Und es gibt gute Untersuchungen mit Palmöl, die gezeigt haben, dass eben die Gabe von Palmöl sogar eher zu einer Erniedrigung von Cholesterin führt als zu einer Erhöhung."
Ernährungsphysiologisch spreche also überhaupt nichts gegen die Verwendung von Palmöl zum Braten, betont Biesalski. Im Gegenteil:
"Gerade in Asien, aber auch in Afrika wird oft Gemüse in Öl gedünstet. Oder die Nudeln werden in Öl gemacht. Und wenn die dann Palmöl nehmen, ist es genau das, wo sie die wichtigste Vitamin-A- und Vitamin-E-Quelle haben. Würde ich auf jeden Fall unterschreiben. Es gibt sehr gute Studien, dass man gar nicht viel braucht. Es reichen fünf bis zehn Gramm am Tag, und man hat eine völlig ausreichende Versorgung."
Der Hohenheimer Ernährungsmediziner empfiehlt, dem Beispiel von Ländern wie Kamerun in Westafrika zu folgen…
"... wo das Palmöl nicht exportiert und nicht für Biodiesel verwendet wird, und offensichtlich einen stabilen Preis hat und von der Bevölkerung akzeptiert wird."
Ein Negativbeispiel aus Biesalkis Sicht dagegen ist Malaysia in Südostasien:
"Der größte Palmöl-Produzent der Welt, wo die Hungernden noch bis vor kurzem Palmöl auf dem Speiseplan hatten und jetzt nicht mehr kaufen können. Stattdessen wird ihnen das raffinierte Palmöl angeboten, wo nichts mehr drin ist."
Damit, so der Ernährungsexperte, steige das Risiko für eine Unterversorgung mit Vitamin A.
Durch seine Arbeiten über den Versteckten Hunger hofft Biesalski, auch das Problem mit dem Palmöl stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Als Vitaminquelle für die Bevölkerung in Entwicklungsländern sei das Öl eminent wichtig – und müsse daher als traditionelles Grundnahrungsmittel erhalten bleiben.