Taurus-Abhöraffäre
Verteidigungsministerium bestätigt Echtheit des Mitschnitts - Scholz: ernste Sache - Aufklärung gefordert

Das Bundesverteidigungsministerium hat bestätigt, dass ein vertrauliches Gespräch ranghoher Offiziere der Luftwaffe abgehört worden ist.

02.03.2024
    Überwachungskameras am Bundesverteidigungsministerium in Berlin.
    Überwachungskameras am Bundesverteidigungsministerium in Berlin: (picture alliance / dpa / dpa)
    Ein Sprecher des Ministeriums sagte in Berlin, ob in der Audio- oder Text-Variante, die im Internet kursierten, Veränderungen vorgenommen worden seien, könne man derzeit nicht gesichert feststellen. Zum Inhalt der Unterredung machte er keine Angaben. Russische Staatsmedien hatten gestern einen Mitschnitt veröffentlicht. Darin sind ranghohe Bundeswehroffiziere zu hören, die über theoretische Möglichkeiten eines Einsatzes deutscher Taurusmarschflugkörper durch die Ukraine diskutieren. Auch wird darüber gesprochen, ob auch die Kertsch-Brücke getroffen werden könne, die die annektierte Halbinsel Krim mit dem russischen Festland verbindet. Die Besprechung fand nach Medienberichten nicht über eine gesicherte Leitung statt.
    Bundeskanzler Scholz sprach von einer "sehr ernsten Angelegenheit". Er sicherte eine zügige Aufklärung der Abhör-Affäre zu. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, die FDP-Politikerin Strack-Zimmermann, betonte, der Vorfall sei weder überraschend noch verwunderlich. Sie forderte bessere Vorkehrungen zur Spionageabwehr. Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende von Notz erklärte, man erwarte, dass die Bundesregierung die zuständigen Ausschüsse des Bundestages umfassend informiere. Es müsse schnellst möglich geklärt werden, ob es sich bei dem Abhörskandal um einen einmaligen Vorgang oder ein strukturelles Problem handle.
    Der CDU-Politiker Kiesewetter erklärte, es sei zu erwarten, dass noch viel mehr abgehört worden sei und geleakt werde.
    Diese Nachricht wurde am 02.03.2024 im Programm Deutschlandfunk gesendet.