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Viel Spannung beim Giro d’ Italia

Favoriten haben es schwer beim Giro d’Italia. Das musste Bradley Wiggins erfahren. Er verlor bei einem Sturz mehr als eine Minute. Schon auf früheren Etappen wurde er immer wieder attackiert. Dass das Rennen so unvorhersehbar ist, löst aber bei den meisten Teilnehmern pure Freude aus.

Von Tom Mustroph | 10.05.2013

    Rennfahrerherzen lachen beim Giro d’ Italia. Auch die wenigen deutschen Profis genießen den Aufenthalt in vollen Zügen:

    "Wir freuen uns, dass wir hier in Italien Radrennen fahren können","

    sagt beispielsweise John Degenkolb. Der schnelle Mann aus Bayern hat natürlich besonderen Grund zur Freude. Als Debütant holte er sich gleich einen Etappensieg. Aber auch Teamkollege Patrick Gretsch ist sehr zufrieden. Der Zeitfahrspezialist setzte auf einer mittelschweren Etappe Akzente als Ausreißer:

    ""Ich wollte mich einfach mal zeigen","

    sagt Gretsch munter.

    ""Ich meine, es ist schon ein super Starterfeld hier, und klar ist immer nur eine geringe Hoffnung da, dass man da so weit wie möglich kommt. Aber man weiß ja nie, was so im Rennen passiert und die Chancen waren nicht so schlecht."

    Für das Einzelzeitfahren rechnet sich Gretsch noch mehr aus.

    "Ich hoffe natürlich, dass ich Top Ten fahren kann. Das ist ganz klar das Ziel. Mal sehen, wie weit ich kommen kann."

    Bradley Wiggins, der Top-Favorit für das morgige Zeitfahren, muss da schon ein Superrennen liefern, um wieder Anschluss an die Spitze zu finden. Wegen eines Sturzes auf der siebten Etappe nach Pescara büßte er mehr als eine Minute ein. Aber schon zuvor hatte ihm die Konkurrenz zugesetzt. Titelverteidiger Ryder Hesjedal sprengte auf der als nur mittelschwer eingeschätzten dritten Etappe mit einem Antritt das Feld. Mitkonkurrent Cadel Evans fand dies prima.

    "Ich bin froh, dass sie etwas probiert haben. Das gibt eine Vorstellung davon, wie sich das Rennen entwickeln wird."

    Ein Rennen voller Spannung, voller Angriffe und Gegenangriffe. Ein Rennen wie in den Zeiten, bevor der Epo-Missbrauch jegliche Initiative erstickte.
    Auch Bradley Wiggins hat begriffen, dass dieser Giro nicht ein derart durch und durch geplantes Unternehmen wie die letzte Tour de France sein wird.

    "Das ist vollkommen anders. Es wird mehr Situationen geben, in denen ich isoliert bin. Wie ich schon am Start sagte: Der Giro ist an jedem Tag ein Rennen. Er ist wie ein Nachwuchsrennen. Man muss eigenständig denken."

    Dies scheint auch dem großen Kalkulierer zu gefallen. Nur in einer Sache irrt er:

    "Es ist so schön, bei einem Rennen zu sein, wo alle so begeistert sind. Es gab keine einzige Frage zu Doping, keinen Zuschauer, der wegen Doping ´Buh` gerufen hat oder ein Transparent hochgehalten hat. Das ist erfrischend für einen Fahrer."

    Transparente gegen Doping gab es an der Strecke. Fragen nach Doping auch. Und bitterschade wäre es, wenn der aktuelle Tour de France-Sieger nichts von der Initiative des deutschen Giro-Teilnehmers John Degenkolb für eine härtere Antidopinggesetzgebung mitbekommen hätte. Auf Männer wie Degenkolb ist der Rückstand von Wiggins offenbar noch größer als auf die derzeit Führenden im Giro d’Italia.