Sonntag, 27. November 2022

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Virtual Reality
In der Haut einer anderen Person

Facebook hat kräftig in den Hersteller von Virtual-Reality-Brillen, Oculus Rift, investiert. Tatsächlich ist der Schritt in die Welt der virtuellen Realität so greifbar wie nie. Der britische Künstler Mark Farid will mit einer solchen Brille für 28 Tage in die Haut einer anderen Person schlüpfen.

Von Louise Brown | 02.12.2014

    Facebook hat kräftig in den Hersteller von Virtual Reality-Brillen, Oculus Rift investiert. Tatsächlich ist der Schritt in die Welt der "Virtual Reality" so greifbar wie nie. Der britische Künstler Mark Farid will mit einer solchen Brille für 28 Tage in die Haut einer anderen Person schlüpfen und deren Leben per Virtual Reality mitleben. Wenn er per Crowdfunding genug Geld dafür eintreiben kann. Louise Brown hat sich sein - je nach Meinung - mutiges oder schräges Projekt genauer angeschaut.
    Beitrag:
    Haben Sie schon davon geträumt, in die Haut einer anderen Person zu schlüpfen? Der Stoff von Romanen und Filmen ist möglicherweise nur einen Mausklick entfernt. Zumindest, wenn man dem Künstler Mark Farid glaubt:
    "Mit der Technologie verschwimmt zunehmend die Grenze zwischen der echten und der virtuellen Welt. Mich interessiert, ob diese Grenze sich ganz auflösen lässt."
    Wie das geht? Eine Person, die Farid nicht kennt und "the other", also "den Anderen" nennt, wird mit einer speziellen Brille ausgestattet, die deren Umgebung im 180-Grad-Winkel aufnimmt. Die Aufnahmen werden einige Tage später auf das Virtual Reality-Headset von Mark Farid aufgespielt. Das Gerät, wird Farid 28 Tage lang, für 24 Stunden, in einer Galerie in London tragen.
    "Farid wird sehen, was die andere Person gesehen hat. Hören, was sie gehört hat. Essen, was sie gegessen hat. Auf Toilette gehen, wenn - naja, Sie wissen schon."
    Mark Farid ist ständig online
    Mark Farid will wissen, ob sich seine Identität in der virtuellen Welt auflöst.
    "Ob das Individuum eine angeborene, eigene Identität hat oder ob wir die kulturelle Identität unserer Umgebung annehmen."
    Mark Farid, ein junger, fahriger Typ frisch von der Kunsthochschule, hat sich zu seinem Projekt von seinem eigenen Leben inspirieren lassen.
    Ein Leben ohne ständig online zu sein: kennt er nicht
    Anfang des Jahres hat Farid den Testversuch gemacht: Für 24 Stunden schlüpfte er mit der Virtual-Reality-Brille in die Haut einer anderen Person. Titel des Projekts: Alone Together. So heißt ein Buch der US-Soziologin Sherry Turkle. Deren Hauptaussage: Mehr Vernetzung und das ständige Starren auf Smartphones, Laptops und Tablets führt zu mehr Einsamkeit.
    "Das Experiment war vor allem langweilig und einsam", sagt Farid,
    Experten warnen: Zusammenbruch und Wahnvorstellungen
    Bis der andere ein Videospiel spielt - und Farid intuitiv die Schießbewegungen mit den Fingern nachahmt - was er erst mitbekommt, als er spätere Aufnahmen vom Experiment sieht.
    "Der Andere" soll gerne Bungee Jumping betreiben oder zumindest Fußball spielen. Vor allem soll er ein heterosexueller Mann mit Lebensgefährtin sein. Moment...
    "Klar ist es merkwürdig, einem Menschen bei allem zuzusehen - aber den Sex auszusparen? Das ist doch der spannendste Punkt, wenn es um die Grenze zwischen der physischen und virtuellen Welt geht."
    Mark Farid ist nicht der erste Künstler, der solche fragwürdigen Experimente wagt, um den Einfluss der Technologie auf die Persönlichkeit zu untersuchen. Internetunternehmer Josh Harris ließ Ende der 90er Jahre mehr als 100 Künstler in einem Bunker in Manhattan überwachen. In dem installierten Hauptkontrollraum konnte jeder jeden beobachten: beim Schlafen, Duschen, Essen. Nach einem Jahr brach eine Spezialeinheit der New Yorker Polizei das Experiment ab, nachdem das Experiment in Chaos zu versinken drohte.
    Auch Farid wird von Experten gewarnt: 28 Tage in der virtuellen Welt zu verbringen, ist zu lang. Sie befürchten einen Zusammenbruch. Wahnvorstellungen.
    Erst einmal muss Mark Farid bis Ende Dezember die nötigen 150.000 Pfund eintreiben, um die begleitenden Ärzte, Psychologen, Wissenschaftler und die nötige Technik zu bezahlen.
    Was aus dem Experiment am Ende herauskommt, weiß er nicht. Doch eines ist ihm jetzt schon gewiss:
    "Auch wenn sich zeigt, wie zerstörerisch die Technologie ist - wir werden sie nie aus unserem Leben verbannen."