Bundesanwaltschaft
Weiterer Nord-Stream-Verdächtiger in Kroatien festgenommen

In Kroatien ist ein weiterer Verdächtiger im Zusammenhang mit den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines festgenommen worden. Wie die Bundesanwaltschaft mitteilte, wurde der Mann in Zusammenarbeit mit kroatischen Ermittlungsbehörden in der Stadt Pula gefasst.

    Luftaufnahme des Gaslecks der Nord-Stream-2-Pipeline
    Im September 2022 strömte Gas aus Nord-Stream-Pipelines an die Oberfläche der Ostsee. Nun ist ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden. (imago / UPI Photo / DANISH DEFENCE)
    Gegen ihn lag seit mehr als zwei Jahren ein europäischer Haftbefehl vor. Dem Ukrainer wird vorgeworfen, als ausgebildeter Taucher in der Ostsee Sprengstoff an den Pipelines angebracht zu haben.

    Gesprengte Nordstream-Pipeline: Angriff auf die deutsche Energieversorgung

    Die beiden Nord-Stream-Leitungen waren im September 2022 durch Explosionen schwer beschädigt worden. Diese dienten dem Transport von russischem Gas – unter anderem nach Deutschland. Gegen einen Hauptverdächtigen, der ebenfalls aus der Ukraine stammt, wurde bereits Ende Juni Anklage erhoben.
    Die Bundesanwaltschaft ermittelt mit der Begründung, dass durch die Sprengung ein Angriff auf die deutsche Energieversorgung stattgefunden habe.

    ARD-Terrorismus-Experte: "Reichlich bizarre Entwicklung"

    Der ARD-Terrorismus-Experte Holger Schmidt sagte im Deutschlandfunk , der Mann sei schon länger zur Fahndung ausgeschrieben gewesen. Kurioserweise habe er im vergangenen Jahr bereits einmal in Polen in Untersuchungshaft gesessen, sei damals aber nicht ausgeliefert worden. Das sei ein kleiner diplomatischer Eklat gewesen.
    Schmidt wies auf weitere seltsame Umstände hin: Die Festnahme in Kroatien erfolgte ausgerechnet in der Stadt Pula, wo eine große Hollywood-Produktion mit Sean Penn gedreht wird. Der Thriller "Snake Island" ist inspiriert von den Ereignissen um den Anschlag auf Nord Stream 2. Es stelle sich die Frage, ob der festgenommene Berufstaucher bei der Produktion als Berater tätig gewesen sein könnte, so ARD-Experte Schmidt.
    Diese Nachricht wurde am 19.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.