
Hauptgrund ist demnach, dass aus Verbindungen am Meeresboden große Mengen Phosphat freigesetzt werden - und Phosphat ist einer jener Nährstoffe, die auch in den etwa aus der Landwirtschaft in die Ostsee gespülten Düngemitteln enthalten sind. Einträge durch Dünger in die Ostsee sind noch immer ein Problem, aber zumindest zurückgegangen. Durch das nun zusätzlich aus dem Meeresboden freigesetzte Phosphat bleibt die Problematik von zahlreichen und starken Algen- und Cyanobakterienblüten aber bestehen.
Die Forschenden erklären die vermehrte Freisetzung von Phosphat aus dem Boden nun mit genau diesen Algen- und Cyanobakterienblüten. Denn wenn diese nach unten sinken, werden sie im Tiefenwasser von Mikroorganismen abgebaut. Dabei wird oft der komplette Sauerstoff verbraucht - und es entstehen immer mehr sauerstofffreie Zonen am Boden der Ostsee.
Phosphat aus dem Boden verstärkt Algenblüten
Normalerweise wird Phosphat am Boden etwa von Eisen und Mangan mineralisch gebunden. Das geht aber nur mit Sauerstoff. Ohne Sauerstoff lösen sich diese Verbindungen mit der Zeit auf und das Phosphat wird freigesetzt - was quasi als Dünger an der Oberfläche wiederum Algen- und Cyanobakterienblüten verstärken kann.
Phosphoreintrag in Ostsee seit den 1980ern halbiert
Der Studie zufolge hätten Schutzprogramme wie der "Baltic Sea Action Plan" zwar dazu geführt, die Nährstoffbelastung aus menschlichen Quellen zu reduzieren. So seien die Phosphorfrachten der Flüsse seit den 1980er-Jahren um etwa 50 Prozent und die Stickstofffrachten um rund 30 Prozent gesunken. Wegen der sauerstofffreien Zonen komme es aber weiter zur Phosphatfreisetzung. Laut den Studienautoren um Forscher Joachim Kuss braucht es zur Verbesserung der Lage eine deutliche Verminderung der Sauerstoffarmut im Tiefenwasser sowie eine deutliche Reduzierung der Nährstoffeinträge des Oberflächenwassers.
Allerdings verstärke auch der Klimawandel die Dynamik. Denn wärmeres Oberflächenwasser stabilisiert die Schichtung der Ostsee und verstärkt die Barriere für den Transport von Sauerstoff in tieferes Wasser.
Diese Nachricht wurde am 22.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
