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Wenn das Herz funkt

Medizintechnik. - Bei Störungen am Herzen ist in der Regel Eile geboten. Auf der Düsseldorfer Medica wurde jetzt ein Herzschrittmacher vorgestellt, der die Leistungsdaten des Herzen mit Hilfe des Mobilfunks an den behandelnden Arzt sendet, damit dieser die Therapie überwachen und notfalls schleunigst eingreifen kann.

Von Mirko Smiljanic |
    Ein Herz. Es schlägt ruhig und regelmäßig. Manchmal geraten Herzen aber auch aus dem Takt. Einige schlagen unregelmäßig, andere zu schnell, dritte zu langsam. In schweren Fällen helfen nur noch Herzschrittmacher, kleine Implantate, die dem Herzschlag den richtigen Rhythmus geben.

    "Der Herzschrittmacher funktioniert so, dass eine Elektrode durch eine Vene in das Herz geschoben wird, es sind dann meist auch zwei Elektroden, einmal für den Vorhof und einmal für den Ventrikel, dann wird an bestimmten Positionen am Herzen ein elektrischer Impuls abgegeben","

    sagt Bernhard Sembdner vom Herzschrittmacher-Produzenten Biotronik in Berlin. Weltweit viele Millionen Träger von Schrittmachern beweisen, dass die kleinen elektronischen Helfer funktionieren. Sieht man mal davon ab, dass der behandelnde Arzt fast immer zu spät erfährt, wenn der Schrittmacher defekt ist oder das Herz trotz Unterstützung immer noch Probleme bereitet: Der Patient muss zunächst in die Klinik, erst dann kann der Mediziner eingreifen. Das könnte schneller gehen, sagen sich Berlins Biotronik-Ingenieure, die Daten über das Herz sollten per Funk direkt zum Arzt übermittelt werden. Sembdner:

    ""In dieses Implantat ist eine kleine Antenne integriert und in dem Implantat selber befindet sich ein Mikrochip, der Daten aufbereitet und dann über diese kleine Antenne, die ist in das Gerät eingebaut, diese Daten dann automatisch bei einer relativ niedrigen Energie, wir brauchen ungefähr 35 Mikrowatt, da werden dann die Daten an ein Handyähnliches Gerät geschickt, das ist ein Tribandhandy, was dann wiederum eine Empfangseinheit hat, was diese Daten empfangen kann."

    Zunächst funkt der Schrittmacher die Daten mit einer Frequenz von 403 MHz - sie ist für medizinische Anwendungen reserviert - an das Handy beziehungsweise an den Kardiomessenger, so heißt das kleine Gerät offiziell, der wiederum verschickt sie mit gängiger SMS-Technologie an ein Rechenzentrum in Berlin. Dort werden die Daten aufbereitet und dem behandelnden Arzt zur Verfügung gestellt. Sembdner:

    "Das sind Informationen über auftretenden Arrhythmien, also das Herz schlägt zu schnell."

    Der Arzt könnte bei Bedarf fast online den Herzschlag seines Patienten beobachten - und im Notfall eingreifen. Was natürlich schon aus Zeitgründen unrealistisch ist. Um nicht in der Datenflut zu ertrinken, werden die Ergebnisse gefiltert. Je nach Krankheit legt der Mediziner Grenzwerte fest. Werden sie über- oder unterschritten, schlägt der Rechner Alarm und der Arzt schreitet ein. Dabei kann es übrigens nicht vorkommen, dass sich die Daten von zwei nebeneinander sitzenden Herzschrittmacherträgern versehentlich vermischen - sagt Bernhard Sembdner:

    "Es ist so, dass man diesen Kardiomessenger ganz speziell einem Implantat zuordnet. Das macht man, wenn man das System anmeldet im Internet und damit sind die beiden ein Pärchen und es kann dann nicht zu Übertragungen von anderen Patienten kommen."

    Weltweit tragen 25.000 Patienten Herzschrittmacher mit Mobilfunktechnik. Die meisten fühlen sich sicherer. Hinzu kommt, so Bernhard Sembdner,

    "dass man mit einem solchen Gerät wesentlich zu Prävention von Folgeerkrankungen beitragen kann, Sie wissen, die Patienten sind herzkrank, diese Krankheit kann man auch nicht durch den Einbau eines Implantates vollständig heilen, und es kann dann im Verlauf der Krankheit passieren, dass sich der Zustand verschlechtert, und mit solchen Systemen kann man das sehr deutlich sehen, also wenn neue Arrhythmien auftreten, dann wird der Arzt informiert und er kann dann entsprechend seine Therapie anpassen."