Mittwoch, 25. Mai 2022

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Wettbewerb
Die Berlinale auf der Zielgeraden

Die Berlinale neigt sich dem Ende zu. Am Samstag vergibt die internationale Jury unter ihrem Präsidenten Tom Tykwer den Goldenen und die Silbernen Bären. Zeit für eine erste Bilanz: Ein vielfältiges Wettbewerbsprogramm, für das man viel Ausdauer benötigt.

Von Maja Ellmenreich | 22.02.2018

Die Regisseurin Emily Atef auf der Berlinale 2018
Die Regisseurin Emily Atef zeigt ihren Film "Drei Tage in Quiberon" auf der Berlinale (imago/STPP)
Emily Atef erinnert in ihrem Film "Drei Tage in Quiberon" an das letzte große Interview, das Romy Schneider 1981 dem "Stern"-Reporter Michael Jürgs gegeben hat. Marie Bäumer spielt darin die körperlich und seelisch erschöpfte Romy Schneider, die die Fragen des Journalisten gnadenlos ehrlich beantwortet. Von kindlich-strahlend bis selbstzerstörerisch-depressiv reicht die Gefühlspalette, die Marie Bäumer großartig beherrscht. Doch dieses schauspielerische Niveau erreicht nicht das komplette Ensemble.
Wild und sperrig
Der dritte deutsche Beitrag im Berlinale-Wettbewerb stammt von Philip Gröning: "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot". Eine philosophische Meditation über die Zeit und die besondere Beziehung eines Zwillingspärchens. Der Film ist eine Reflexion über die Zeit und zugleich eine Zeit-Erfahrung mit seinen drei Stunden. Jury-Präsident Tom Tykwer hatte ja zu Berlinale-Beginn angeklagt, es mangele an wilden und sperrigen Filmen aus Deutschland. Philip Gröning liefert mit "Mein Bruder heißt Robert ..." genau solch einen Beitrag.
Filmoper von Lav Diaz
Der philippinische Regisseur Lav Diaz, bekannt für seine stundenlangen Kino-Epen über die dunklen Zeiten in seinem Heimatland, hat mit "In Zeiten des Teufels" neues Terrain betreten: Er lässt die Figuren in seinem vierstündigen Film ausschließlich singen. Das Auge sieht, wie in einem philippinischen Dorf zu Zeiten von Diktator Marcos gemetzelt und gemordet wird, während das Ohr schlichte, harmlos anmutende Gesänge hört.