Klimaanpassung im Weinbau
Widerstandskraft gegen Trockenheit und Hitze: Agrarexperte beobachtet Zunahme von Rebsorten aus Südeuropa

Der Weinbau muss sich den Folgen des Klimawandels anpassen. Hoch im Kurs stehen schon jetzt Rebsorten, die eine größere Widerstandskraft gegen Trockenheit und Hitze aufweisen. Viele Weinbauern hierzulande schauen dafür nach Südeuropa.

    Über Weinstöcken steht eine Photovoltaik-Anlage
    Oben Strom, unten Wein: Scheint die Sonne, reifen die Trauben und es wird Strom erzeugt in einem Weinberg in Munzingen (Baden-Württemberg). Gleichzeitig sollen die Module die Trauben vor zu viel Sonne, aber auch Hagel schützen. (imago / Winfried Rothermel )
    Agrarexperte Manfred Stoll, Leiter des Instituts für allgemeinen und ökologischen Weinbau der Hochschule Geisenheim im hessischen Rheingau, sagte im Interview mit dem Evangelischen Pressedienst, Sorten aus Südeuropa würden in Deutschland seit Jahrzehnten zunehmend angepflanzt. Darunter seien der Merlot, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon, aber auch der Albariño aus Portugal oder der Assyrtiko aus Griechenland.
    Stoll erläuterte, interessant für Weinbauern seien zudem Rebsorten, die widerstandsfähig gegen Krankheiten seien und daher weniger Pflanzenschutzmittel brauchten. Unter ihnen böten etwa die Calardis-Sorten sowie Sauvignac, Fidelio oder Souvignier Gris Potenzial für die Weinherstellung. Die Anlage eines Weinbergs sei eine Investition, die sich über Jahrzehnte lohnen müsse, unterstrich der Wissenschaftler. Junge Reben bis zum siebten oder achten Jahr seien besonders durch Trockenheit gefährdet, weil ihre Wurzeln noch nicht metertief reichten. Wasser werde in Zukunft die größte Herausforderung, prognostiziert der Agrarexperte.

    Tropfschläuche und Artenvielfalt

    Eine Bewässerungsinfrastruktur gebe es in klassischen Weinlagen nicht. Die Winzer müssten bei Trockenheit das Wasser mit Tanks in den Weinberg fahren. Dabei fasse ein Wagen nur einen geringen Teil der Menge eines Sommerregens, und ein Teil des versprühten Wassers verdunste gleich. Wirksamer sei die Bewässerung durch Tropfschläuche an den Reben. Am effizientesten sei die Bewässerung mittels Perlschläuchen unter der Erde, die es aber bisher selten gebe. Außerdem empfiehlt der Wissenschaftler, die Renaturierung von Entwässerungsgräben, das Säen von Blütenmischungen und eine Flurbereicherung durch Kräuter, Sträucher und Hecken. Diese Maßnahmen verringerten den Abfluss von Niederschlägen und ließen den Boden mehr Wasser aufnehmen.

    Photovoltaik-Anlagen als Schattenspender

    Gegen einen Sonnenbrand würden Weinreben in trocken-heißen Gebieten durch Beschattungsnetze geschützt, so Stoll. Die Hochschule Geisenheim experimentiere außerdem mit schattenspendenden Photovoltaik-Anlagen über Reben - einer doppelten Flächennutzung. Die Anlagen könnten zudem Heizdrähte zum Schutz bei Spätfrösten emissionsfrei erwärmen. Denn das Risiko, dass Triebe durch späte Fröste erfrieren, nehme zu, weil die Reben aufgrund der steigenden Temperaturen im Frühjahr früher austreiben.
    Diese Nachricht wurde am 26.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.